Auch in diesem Jahr haben sich Gewerkschaftler und Arbeitnehmer zahlreich zur Mai-Kundgebung des DGB-Ortsverbandes Maßbach und Poppenlauer auf dem Maßbacher Marktplatz versammelt. Mitten in der Menge: Werner Heinecke. Der Rentner feiert an ein seltenes Jubiläum.

Vor genau 50 Jahren - am 1.Mai 1965 - trat er in den Deutschen Gewerkschaftsbund ein. Wenn er zurückblickt ist er stolz darauf, was man den Arbeitgebern seitdem abgerungen hat. "Ich habe mich nie hinter der Maschine versteckt", erzählt Heinecke, "ich war immer dabei". Ohne Gewerkschaften wäre man aus Arbeitnehmersicht immer noch im Mittelalter, ist er überzeugt. Auch wenn es nicht nur Schwierigkeiten mit den Arbeitgebern, sondern auch mal mit den eigenen Reihen gab. Insgesamt ist man einen großen Schritt vorangekommen. Vor allem die Arbeitszeitregelung sei eine der größten Errungenschaften, findet Heinecke.

Innovationen für die auch DGB-Ortsverbandsvorsitzender Herbert Gessner, der seit 25 Jahren das Vorstandsamt bekleidet, dankbar ist: Habe man früher noch illegal gekämpft, gehören viele Arbeitererfolge heute zu den "Selbstverständlichkeiten des Sozialstaates".

Ein Grund für Oliver Moll, Betriebsratsvorsitzender von ZF Sachs in Schweinfurt, die Errungenschaften auch in einer zunehmend mobileren und digitalisierteren Welt zu verteidigen und zu erweitern. Die Arbeitszeit müsse wieder in den Fokus rücken: Zwar wurde die reine Arbeitszeit begrenzt, mehr Zeit hätten die Menschen deshalb aber nicht.

Zwischen 10 und 14 Stunden verbringe man durchschnittlich mit Arbeit, Arbeitsweg und Erledigungen - deutlich zu viel, findet Moll. Fahrtzeiten zum Arbeitsplatz von eineinhalb Stunden seien keine Seltenheit, Staus in und um Schweinfurt sind vorprogrammiert. Der Wunsch vieler nach Entschleunigung und einer Rückkehr zu Dorfgemeinschaften und Vereinsleben in einer zunehmend anonymisierten Welt bliebe durch "flexible Arbeitszeiten, Stress und Überlastung" auf der Strecke, erklärt der Betriebsratsvorsitzende.