Brigitte Benckiser saß beim Feldgeschworenen-Tag Anfang Juni im Schützenhaus von Wermerichshausen ganz allein unter mehr als 100 Männern, von Ortssprecherin Ulla Müller einmal abgesehen. Die 57-jährige Landwirtin, die zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn das Schlossgut unterhalb des Maßbacher Theaters bewirtschaftet, ist die erste und einzige Frau im erlauchten Kreis der Feldgeschworenen in der Kreisgruppe Ost.
Insgesamt gibt es im Landkreis Bad Kissingen mehrere Hundert Feldgeschworene, da jeder Ort oder Ortsteil traditionell seine eigenen hat, erklärt Irmi Schneiker vom Landratsamt Bad Kissingen. Unter ihnen ist seit neuestem auch Brigitte Benckiser. Zusammen mit Reiner Dittmar, ebenfalls aus Maßbach, und mit fünf Männern aus Nachbarorten wurde sie am 1. Juni in der Pfarrkirche von Wermerichshausen von Landrat Thomas Bold feierlich auf ihr Ehrenamt vereidigt.

Wieder sechs aktive Mitglieder

Beim Gespräch mit Brigitte Benckiser und Reiner Dittmar war auch Adolf Dittmar (84) dabei. Er hat viel Erfahrung in diesem Amt, denn er ist seit 1985 Feldgeschworener. Das Amt des Obmanns, das er seit 1995 ausübt, will er aus Altersgründen allerdings in nächster Zeit abgeben. "Doch Feldgeschworener bleibt man auf Lebenszeit", betont er mit Nachdruck. Die Maßbacher Gruppe zum Beispiel hatte nur noch vier Mitglieder und dazu zwei "Feldgeschworenen-Pensionäre", so Adolf Dittmar. Mit Brigitte Benckiser und Reiner Dittmar sind es nun wieder sechs Aktive. Sie sind nur für Maßbach zuständig. Die Gemeindeteile Poppenlauer, Weichtungen und Volkershausen haben eigene Feldgeschworenen.

Amt auf Lebenszeit

Zurück zu Brigitte Benckiser und ihrem Kollegen Reiner Dittmar. Wie wird man Feldgeschworener? Für die Wahl in dieses Gremium ist kein Gemeinderat, kein Kreistag, keine Behörde zuständig. Adolf Dittmar erklärt es genau. Wenn Feldgeschworene gestorben sind, aus Altersgründen das Amt nicht mehr wahrnehmen können oder wegziehen, macht sich die Gruppe Gedanken über mögliche Nachfolger. Stimmen diese zu, werden ihre Namen über die Gemeinde ans Landratsamt gemeldet. Beim einmal jährlich stattfindenden Feldgeschworenen-Tag werden die Kandidaten dann vom Landrat vereidigt. Dann bleiben sie auf Lebenszeit im Amt.
Ist es eine besondere Ehre, Feldgeschworene zu sein? "Das weiß ich nicht so recht, aber es ist doch ein Zeichen, dass man in der Gemeinde anerkannt ist", antwortet Brigitte Benckiser, die auch im Kirchenvorstand und zusammen mit ihrem Feldgeschworenen-Kollegen Reiner Dittmar im Bauernverband engagiert ist.
Dass sie nun als eine von ganz wenigen Frauen in diesem noch weitgehend von Männern dominierten Kreis mit dabei ist, sieht sie gelassen. "Schließlich können wir Frauen auch Bürgermeisterinnen werden", fügt sie lachend hinzu. In Bayern waren vor vier Jahren unter den rund 20 000 Feldgeschworenen laut Internetlexikon Wikipedia nur 50 Frauen. Neuere Zahlen gibt's zwar nicht, aber diese Zahl hat sich seitdem wohl nicht wesentlich geändert. Die Feldgeschworene Brigitte Benckiser bleibt also noch immer eine große Ausnahme.

Ursprünglich zu siebt

Feldgeschworene werden auch "Siebener" genannt, weil das Gremium ursprünglich die ungerade Zahl von sieben Mitgliedern haben musste. Heute allerdings reichen laut Gesetz auch vier. Für was sind Feldgeschworene zuständig? Ganz kurz gesagt unterstützen sie die staatlichen Vermessungsämter bei der Kennzeichnung von Grundstücksgrenzen nicht nur auf landwirtschaftlichen Flächen, sondern auch in Wäldern und in bebauten Gebieten und sind immer dabei, wenn Grenzsteine neu gesetzt oder versetzt werden. Sie können daneben auch selbstständig tätig werden und Steine setzen.
Eine besondere Bedeutung besitzt ihr "Siebenergeheimnis". Nur die "Siebener" kennen die geheimen Zeichen auf oder unter Grenzsteinen und können somit feststellen, ob Grenzpunkte unerlaubt versetzt oder versehentlich verschoben worden sind. Auch wenn Grenzen heute mit Satelliten vermessen werden können, wird das Geheimnis traditionsgemäß bewahrt. Welches Geheimnis die Siebener von Maßbach haben, wissen Brigitte Benckiser und Reiner Dittmar noch gar nicht. Darin werden sie erst noch eingeweiht.