Ludwig Schmitt ist mit Theinfeld verwachsen und seit Jahrzehnten ein Gestalter des Gemeinschaftslebens in dem knapp 200 Einwohner zählenden Thundorfer Gemeindeteil. An diesem Mittwoch, 27. August, feiert er seinen 90. Geburtstag. Geboren 1924 in Theinfeld, musste er nach der Schulzeit in sehr jungen Jahren als Kriegsteilnehmer die Schrecken des Zweiten Weltkrieges als Soldat miterleben.
Er wurde als Hufbeschlagsschmied an der Front eingesetzt, beim Rückzug verwundet und aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen. "Die Dörfer waren in den Nachkriegsjahren noch ganz stark von der Landwirtschaft geprägt, das bewog mich, das Schmiedehandwerk zu erlernen und mich 1950 selbstständig zu machen", erzählt der "Defelder Schmied". Er verkaufte den Landwirten Schlepper und andere Landmaschinen. Nach der Flurbereinigung in Theinfeld baute er direkt an der Kreisstraße KG 11 einen völlig neuen Betrieb auf und brachte diesen zur Blüte. Heute ist es ein moderner Metallbetrieb, der von Sohn Werner und Enkel Stefan geleitet wird.

Dritter Bürgermeister

Aber nicht nur der eigene Betrieb lag dem Ludwig am Herzen, auch sein Heimatort Theinfeld und die umliegenden Orte und deren Bewohner hat er in vielen Ehrenämtern begleitet. Die Liste seiner vielen Ehrenämter sprengt den Rahmen, deshalb nur die wichtigsten. Er war 18 Jahre lang im Gemeinderat, von 1978 nach der Gebietsreform bis 1996, davon zwei Perioden als Dritter Bürgermeister. Dem Kreistag gehörte das CSU-Mitglied von 1972 bis 1996 (24 Jahre) an. Im Musterungsausschuss war Schmitt 16 Jahre lang tätig. Dort setzte er sich in vielen Fällen für die Befreiung vom Wehrdienst ein. In seiner Kreistagszeit war er Schöffe, und zwar sechs Jahre am Amtsgericht und 18 Jahre bei der Großen Strafkammer am Landgericht Schweinfurt.
Als 1968 der Wunsch aufkam, in Theinfeld eine eigene Musikkapelle zu gründen, stand er von Anfang an voll hinter dieser Idee und war bis 1998 Vorsitzender. Beerbt wurde er in dieser Funktion von seinem Sohn Thomas, der bis heute diesem Klangkörper vorsteht.
Zudem war er Gründungsmitglied und 25 Jahre Vorsitzender des CSU-Ortsverbandes Thundorf. Er brachte es fertig, dass Franz Josef Strauß 1973 zum Kolpingjubiläum nach Thundorf kam. Bei der Bundestagswahl 1972 hatten im Stimmkreis Theinfeld abgesehen von einer Person alle für die CSU gestimmt.

Lob von Amtsträgern

Bei der Verleihung des Ehrenbürgerrechts am 4. Juli 2001 sagte der damalige Bürgermeister Felix Braun in seiner Laudatio: "Ich stelle fest, wer von Theinfeld redet, kommt an zwei Dingen nicht vorbei: an der Trachtenkapelle, die weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt ist, und am ,Defelder Schmied‘." Der damalige Landrat Herbert Neder gratulierte "einem Freund und Weggefährten, der in seinem Leben viel geleistet hat". Weitere Auszeichnungen und Ehrungen für sein Ehrenamtsengagement waren 1985 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und 1986 der Kulturehrenbrief des Landkreises. Die Kreishandwerkerschaft hat ihm das goldene Kammersiegel verliehen und ihm zum Innungsobermeister ernannt; 1996 erhielt er das Landkreisehrenzeichen in Gold.

Gattin früh gestorben

Ein schwerer Verlust war der frühe Tod seiner Ehefrau Martha. Sie starb im Alter von 61 Jahren am 5. Juni 1991. Im Juni vergangenen Jahres erkrankte Ludwig Schmitt nach Angaben seiner Schwiegertochter Birgit an einer schweren Lungenentzündung. "Wir haben nicht gedacht, dass er seinen 89. Geburtstag noch erlebt", sagt Birgit Schmitt und fügt an: "Ab diesem Zeitpunkt werden wir von der Sozialstation Maßbach vorbildlich unterstützt."
Aus der Ehe von Ludwig und Martha gingen vier Söhne, die alle mit ihren Familien in Theinfeld wohnen, fünf Enkel und vier Urenkel hervor, die ihrem Opa und Urgroßvater gratulieren. Ludwig wünschte seinen Mitmenschen häufig "Gottes Segen"; an seinem Ehrentag werden dies sicherlich viele Gratulanten dem "Defelder Schmied" wünschen.