Der Krach in Burghausen ist ohrenbetäubend. Acht Motorsägen kreischen gleichzeitig auf und fressen sich in das Holz. Doch wer nun glaubt, dass dies lediglich benzinbetriebene Ungetüme sind, die sich nur dazu eignen, einen Baum möglichst schnell in handliche Meterscheite zu verwandeln, der irrt sich, wie der zweite Blick offenbart. Denn hier wird kein Holz gesägt, hier geht man sehr filigran zu Werke. Angesichts des doch recht groben Werkzeugs reibt sich der Laie verwundert die Augen und ist verblüfft, welch grazile Strukturen die Teilnehmer des Kurses "Schnitzen mit der Motorsäge" aus ihren Holzstücken herausarbeiten. Dabei sind sie hochkonzentriert bei der Arbeit - kein Wunder, ein falscher Schnitt und das gerade entstehende Kunstwerk würde nur noch als Brennholz dienen.


Mit sicheren Schnitten

Dass man hier allerdings unbefangen zu Werk gehen kann, seinen Fähigkeiten vertrauen muss und keinesfalls Angst haben soll - dies alles vermittelt Winfried Breunig, einer der beiden "Chain-Saw-Brothers", der in der Szene kein Unbekannter ist. Mit sicheren Schnitten zeigt er den Kursteilnehmern, wie ein Meister seines Fachs beim sogenannten Carving - also dem Schnitzen mit der Motorsäge - zu Werke geht. Er beweist, dass auch feines Abraspeln der Oberfläche mit einer Motorsäge möglich ist. Breunig ist unter anderem im Speedcarving-Team der deutschen Nationalmannschaft. Bei der 13. Huskycup-Weltmeisterschaft im Kettensägenschnitzen, die in diesem Jahr an Pfingsten in Blockhausen stattfand, konnte er sich im Speedcarving-Einzel den 5. Platz sichern. Dabei muss in dieser Disziplin innerhalb von einer Stunde aus einem Holzklotz ein Kunstwerk angefertigt werden.
Seit zehn Jahren hat sich Winfried Breunig ebenso wie sein Bruder dem Kettensägenschnitzen verschrieben, seit fünf Jahren sind sie bei der Huskycup-WM dabei. Dabei haben sie schon Portugal, Italien und die USA bereist, natürlich bieten sie auch Lehrgänge wie den in Burghausen an, bei dem sie die Technik und die Kniffe an die Kursteilnehmer weitergeben.


Möglichst klein und leicht

Die Motorsägen unterscheiden sich dabei nicht allzu sehr von den handelsüblichen. Lediglich die Schiene und die Kette sind etwas anders geformt, als bei handelsüblichen Motorsägen. "Natürlich ist es gut, eine möglichst kleine und leichte Säge zu haben. Damit ermüdet man nicht so schnell", weiß Breunig aus Erfahrung. Und natürlich sollte man schon einmal Holz gesägt haben - man muss also mit der Motorsäge vertraut sein, bevor man mit dem Schnitzen beginnt. Aber diese Vorerfahrung hatten natürlich alle Teilnehmer des Motorsägenschnitzkurses, auch wenn es für viele das erste Mal in ihrem Leben war, dass sie damit künstlerisch tätig waren.


Im Holz die Figur sehen

So beispielsweise Heiko Manz, der zum ersten Mal einen solchen Schnitzkurs mitmacht. Als gelernter Holzmacher kennt er sich natürlich bestens mit der Motorsäge aus - hiermit künstlerisch tätig zu sein, ist allerdings etwas ganz anderes. "Es kommt besonders auf Kreativität an. Man muss lernen, im Holz die Figur zu sehen. Das ist nicht leicht", findet der Burghäuser. Damit die Teilnehmer etwas sicherer werden, hat Winfried Breunig die ersten Schnitte mit Kreide auf das Holz aufgezeichnet. "Hiermit kann man sich besser zurechtfinden und gewinnt zu Beginn auch Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten", so Manz. Nachdem die ersten Schnitte im Holz gemacht sind, gewinnen die Kursteilnehmer mehr und mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Aus dem Holzklotz entwickelt sich langsam ein majestätischer Adler. Bei der Ausarbeitung des Schnabels hat man zwar noch etwas Respekt - schließlich könnte man ja doch etwas zu viel abschneiden - aber hier hat Winfried Breunig hilfreiche Tipps. Sichtlich stolz sind die Teilnehmer auf ihr Werk.
Wird das Schnitzen mit der Motorsäge auch in Zukunft ein Hobby sein? Heiko Manz beantwortet diese Frage mit einem klaren Ja. "Zumindest wenn die Nachbarn mitspielen", scherzt er. Zufrieden mit dem Kurs ist auch Erwin Wolf vom Stihl-Dienst in Burghausen, der die Veranstaltung organisiert hat: "Ich hatte im Geschäft viele Nachfragen nach einem solchen Motorsägenschnitzkurs. Viele Kunden haben sich hier schon eine Schnitzausrüstung gekauft, wollten aber auch die Kniffe lernen, mit denen man aus Holz wahre Kunstwerke machen kann. Da die Chain-Saw-Brothers in jedem Jahr beim Tag der offenen Tür in der Firma sind, konnte ich Winfried Breunig für einen solchen Kurs gewinnen." Ihn freue besonders, dass die Teilnehmer sehr interessiert und begeistert vom Kettensägenschnitzen waren. Und viele werden diesem faszinierenden Hobby sicherlich auch treu bleiben.
Wer einmal echte Meister beim Motorsägenschnitzen zusehen will, der hat am Palmsonntag im nächsten Jahr dazu die Möglichkeit. Denn dann sind die Chain-Saw-Brothers anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Firma Forst- und Gartentechnik Erwin Wolf in Burghausen live vor Ort.
Weitere Infos zum Kettensägenschnitzen: www.chainsaw-art-wmb.de.