"Die Veranstaltung zeigt, dass wir Münnerstädter - wenn es drauf ankommt - dick zusammenhalten. Wir werden das Kind schon schaukeln." Mit diesen Worten beendete Bürgermeister Helmut Blank nach rund zwei Stunden die Informationsveranstaltung zur künftigen Nutzung des Jugendhauses als dezentrale Unterkunft für Flüchtlinge. Knapp 150 Münnerstädter waren gekommen. Lobende Worte gab es noch mehr. "Ich habe schon an vielen solcher Veranstaltungen teilgenommen", sagte Eva Peteler vom Würzburger Flüchtlingsrat gegenüber unserer Zeitung. "Das war die beste." Die Augustiner machten an dem Abend deutlich, dass es sich bei ihrem Engagement um einen Akt christlicher Nächstenliebe handelt. Zahlreich waren die Mitglieder des Ordens vertreten, darunter auch Provinzial Pater Alfons Tony.


Bis zu 95 Flüchtlinge

Er sei froh und glücklich, dass der Orden der Augustiner diese große Aufgabe zusammen mit der Regierung von Unterfranken und dem Landratsamt Bad Kissingen übernimmt, sagte Helmut Blank in seiner Begrüßung. "Wir als Stadt Münnerstadt werden im Rahmen unserer Möglichkeiten selbstverständlich auch unseren Beitrag dafür leisten." Bis zu 95 geflüchtete Menschen werden in der Unterkunft untergebracht. Dazu hätten die Bürgerinnen und Bürger natürlich viele Fragen. Diese sollten an diesem Abend geklärt werden.


Toleranz und Geduld

Der Bürgermeister zeigte sich überzeugt, dass sich im offenen Gespräch viele Sorgen aus dem Weg räumen lassen. Er wolle aber auch nichts beschönigen. "Wir werden Menschen als Nachbarn bekommen, die einen völlig anderen kulturellen Hintergrund haben." Blank sprach von traumatisierten Menschen. "Das wird uns Toleranz und Geduld abfordern." Die neuen Mitbürger hätten ein Anrecht darauf, dass man ihnen mit Respekt begegnet, so wie man sich das selbst in einer solchen Situation wünschen würde. "Stellen Sie heute Abend alle Fragen, die Sie haben", forderte Stefan Seufert, Asylkoordinator im Landratsamt Bad Kissingen, die Besucher auf. Denn Nichtwissen führe zu einer gewissen Feindseligkeit. Keine Frage dürfe ungestellt bleiben. Er erläuterte zunächst die Flüchtlingsproblematik allgemein, ging auf die Unterschiede zwischen einer Notunterkunft und einer dezentralen Unterkunft ein, die im Jugendhaus entstehen wird. "Wir verpflichten die Vermieter, uns bei der Alltagsbetreuung zu unterstützen", erklärte der Asylkoordinator. In Münnerstadt wird diese Aufgabe hauptsächlich Stadtpfarrer Pater Markus Reis übernehmen.


Mit Vorurteilen aufgeräumt

Nach Erläuterungen zu Zahlen und Quoten legte Stefan Seufert los mit dem Aufräumen von Vorurteilen und ging auf Krankheiten ein. Natürlich habe auch mal ein Flüchtling die Grippe, aber die Krankheiten bewegen sich im ganz normalen Durchschnitt. "Ich habe überhaupt keine Angst in die Notunterkunft zu gehen und jemandem die Hand zu geben", bekräftigt er seine Aussage. Er bestätigte, dass alle künftigen Bewohner der dezentralen Unterkunft bereits medizinisch untersucht sind, wenn sie einziehen.
Auch das Phänomen der Handys konnte Stefan Seufert erklären. Dies sei oft die einzige Verbindung zu Familienmitgliedern. "Lieber hungern sie, als dass sie ihr Handy abgeben." Er nannte das Beispiel einer Familie, die völlig auseinandergerissen war. Nur dank moderner Kommunikationsmöglichkeiten sei es gelungen, alle wieder zusammenzuführen.


