Das zeigte sich an seiner ausdrucksstarken Vortragsweise, mit der er der Zuhörer in den Bann zog und sie interessiert bis zum Ende folgen ließ.
Im Vortrag ging es um das Leben der Landjuden in der kleinen fränkischen Gemeinde Georgsgmünd, wo Berghofer lebt und arbeitet. Besonders im Fokus hatte er dabei die Zeit von 1918 bis zum Ende des 2. Weltkrieges. Mit einem kurzen historischen Abriss führte er in die Thematik ein und zeigte hernach, wie das Leben von Christen und Juden mit- und nebeneinander funktionierte, wie anerkannt die Juden waren und wie der Alltag aussah.

Beispiel Georgsgmünd

Gleichzeitig aber sprach er auch über die Veränderungen bereits in den 1920er Jahren, die zunehmende Entrechtung und über die Probleme, mit denen die Juden infolge der immer stärker werdenden Restriktionen zu kämpfen hatten. Natürlich ging Berghofer auch auf die Vertreibung und die Vernichtung der jüdischen Mitbürger durch das verbrecherische Nazi-Regime ein. Das Besondere am Vortrag war, dass Berghofer anhand der fränkischen Landgemeinde Georgsgmünd zeigte, wie der Nationalsozialismus im Kleinen vor Ort funktionierte. "Letztendlich lassen sich die Verhältnisse auf viele Gemeinden übertragen. Dort lief die Verfolgung und Vertreibung der jüdischen Mitbürger ähnlich ab" erläuterte Berghofer.
Exemplarisch wurde so dargelegt, wie die Rassenheorien, die von den Nationalsozialisten gestreut wurden, in der Bevölkerung ankamen und welche verheerenden Auswirkungen sie hatten. Symptomatisch war aber auch, dass sich nach dem Ende des 2. Weltkrieges niemand mehr an die Verfolgung der jüdischen Mitbürger erinnern wollte und man die Hülle des Schweigens über diese Problematik spannte - auch eine Tatsache, die als typisch für das Nachkriegsdeutschland angesehen werden kann.
Im dem Vortag wurde den Opfern des Dritten Reiches eine Stimme und ein Gesicht verliehen. In seiner Gemeinde hat er sich intensiv mit dem jüdischen Leben auseinandergesetzt und im Buch "Die Anderen", welches vor kurzem erschien, die Lebensläufe zahlreicher Georgsgmünder Juden, aber auch Nichtjuden, aufgearbeitet. Die zahlreichen Fragen aus dem Publikum zeugten vom großen Interesse an diesem Thema.