Die Verleihung des "Mürschter Nagels" ist für Bauherrn eine ganz besondere Auszeichnung. "Die Verleihung wurde 2003 ins Leben gerufen, um Familien, die sich um den Erhalt der Bausubstanz in Münnerstadt ausgezeichnet haben, zu ehren", fasst der Vorsitzendes des Altstadtvereins, Peter Braun, kurz die Geschichte dieser Auszeichnung zusammen. Besonderen Wert legt der Altstadtverein auf die Formulierung "Familie". "Nur, wenn hier alle zusammenhalten, kann ein Bauvorhaben funktionieren. Es ist - wie immer - so, dass hinter einem starken Mann eine starke Frau steht", meint Braun.


Leben im Haus ist wichtig

In diesem Jahr wurden mit dem Mürschter Nagel zwei vorbildliche Altstadtprojekte geehrt: Die Renovierung der Gasthäuser "Fränkischer Hof" und "Gasthaus zum Bären". Für die Familie Kuchler, die den "Fränkischen Hof" wieder hergerichtet und erneuert hat, war dies eine Herzensangelegenheit. "Für uns war es wichtig, Leben in das Haus zu bekommen", sagt Martin Kuchler, der einerseits Wohnungen geschaffen hat, andererseits auch Platz für den Regionalladen, der seit eineinhalb Jahren betrieben wird.
Wohnungen zu schaffen, war ihm ganz wichtig: "Es ist schön zu hören, dass Leben im Haus ist. Aus diesem Grund wollte ich auch keine Büros, sondern Räume, in denen man lebt", sagt Kuchler. Eine Mieterin ist Christine Hardt, und sie ist sehr zufrieden: "Ich finde die Mietwohnung hier außerordentlich gelungen. Es ist schön, in einem alten Gebäude zu leben, das auf der Höhe der Zeit ist" meint sie. Und auch Münnerstadt ist für sie eine Traumstadt: "Ich bin hier sehr glücklich", sagt Hardt.


Stolz und glücklich

Alte Häuser haben für Martin Kuchler ein besonderes Flair: "Wenn ich durch die Stadt laufe, fange ich an zu träumen und denke daran, wie viele Menschen in den alten Häusern gewohnt und wie sie gelebt haben. Wenn man dann ein solches wieder mit Leben erfüllt, ist man stolz und glücklich", meint er. Doch auch das Unternehmerische an einem solchen Vorhaben hat ihn gereizt: "Natürlich hat man genug warnende Stimmen, die meinen, dass man solches nicht so einfach schafft. Wenn man dann gegen alle Widerstände ein Haus renoviert hat, weiß man, dass man das Richtige getan hat", sagt Kuchler.
Auch die Familie Schaub hat einen Mürschter Nagel erhalten, sie hat das Gasthaus "Zum Bären" renoviert. In den Räumlichkeiten ist eine Cocktail-Bar untergebracht, in der auch Speisen serviert werden, und ebenso ein Café. Gleichzeitig dient das Gebäude als Hotel.


Weitere Projekte

"Ich bedanke mich für diese Auszeichnung, es ehrt uns wirklich sehr", sagt Michael Schaub bei der Verleihung. Man habe hier in Münnerstadt mit der besonderen Ausrichtung des Gasthauses etwas geschaffen, das es so in der Region noch nicht gebe. Der Zulauf, den das Gasthaus zum Bären seither habe, habe der Familie Schaub auch aus unternehmerischer Sicht Recht gegeben. Er habe noch andere Projekte in petto, so dass man auf die Zukunft gespannt sein könne. "Zum Glück haben wir noch mehr als zwanzig handgeschmiedete Mürscher Nägel für die Auszeichnung", meinte Hans Petsch vom Altstadtverein daraufhin. Es können also noch mehr Projekte ausgezeichnet werden, die sich dem Erhalt von Gebäuden verschreiben. Und in Zeiten, in denen scheinbar nur noch Neues zählt, ist das besonders wichtig. Schließlich ist es tatsächlich so, dass ein Ort, an dem die Kulturdenkmäler verfallen, so ist wie ein Mensch, der sein Gedächtnis verliert. Und es ist gerade das Individuelle und Unverwechselbare, was einen Ort liebens- und lebenswert machen. Auch dieses will man mit der Verleihung des Mürscher Nagels demonstrieren. Bürgermeister Helmut Blank (CSU) freut sich, dass die Stadt durch die Renovierungsmaßnahmen verschönert wird. "Für die Mühe, die hier aufgebracht worden ist, bedanke ich mich herzlich", sagt das Stadtoberhaupt.