Schnell in die Schule

Zum Thema Integration sagte er, dass Kinder und Jugendliche bis 16 Jahren wahnsinnig schnell Deutsch lernen. Spätestens zwei, drei Tage nach der Ankunft sollte ein Kind zur Schule gehen. Er lobte das Engagement der Lehrer und meinte, dass zwei, drei Flüchtlingskinder in einer Klasse verkraftbar seien. Möglichen Helfern nannte er schon jetzt, was am wichtigsten ist: Hilfe zur Selbsthilfe, also dass die Flüchtlinge beispielsweise lernen, einen Busfahrplan zu lesen und Ähnliches. Stefan Seufert, der seinen Vortrag immer wieder mit heiteren Anekdoten aus seiner Arbeit mit Flüchtlingen und Helfern auflockerte, meinte, dass er guter Dinge sei, dass es in Münnerstadt funktioniert, so wie es ja auch schon in der Gemeinschaftsunterkunft der Fall ist. "Es geht aber nicht ohne die Menschen, die in Münnerstadt leben", erklärte er und gab ihnen mit auf den Weg: "Gehen Sie einfach auf die Menschen zu, die haben mehr Angst als wir."
"Wir machen das, weil die Flüchtlinge da sind", sagte Pater Markus Reis, der diesmal nicht nur als Stadtpfarrer, sondern auch als Mitglied der Provinzleitung sprach. Es sei Aufgabe eines Christen zu helfen. "Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen", zitierte er aus der Bibel. 80 bis 95 Flüchtlinge werden erwartet. "Ich bin zuversichtlich, wir kriegen das hin."
Pater Markus erinnerte an die vor zwei Jahren gefällte Entscheidung, das Jugendhaus zu schließen, das er selbst acht Jahre lang "mit Herzblut" geleitet hatte. Kein Mitbruder war in Sicht, der das Haus mittelfristig hätte leiten können. Außerdem standen hohe Investitionen ins Haus. "Jetzt ist eine völlig neue Situation entstanden." Er habe zu Gott gebetet und um sein Mitwirken für eine künftige Nutzung des Hauses erbeten. Nun stehe man vor der Entscheidung, dieses Geschenk anzunehmen oder zu fliehen. Er ließ keinen Zweifel daran, dass er das Geschenk annehmen wird, auch wenn damit noch mehr Aufgaben auf ihn zukommen werden.
Ursula Hartmann, Flüchtlingsberaterin beim Caritas-Kreisverband Bad Kissingen, erinnerte daran, dass es in Münnerstadt schon seit vielen Jahren die Gemeinschaftsunterkunft gibt mit nur wenigen Problemen. Sich und ihre Mitarbeiter bezeichnete sie als "Mädchen für alles". Sie sprach den Anwesenden Mut zu, den Flüchtlingen zu helfen. Joachim Spies, Vorstand bei der evangelischen Kirchengemeinde Münnerstadt, meinte: "Helfen ist gut, aber es muss auch eine gewisse Struktur haben." Wichtig sei, dass sich ein Helferkreis bildet, der sich unter anderem aus den beiden Kirchengemeinden, der Kommune und den Vereinen bildet. Hilfe zu geben sei die erste Stufe der Integration. Ausdrücklich schloss er die Stadtteile mit ein.


Noch mehr Informationen

Bei der Diskussion kündigten mehrere Besucher an, dass sie Hilfe leisten wollen. Es wurde aber auch mit Vorurteilen aufgeräumt. Als Schlüssel zu den Flüchtlingsfamilien nannte Eva Peteler deren Frauen. Vor allem die Syrier seien unserer Kultur viel näher als man annehme. Sie erklärte auch, dass so viele junge Männer flüchten, weil sie sonst vom Assad-Regime zum Kriegsdienst eingezogen werden.
Eine Anmerkung von Rainer Kirch, dass der Umbau für die Augustiner angesichts der Mietlaufzeit wohl nicht rentierlich sei, begegnete Bruder Peter Reinl mit der Bemerkung, dass es hier nicht um Rentierlichkeit gehe. "Auch wenn es mit einem Minus endet, ist das Geld wahrscheinlich gut investiert." Der Leiter der Polizeiinspektion Bad Kissingen, Stefan Haschke, bestätigte, dass es mit Flüchtlingen nicht mehr Probleme gibt als mit anderen Personen.