Für ein ostkirchliches Gotteshaus ist eine Ikonenwand (Ikonostase) ebenso unerlässlich wie ein Chor. Beinahe zwölf Jahre ist es nun her, dass die Mitglieder des Münnerstädter Johannes-Chores die Ikonostase aus dem Studienseminar St. Josef mühevoll dem Gewölberaum im Deutschordensschloss angepasst haben. Nun ist die Schlosskapelle Johannes der Täufer um eine weitere Attraktion reicher: eine Deckenikone, die Christus, den Weltenherrscher zeigt.
Nachdem die byzantinischen Gottesdienste wegen des Umbau nicht mehr im Studienseminar St. Josef stattfinden konnten, waren alle Beteiligten froh, dass sie im Schloss einen sehr geeigneten Raum fanden. Die Gewölbeform ist typisch für viele Kirchen des Ostens, sagt Thomas Pfarr vom Johannes-Chor. Typisch sei aber auch, dass die Kirchen bemalt sind, was bei der Schlosskapelle bisher nicht der Fall war. "Es war von Anfang an der Wunsch des Johannes-Chores, auch die Wände mit Ikonen zu bereichern." Und diesen Wunsch haben sie sich erfüllt.


Genehmigung eingeholt

Weil es sich beim Deutschordensschloss um ein Einzeldenkmal handelt, mussten natürlich die Stadt als Eigentümer, die Untere Denkmalbehörde im Landratsamt und das Landesamt für Denkmalpflege gefragt werden. "Das ist von den Denkmalbehörden sogar sehr begrüßt worden", sagt Thomas Pfarr.
Er hat den Münnerstädter Diplom-Restaurator Stefan Lochner gebeten, die Arbeiten auszuführen, was er zusammen mit der Restauratorin und freischaffenden Künstlerin Ute Bager auch getan hat. Die beiden Restauratoren arbeiteten schon sehr oft zusammen.


Ikone wird geschrieben

Nach der Vorbereitung des Untergrunds wurden die Konturen mit einer Pause an die Decke übertragen. Dann begann das Schreiben der Ikone. Eine Ikone wird nicht gemalt, sondern geschrieben, erläutert Thomas Pfarr. Und das geschieht nach einem strengen, Jahrhunderte alten Schema. "Eine Ikone wird immer wieder abgeschrieben, nie neu gemalt." Ein wenig Gestaltungsraum bleibt aber doch. "Ich passe mich den vorhandenen Ikonen an, sowohl farblich, als auch vom Schreibstil", erläutert Ute Bager.
Archimandrit Pater Gregor Hohmann, der den byzantinischen Ritus in Münnerstadt eingeführt, den dafür notwendigen Johannes-Chor mit Mitstreitern am 4. Juli 1984 gegründet hat und inzwischen Prior im Münnerstädter Augustinerkonvent St. Michael ist, wird die neue Ikone demnächst weihen. Der nächste Gottesdienst im byzantinischen Ritus findet am Donnerstag, 1. Juni, statt. Beginn ist um 19 Uhr. Es singt der Johannes-Chor unter der Leitung von Richard Arlt.