Die Astronomie ist ein faszinierendes Hobby. Beim Blick durch das Teleskop kann man in weit entfernte Welten eintauchen, die mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Außerdem ist auch die Physik, die hinter den Planeten- und Sternbewegungen steckt, sehr interessant. Werner Krauß aus Rödelmaier hat sich ganz der Sternenbeobachtung verschrieben.


Verlagsleiter statt Astronom

Seit seinem 16. Lebensjahr lässt den gebürtigen Münnerstädter der Himmel nicht mehr los. "Mein ehemaliger Physiklehrer am Münnerstädter Gymnasium, Herr Zirkelbach, hat damals ein Schulfernrohr angeschafft und einen Wahlkurs Astronomie angeboten. Vom Michelsberg aus haben wir die Sterne beobachtet, und ich war davon sehr fasziniert", sagt der 68-jährige Rentner. Eigentlich wollte er nach seinem Abitur Astronomie studieren. Doch es sollte anders kommen: Er studierte Germanistik, Geschichte und Sozialkunde, ging in die Wirtschaft und wurde in München Verlagsleiter. Dennoch - die Astronomie hat ihn nie losgelassen, und so studierte er nebenbei Astronomie, acht Semester lang. "Ich habe zwar hier nie einen Abschluss gemacht, aber für mein Hobby war dies natürlich sehr wichtig", sagt Krauß. Außerdem arbeitete er während dieser Zeit an der Sternwarte in Würzburg mit, zu der er immer noch Kontakt hat.
Auch die Vermittlung der Astronomie war ihm immer ein Herzensanliegen. So bot er an der Volkssternwarte in München Führungen an und an verschiedenen Volkshochschulen Astronomiekurse - bis heute. "Natürlich besuche ich immer noch Teleskoptreffen, bei denen man sich mit Gleichgesinnten austauschen kann", sagt Krauß. Zudem ist er im "Forum Stellarum" einer Vereinigung fränkischer Hobbyastronomen aktiv.


Ausgleich zur Arbeit

"Für mich war die Astronomie auch immer ein Ausgleich zur Arbeit", sagt der 68-Jährige. Noch sehr genau kann er sich an den Kauf seines erstes Teleskop erinnern, das er sich 1976 anschaffte: "Es kostete über 2000 Mark, damals ein Heidengeld." Heute arbeitet er unter anderem mit einem transportablen zehn Zoll Schmidt-Cassegrain-Teleskop, mit dem man per GPS-gesteuerter Elektronik die unterschiedlichen Sterne vollautomatisch anfahren kann.


Gut ausgerüstet

Daheim in Rödelmaier hat er außerdem ein 16-Zoll Spiegelteleskop der Marke Dobson, mit dem man den nächtlichen Sternenhimmel noch intensiver betrachten kann. Wenn man Krauß bei der Beobachtung so zuschaut, dann könnte er allerdings auch auf die Elektronik verzichten: Er kennt den Sternenhimmel wie seine Westentasche und kann alle Sterne treffsicher finden und die Besonderheiten erläutern. Der Hobby-Astronom hat es nämlich nicht nur auf die Himmelsbeobachtung abgesehen: Dank einer umfangreichen Bibliothek hat er sich besonders mit den physikalischen Grundlagen beschäftigt und ist so über die Jahre zum Experten geworden. Aber auf die neuen technischen Möglichkeiten möchte er nicht mehr verzichten: "Heute bietet die Technik große Erleichterungen und ganz neue Möglichkeiten."
Praktisch ist dies besonders, wenn man Laien den Sternenhimmel erklären will. Beim Ferienprogramm in Münnerstadt, das eine "Spritztour über den sommerlichen Sternenhimmel" wurde, erläuterte er den rund 30 kleinen und großen Sternguckern anhand von Computergrafiken zuerst einmal die Grundlagen. So wurden die verschiedenen Sternbilder erklärt, wobei Krauß auch viel über deren Geschichte zu erzählen wusste. Außerdem simulierte er per Computerprogramm die Bewegung der Gestirne am nächtlichen Himmel. Die Kinder und auch die Erwachsenen waren fasziniert und folgten konzentriert den Ausführungen. "Ich war erstaunt, dass die Kinder bereits so viel über die Astronomie wissen", sagt Krauß.
Natürlich durfte auch die Himmelsbeobachtung nicht fehlen. Hierzu hatte Krauß sein Teleskop am Sportzentrum aufgebaut und zahlreiche Himmelskörper gezeigt. Neben den eindrucksvollen Kratern des Mondes konnte auch der Saturn mit seinen Ringen betrachtet werden. Das war faszinierend. Natürlich wurden auch auffällige Sternenkonstellationen und Sternbilder gezeigt.


Faszinierende Bilder

Obwohl anfangs noch Wolken die Sicht verdeckten, riss der Himmel später auf und gab den Blick auf die Sterne frei. "Mir hat die Sternenbeobachtung sehr viel Spaß gemacht", sagte der achtjährige Jonas Deifel aus Reichenbach. Besonders die Krater des Mondes und der Saturn haben ihn dabei fasziniert. "Es war interessant, dies so nah zu sehen" sagte er. Werner Krauß war es gelungen, die Faszination für den Sternenhimmel zu wecken und gleichzeitig einige Grundlagen der Physik zu vermitteln. Für ihn wird die Astronomie auch in Zukunft ein faszinierendes Hobby bleiben, bei dem man die Sterne mit ganz anderen Augen sehen kann.