Tagungsteilnehmer in der Heiligenfeld-Akademie können ihren ganz persönlichen Beitrag leisten, dass in Costa Rica neuer Regenwald wachsen kann. Nachhaltigkeit spiele in der Philosophie des Heiligenfelds eine wichtige Rolle, betont die Akademieleiterin Anita Schmitt. Doch nicht nur die Heiligenfeld-Akademie setzt auf dieses Thema, sondern auch die weitere Tagungs-Hotellerie, die Stadt und die Staatsbad GmbH. Jetzt gibt es sogar einen Aktionskreis "Nachhaltiges Tagen in Bad Kissingen". Doch was ist eigentlich dieses "Green Meeting", wie es in der Fachsprache heißt? Dazu gibt es in Bad Kissingen unterschiedliche Ansätze und Vorstellungen, aber auch Gemeinsamkeiten. Wichtig ist den Mitgliedern des Arbeitskreises vor allem, dass die gemeinsamen Bemühungen um dieses Thema auch effektiv vermarktet werden.
Anita Schmitt steckt voll in der Materie. Ökologische Nachhaltigkeit werde in der Heiligenfeld-Akademie aktiv praktiziert, betont sie. Tagungsteilnehmer können einen freiwilligen finanziellen Beitrag leisten, um zur positiven Ökobilanz der Veranstaltung beizutragen. Dazu gibt es eine Berechnungstabelle.Für je 100 gefahrene Pkw-Kilometer zum Kissinger Tagungsziel und zurück können Teilnehmer eine Spende von 1,26 Euro leisten, für 100 Bahnkilometer 21 Cent. Viele Tagungsteilnehmer seien offen für dieses Angebot, erklärt Anita Schmitt.


Waldprojekt in Costa Rica

Rund 1200 Euro kommen jährlich zusammen, die komplett in das Klimaschutzprojekt "VisionsWald" fließen. Damit kann in Costa Rica Land aufgekauft und in Regenwald umgewandelt werden. Für Tagungsgäste bietet das Haus zudem eine interne Mitfahrzentrale an. Auch Veranstaltungstickets der Bahn sollen einen Anreiz geben, umweltfreundlich zur Tagung zu kommen.
Nachhaltigkeit betrifft nach Aussagen von Anita Schmitt aber nicht nur ökologisches Verhalten, sondern auch ökonomisches und soziales. Der Mensch müsse im Mittelpunkt stehen. Praktisch zeige sich das in der Heiligenfeld-Akademie in der Kinderbetreuung, die für Tagungsteilnehmer angeboten wird. "Die Teilnehmer finden das gut", sagt Anita Schmitt. Und man erwarte das auch vom Heiligenfeld.


Ökologisch, ökonomisch, sozial,

Dass es jetzt einen Arbeitskreis "Nachhaltiges Tagen" gibt, hält Anita Schmitt für Bad Kissingen sehr wichtig. Dieses Thema in Bad Kissingen nicht anzugehen, könnte sonst zu einem Defizit führen. Die Mitglieder des Arbeitskreises hätten sich bereits gut zusammengefunden, findet Schmitt. Erste, ganz praktische Früchte trägt die Arbeit. Die Hotels helfen sich bei Tagungen beispielsweise gegenseitig mit Stehtischen aus. Das sei nachhaltig, meint Schmitt, weil es Ressourcen schone - ökonomisch wie ökologisch.
Solche kleinen Ziele hält der Wirtschaftsförderer der Stadt Bad Kissingen, Michael Wieden, für sehr wichtig. Der Arbeitskreise müsse sich Ziele stecken, die realisierbar sind. Viele Hotels hätten ja ohnehin schon in diesem Bereich eigene Prioritäten. Er glaubt, dass die Bemühungen um Nachhaltigkeit ein guter Weg sind, den Standort Bad Kissingen noch bekannter zu machen.


Ein Zukunftsthema

Wieden glaubt, dass Umweltverträglichkeit heute im Tagungsgeschäft zunehmend nachgefragt wird. Gestärkt werden könne damit die ganze Region. Er kann sich vorstellen, dass der Arbeitskreis einen Referentenpool für Tagungen erstellt. Die Referenten sollten nach Möglichkeit aus der Region kommen. Das spare Anfahrtsstrecken. Green Meeting sei ein Zukunftsthema. "Da sollten wir uns die Butter nicht vom Brot holen lassen", meint Wieden.
Ähnlich sieht es Bruno Heynen, der Veranstaltungsleiter der Staatsbad GmbH. Für Heynen ist der regionale Aspekt im Tagungsgeschäft wichtig. Fürs Catering oder die Veranstaltungstechnik sollte auf regionale Unternehmen verwiesen werden. Bei den Caterern sei es natürlich wichtig, dass sie ebenfalls nachhaltig arbeiten, beispielsweise ohne Einweggeschirr.
Diskutiert wird auch, ob und wie bei Tagungen die Papierflut reduziert werden kann. Können die Tagungsunterlagen künftig auf USB-Stick gespeichert werden statt sie auszudrucken? Solche Fragen werden ebenfalls behandelt.


Gebäudemanagement

Die Staatsbad GmbH selbst versucht Nachhaltigkeit im täglichen Arbeiten umzusetzen. Beim Gebäude- und Energie-Management beispielsweise, wie Bruno Heynen erläutert. Nachhaltig, findet er, ist aber auch die verkehrsberuhigte Innenstadt Bad Kissingens. Das Nachdenken über die "grünen" Faktoren helfe, diese nach außen besser zu transportieren. Wie Wieden ist Bruno Heynen der Ansicht, dass es sinnvoll ist, im Arbeitskreis gerade auch kleinere Dinge anzugehen. "Erst muss nicht immer gleich eine großartige Zertifizierung sein", findet Heynen.


Synergien schaffen

Der Manager des Hotel Wyndham Garden (ehemals Bristol) in Bad Kissingen, Holger Voit, ist relativ neu im Arbeitskreis. Nachhaltigkeit sei ein Teil der Hotel-Philosophie seines Hauses, beispielsweise im Bezug auf Ressourcen oder Regionalität, erklärt er. Voit verspricht sich von dem Arbeitskreis Impulse, wie Hotels, Einzelhandel, Gastronomie und sonstige Einrichtungen Synergien schaffen können, um das Tagen in Bad Kissingen noch attraktiver zu machen. Bad Kissingen müsse bei seinen Tagungsgästen einen so nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass sie gerne wiederkommen, egal ob als Tagungsgast oder ganz privat als Urlauber, erklärt Holger Voit.