Bettina Seifert ist Lehramtsanwärterin an der Münnerstädter Grundschule und schleppt täglich schwere Unterrichtsmaterialien vom Auto in das Klassenzimmer. Ihre zwei Hände reichen gar nicht aus. Also wird die Gitarre über die Schulter gehängt. Nicht anders geht es ihren Kollegen. Umso entsetzter sind sie, dass sämtliche städtischen Parkplätze gegenüber dem Schulgelände im Zuge des Hallenbadabbrisses und der Neugestaltung des Geländes wegfallen sollen. Das würde bedeuten, dass für Grund- und Mittelschule zusammen kaum mehr als eine Handvoll Parkplätze verblieben.
Die Lehrer haben erst aus der Zeitung vom drohenden Verlust der Parkplätze erfahren. Schulleiter Detlef Elsner hofft, dass es doch noch Gespräche gibt, um eine Lösung für die Schule zu bekommen. "Die Lehrer kommen nicht mit der Handtasche in die Schule", sagt Detlef Elsner. Täglich würden sie stapelweise Hefte, Ordner und Unterrichtsmaterialien vom Parkplatz in die Klassenzimmer schleppen. Das alles in der Schule zu lagern, ginge gar nicht. Bleibt die Stadt tatsächlich bei ihren Plänen, stünden im gesamten Schulkomplex noch rund sechs Parkplätze am Eingang Schlesierstraße zur Verfügung.


Probleme fürs WiM-Projekt

Dass die Lehrer auf dem Parkplatz am Sportzentrum parken und ihre Sachen von dort zur Schule und zurück tragen sollen, hält er für unzumutbar. Elsner denkt aber auch an die Kollegen, die an mehreren Schulen unterrichten und deren Stundenplan extrem getaktet ist.Zeitlich sei es für diese kaum möglich, lange Fußwege zum Schulhaus antreten zu müssen, wollten sie ihren Unterricht pünktlich beginnen.
Elsner denkt auch an die Eltern. Besonders schwierig sei die geplante Parkplatzsituation, wenn ein Schulkind am Musikprojekt "WiM" teilnimmt. Tuba, Posaune oder Trompete sind einfach zu schwer für die Kinder, um sie selbst in die Schule zu tragen. Die Eltern bringen die Instrumente deshalb mit dem Auto direkt zur Schule.


Furcht vor einem Park-Chaos

Die Elternbeiratsvorsitzende Tanja Verholen fürchtet auf Dauer ein riesiges Parkchaos, das sich auf alle umliegenden Straßen ausbreitet. Sie hat kein Verständnis für die Entscheidung, die Stellflächen gegenüber dem Schulhaus aufzugeben. "Aber man ist machtlos", sagt die Kleinwenkheimerin. Als Mutter und Elternbeiratsvorsitzende fühlt sie sich von dieser Entscheidung "überrumpelt".


Schützen sehen Probleme

Nicht erfreut sind auch die Münnerstädter Schützen über diese Entscheidung. Am unteren Ende des bestehenden Parkplatzes beginnt ihr Grundstück mit einigen eigenen Stellflächen. Eine Abtrennung ist derzeit nicht ersichtlich. Doch Schützenmeister Klaus Brückner kann sich vorstellen, dass diese verbleibenden Parkplätze der Schützengesellschaft künftig noch stärker als Schulparkplatz genutzt werden. Bislang hätten die Schützen ein Auge zugedrückt.
Brückner kann sich zudem vorstellen, dass die Lehrer oder Eltern auf die weiteren Plätze der Schützengesellschaft im Lauergrund ausweichen. Und er gibt zu bedenken, dass die Schule nicht nur tagsüber genutzt wird. An den Abenden finden dort Volkshochschulkurse oder Freizeitsport der Vereine statt. Nächste Ausweichmöglichkeit wären dann wieder die Stellflächen der Schützengesellschaft am KTC-Heim oder am Bogenplatz. Die Folge könnte sein, dass die Schützen immer wieder auf ihren eigenen Stellflächen keine Parkmöglichkeit mehr finden. Auch höhere Unterhaltungskosten an den Parkflächen durch die Mehrnutzung könnten eine Folge sein, meint Klaus Brückner. Klaus Brückner hat das Thema auf die Tagesordnung einer Sitzung des Schützenmeisteramtes genommen. Darin soll das weitere Vorgehen besprochen werden. Brückner geht eher nicht davon aus, dass die Schützengesellschaft ihre Nachbarunterschrift für das städtische Vorhaben gibt.


Polizei spricht von Komfortverlust

Weniger problematisch sieht die Polizei den absehbaren Verlust der Parkplätze an der Schule. Ein grundsätzliches Sicherheitsproblem erkennt Lothar Manger nicht. Er spricht lediglich von einem "Komfortverlust" für Lehrer und Eltern.
Allerdings kann er sich vorstellen, dass es zu den Bring- und Abholzeiten der Kinder zu Verkehrsbehinderungen in der Schützenstraße kommen wird. Nachdem keine Parkplätze mehr vorhanden sind, würden die Eltern noch häufiger an der Straße stehen. Die Polizei werde ein Auge auf die Situation haben.
Bürgermeister Helmut Blank teilt die Befürchtungen der Lehrer nicht. Die Angestellten am Rathaus hätten auch keine eigenen Parkplätze, sagt er. Den Fußweg vom Sportzentrum zum Schulhaus hält er für vertretbar. Je nachdem, wo es freie Parkplätze am Sportzentrum gibt, ist die kürzeste Entfernung zur Grundschule rund 400 Meter.
Bei Schulhausneubauten sei es zwar üblich, dass heute Parkplätze in ausreichender Zahl für Lehrer ausgewiesen werden, weiß Kreisbaumeister Günter Stammwitz. Der Landkreis mache das. Ob es allerdings eine Stellplatz-Pflicht für Schulen gibt, konnte er aus dem Stegreif nicht sagen.