Wenn heutzutage ein Hausbau im Bauausschuss behandelt wird, müssen die Ausschussmitglieder öfters als früher "Befreiungen von den Festsetzungen des Bebauungsplanes" aussprechen. Die Bauherren wollen anders bauen, als es die Vorschriften fordern. Auch in der jüngsten Sitzung war das wieder der Fall. Große Probleme hatten die Stadträte damit nicht. "Die alten Bebauungspläne sind vielmehr das Problem", betonte Bürgermeister Helmut Blank.

In der jüngsten Sitzung gab es Bauanträge für Hausbauten, die in älteren Baugebieten liegen. Die ältesten Bebauungspläne stammen noch aus den 1960er Jahren. Hier sind die Bauvorschriften viel strenger, als bei Baugebieten jüngeren Datums. Der noch junge Bebauungsplan "Reifenberg" in Althausen beispielsweise lasse deutlich mehr Spielraum für den Bauherren, stellte Blank fest.

Doch mittlerweile sind die Kommunen und Kreisbaubehörde nicht mehr so streng wie früher, wenn es um die Einhaltung der Festsetzungen geht. Der Kreisbaumeister Günter Stammwitz drückt es mit einem einfachen Satz aus: "Wir prüfen auf Genehmigungsfähigkeit und nicht auf Ablehnung". Man arbeite im Sinne des Bauherren. Die Münnerstädter Stadträtin Britta Bildhauer findet das auch richtig. "Wir sind ja froh um jeden, der bleibt".

Der Landkreis hat als eigentliche Genehmigungsbehörde und täglich mit dem Problem zu tun, dass alte Bebauungspläne auf moderne Bau-Ideen treffen. Zum einen sind viele Bebauungspläne einfach in die Jahre gekommen. Bei Niedrigenergiehäusern sei es oftmals gar nicht möglich sei, so zu bauen, wie die Bebauungspläne das eigentlich fordern. Außerdem hätten sich die Bauwünsche ganz allgemein geändert, hat Günter Stammwitz festgestellt. "Die Bauherren wollen sich nicht mehr in ein Korsett zwängen lassen".

Auch der Bau von Fertighäusern spiele eine Rolle, weil bei diesen oftmals der regionale Bezug fehle, weiß Stammwitz. Und dann würden Bauherren auch Ideen aus ihren Urlaubsorten mitbringen - vom Wunsch nach einem chinesischen Turm bis hin zu maurischen Bögen - Günter Stammwitz hatte schon alles auf seinem Schreibtisch.
In den 50er Jahren sei das ganz anders gewesen. Da hätten oftmals Genossenschaften ganze Siedlungen mit einem Architekten und in einer einheitlichen Bauweise erstellt. Stammwitz findet, man könne mittlerweile sogar überlegen, einige davon unter Ensembleschutz zu stellen. Aber das müsse die Kommune entscheiden. Das klassische fränkische Satteldach gehört auf jeden Fall momentan nicht zu den Trendsettern im Hausbau. Aber das könne sich auch wieder ändern, meint Stammwitz.

Es gibt aber auch Grenzen der neuen Liberalität. Wenn in alten Baugebieten mit nur noch wenigen freien Baugrundstücken ein Haus komplett aus der Reihe tanzen soll - beispielsweise in seiner Geschossigkeit - dann könne der alte Bebauungsplan aufgehoben und dafür der Paragraph 34 des Baugesetzbuches angewandt werden. Das ist der sogenannte Einfügungs-Paragraph. Es müsse entschieden werden, ob sich ein Haus in seine Umgebung einpasst und ob gravierende Ausreißer im Ortsbild vertretbar sind.
Bebauungspläne, die fast ohne Festsetzungen auskommen, gibt es immer noch selten. Es werde zwar über die Einschränkungen geschimpft, dann aber wollen die Kommunen doch noch mitreden", ist Stammwitz´ Erfahrung. Er selbst hatte vor rund 15 Jahren der Stadt Münnerstadt vorgeschlagen, in der Friedrich-Abert-Straße einen Bebauungsplan zu erstellen, der den Bauherren nur wenige Einschränkungen auferlegt. "Das war dem Bürgermeister dann doch zu lasch", sagt der Kreisbaumeister.

Vom Bauausschuss abgesegnete Bauanträge: Josef Bieberich, Althausen (Bau einer Gerätehalle); Maria Morber, Kleinwenkheim (Bau einer Unterstellhalle); Johann und Helmtrud Jaksch (Erweiterung der bestehenden Schreinerei und eines Lagergebäudes); Linda Schmitt, Kleinwenkheim (Dachgeschossausbau), Michell Mahr und Dominik Bieber, Reichenbach (Bau eines Einfamilienhauses); Dominikus-Ringeisen-Werk Maria Bildhausen (Umbau des stillgelegten Hallenbades zu Gruppen und Ruheräumen sowie Sanierung des Gebäudes); Linda und Jürgen Sterzinger(Bau eines Einfamlienhauses in Althausen).