Brigitte Goss wird die Plakette am Gartenzaun anbringen. Jetzt hat sie den Beleg dafür, dass sie einen Naturgarten hat und nicht einen "unordentlichen Garten", wie ihr einmal gesagt wurde. Auf den geschätzten 800 bis 1000 Quadratmetern dürfen Pflanzen wachsen, die woanders herausgerissen würden. In so einem Umfeld fühlen sich auch Tiere wohl. Ganz begeistert von dieser Natur ist Dorle Engels vom Verband für Wohneigentum. Die Vorsitzende des Arbeitskreises Gartenfachberater Bayern hat Brigitte Goss jetzt die Plakette "Natur im Garten" verliehen. Bisher gibt es gerade einmal 80 Gartenbesitzer im Freistaat, die diese Auszeichnung erhalten haben.
"Wir sehen nicht nur den Garten, sondern auch die Menschen, die ihn bewirtschaften", erklärt Dorle Engels, die aus Amberg angereist ist, um die Auszeichnung zu vergeben. "Wir machen das Ganze nachhaltig." Sie wird wieder vorbeischauen, aber Brigitte Goss auch zu Vorträgen einladen. Es sei schon mehrfach vorgekommen, dass sie die Plakette nicht vergeben konnte, erzählt die Landschaftsarchitektin. "Es waren reine Kiesgärten." Bei Brigitte Goss ist das kein Thema.

Nach und nach angelegt

Wie groß das Areal ist, das weiß die Gartenbautechnikerin nicht ganz genau. Das liegt allerdings auch daran, dass der Garten nicht auf einmal angelegt wurde. "Ich habe mich Stück für Stück nach oben gearbeitet", sagt sie. "Ich probiere Pflanzen aus, besonders solche, die wichtig für die Insekten sind." Sie und Ehemann Anton Goss haben auch ein Bienenvolk, es könnten bald wieder drei werden. Für Brigitte Goss ist ein naturnaher Garten, in dem sie erst kürzlich wieder eine Blumenwiese angelegt hat, absolut nichts Besonderes. "Für mich ist das ganz normal. Ich lasse dem Garten eine gewisse Dynamik." Bei ihr dürfen Pflanzen auch einmal aussamen, immer wieder entdeckt sie Wildkräuter, die sie vorher noch gar nicht kannte. "Ich entdecke jedes Jahr etwas Neues, es ist ein lebenslanges Lernen", sagt Brigitte Goss. Mit der Artenvielfalt der Pflanzen steigern sich auch die Aktivitäten der Tiere, fügt Dorle Engels hinzu.

Keine Probleme mit Raupen

Probleme mit Raupen hat Brigitte Goss nicht. Die Tauchen mal kurz auf, dann sind sie wieder weg." Die vielen Singvögel im Garten lassen vermuten, wo sie geblieben sind. "Ich möchte einen Gegenpol schaffen, zu dem was gerade passiert." Die Gartenfachberaterin meint damit sterile Gärten oder gar Kiesgärten, in denen nichts wächst. Für sie ist so etwas ein "Gruselkabinett".
Brigitte Goss und ihr Garten sind regelmäßig in MDR-Garten und gelegentlich auch in Querbeet im BR zu sehen.


Plakette Die Auszeichnung "Natur im Garten" wird nach Kriterien vergeben. Der Verzicht auf chemisch-synthetischen Dünger, Pestizide und Torf ist ein Muss. Andere Kriterien müssen nur zum Teil erfüllt werden. Dafür gibt es ein Punktesystem. Dazu zählen Naturgartenelemente (Wildsträucher, Sonderstandorte, Blumen, blühende Stauden) und die Bewirtschaftung (Komposthaufen, Nützlingsunterkünfte, Gemüsebeete, Beerensträucher usw.).

Verband Der Verband Wohneigentum tritt für die Förderung und den Erhalt des selbstgenutzten Wohneigentums ein.
Gleichzeitig berät der Verband Wohneigentum im Sinne des Verbraucherschutzes. Er hat 360 000 Mitglieder, in Bayern rund 85 500. tm/red