Schülertreffen sind so eine Sache. Man trifft sich, meistens zig-Jahre nach dem Schulabschluss, manchmal zum ersten Mal nach 25 Jahren. Alte Geschichten packt man aus, erzählt, wie es einem ergangen ist ... in den letzten 25 Jahren.
Die Abituria 1976 des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums in Münnerstadt hatte jetzt einen runden Geburtstag zu feiern. Vor 40 Jahren schlug den damaligen Abiturienten "die Glocke", jenes ominöse Glöckchen am Gymnasium, das einmal im Jahr geläutet wird, wenn die Abituria die Schule verlässt.


Eine Ausnahme

Aber die Abituria 1976 trifft sich nicht nur beim Studiengenossenfest (alle fünf Jahre) oder einmal in 40 Jahren. Nein. Diese ehemaligen Mürschter Schüler treffen sich mindestens dreimal im Jahr. Wie das? Soviele gute alte Geschichten kann es doch gar nicht geben, um sie immer wieder zu erzählen? Albin Friedrich (Oberthulba) gehört zu dieser Abiturklasse. Im Jahr 2006 wurde er zum "Präsidenten" des Jahrgangs gewählt. Er hatte damals einen schweren Unfall, lag im Krankenbett und hatte vermeintlich viel Zeit, sich um die Organisation der Treffen zu kümmern. Friedrich ist noch heute Präsident und eines ist sicher, er wird es zeitlebens bleiben. Und dieses Jahr hatte er eine große Aufgabe: 40 Jahre nach dem Abitur wollten gefeiert werden. Das tat man gerne.


Freitag bis Sonntag Programm

Albin Friedrich hat mit seinen Freunden ein dreitägiges Programm ausgearbeitet, von Freitagabend bis Sonntagmittag. Kann man sich drei Tage lang erzählen, wie schöner und besser alles früher war? Nein! Darum ging es auch nicht. Die Zeit ist vergangen seit dem Abitur, aber sie ist nicht stehen geblieben. "Mit dem Gelernten damals sind wir hinaus in die Welt, haben Ausbildungen gemacht, Lebensgefährten kennengelernt, Familien gegründet, haben uns vermehrt ... auch das Wissen und wir waren irgendwann fertig."


Nie aus den Augen verloren

Diesen Weg den Freundinnen und Freunden von damals, die es bis heute geblieben sind, zu erzählen, das ist das Geheimnis der vielen Treffen der Abituria '76. "Wir haben uns nie aus den Augen verloren", sagt Hans-Joachim Hofstetter (Arzt und Stadtrat in Bad Kissingen). Er blickt in die Runde ehemaliger Mitschüler und er sieht zum Beispiel Leonhard Rosentritt (Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Bad Kissingen), Thomas Reuß (Windheim, Kommunikationsbüro Seifert & Company), oder Paul Ziegler (Redaktionsleiter der Saale-Zeitung), oder Thomas Rösch (Steuerberater in Maßbach), oder ...
Da nimmt es nicht wunder, dass zu den jährlichen drei Treffen der Abituria '76 immer jeweils um die 30 bis 40 Personen kommen. Aus der Gruppe übernimmt einer einen Vortrag über das, was er Spektakuläres oder Unspektakuläres gemacht hat oder plant, stellt seine Arbeit oder Ähnliches vor. So hat zum Beispiel Roland Weikert ("Ärzte ohne Grenzen") von seinen Einsätzen in Afrika berichtet, Albin Friedrich einen Vortrag über Bienen gehalten, mit Leonhard Rosentritt wurde das Wasserwirtschaftsamt in Bad Kissingen besichtigt oder mit Hans-Joachim Hofstetter in Bad Kissingen das Thema "Asylpolitik" diskutiert. Man traf sich zu Tanz- und Kabarettabenden, zu Besichtigungen (Kartäuserklause, etc.), zum Grillen und Feiern.


Gelungene Feier

Letzteres war natürlich auch Bestandteil des Programms vom Wochenende. Nach dem Eintreffen der Teilnehmer am Freitagabend begrüßte Bürgermeister Helmut Blank am Samstagvormittag im Deutschordenschloss die Gruppe. Lydia Bangert nahm ihre ehemaligen Kommilitonen auf eine Stadtführung mit. Der Festabend am Samstag im Café Bären war sehr kurzweilig. Ehemalige Lehrer waren da - Gerd Müller, Heinz "Joe" Giegerich, Gertrud und Horst Schäflein, Burkard Geis, Joachim Schwigon, derzeitiger Schulleiter, kam ebenso wie rund 60 ehemalige Schüler mit ihren Partnern/ innen. Viele von ihnen leben noch in der Region, in Franken, in Bayern.


Selbst Musik gespielt

Für die Unterhaltung sorgten die Ex-Abiturienten selbst - Thomas Reuß, Albin Friedrich, es gab einen Sketch - Armin Rumpel mit Bodyguards - und viel wurde geredet - über alles, kaum über die Schulzeit. Zum Abschluss gab es am Sonntag einen Gottesdienst in der Klosterkirche (selbst gestaltet) und nach dem Mittagessen ging man wieder auseinander. Man sieht sich. Vielleicht bringt Albin Friedrich dann mal eine Glocke mit.
Denn, sagte "der Präsident", "... statt der Abiglocke müssten wir jetzt die Lebensglocke läuten. Denn jetzt stehen wir wieder an einer Stelle des Lebensweges, vor dem Ruhestand, an dem wir ein Stück entlang schauen können, aber wir wissen nicht, was hinter der nächsten Biegung ist." Wir werden berichten, bald, wenn wir uns wiedersehen.