E-Mobilität und Digitalisierung sind längst beim Sport in Wald und Natur angekommen. Das betonte Klaus Spitzl, Geschäftsführer des Vereins "Naturpark und Biosphärenreservat Rhön" (NBR), in der jüngsten Sitzung des Wirtschafts- und Umweltausschusses. Deshalb müsse auch die Rhön bei ihrem bestehenden, rund tausend Kilometer langem Mountainbike-Wegenetz umdenken. "Durch die Motorisierung ergibt sich eine andere Streckennutzung", brachte Landrat Thomas Bold (CSU) den Wandel auf den Punkt.

Doch die wachsende Beliebtheit des Sports hat nicht nur positive Auswirkungen: "Durch das gestiegene Aufkommen von Mountainbikern steigt auch die Zahl derer, die sich abseits der Wege bewegen", zeigte Spitzl eine Problematik auf. Ein Grund dafür sei in der Digitalisierung zu suchen, der die Routenplanung für die Sportler zum Kinderspiel mache. "Die meisten fahren heute mit GPS-Navigationssystemen oder Apps mit Routingfunktionen", erklärte er. "Dadurch werden Wege erfahrbar, die nicht auf Wanderkarten verzeichnet sind." Mindestens 250 Routen haben Mountainbiker laut der Recherchen des NBR für die Rhön bereits online gestellt, etwa auf Plattformen wie "GPSies". "Dadurch werden zwar weitere Mountainbkie-Begeisterte in die Rhön gelockt, die sich aber fernab des ausgewiesenen Wegenetzes bewegen", erläutert Spitzl das Dilemma.

Die Strategie "Nichts tun und abwarten", könne nicht funktionieren, denn: "Die Rhön wird überrannt werden in den nächsten Jahren durch den Boom, der kommt. Die Biker werden überall sein. Sanktionen sind in der Fläche erfahrungsgemäß nicht durchzusetzen", zitierte Spitzl den Fachmann Tilman Sobek von der Firma "absolutGPS".

Die Antwort des NBR: Der Mountainbikeverkehr muss kanalisiert werden. Gelingen soll das mit dem Mountainbike-Konzept Bayerische Rhön, das seinen Anfang 2001 in der Langen Rhön fand. Einige Jahre später wurde das Einzugsgebiet erweitert, so dass durch ein EU-Leader Projekt 2004 auch der Landkreis Bad Kissingen in das Konzept aufgenommen wurde. Bisher lag der Schwerpunkt im Landkreis Rhön Grabfeld. Das soll sich durch die Einrichtung neuer Trails jetzt ändern. "Aktuell sind wir noch in einer offenen Planungsphase, es gibt noch keine konkrete Streckenführungen", brachte Landrat Bold den Stand des Projektes auf den Punkt. Aus diesen Gründen will der Landkreis Bad Kissingen auch noch keine Karten veröffentlichen. Bei der bisherigen Planung wurde zunächst nach Streckenattraktivität geplant, um anschließend auf die Verträglichkeit mit den Interessengruppen einzugehen und die Route anzupassen.

Baut das alte Streckennetz mit seinen rund tausend Kilometern zumeist auf Fernverbindungstouren, soll nun der Fokus vermehrt auf 33 Rundtouren mit einer Gesamtlänge von etwa 1200 Kilometern gesetzt werden. Die Routen sollen meist auf naturbelassenen Wegen laufen und in der Streckenführung noch mehr das Rhön-Vorland berücksichtigen, führte Spitzl aus. "Nicht angedacht sind Enduro- oder Downhillstrecken mit Sprüngen oder Rampen, wir wollen den typischen Tourenfahrer ansprechen." Damit meint Spitzl vor allem den Tages- und Übernachtungsgast, der die offene Rhöner Landschaft zu schätzen wisse. Der sei auch als zahlungskräftiger Tourist interessant: Wer mehrere tausend Euro für sein Rad ausgebe, lasse sich auch den Urlaub etwas kosten.

Daher gelte es, bei der Streckenplanung die Attraktionen der Rhön mit einzubinden, wie etwa die Hütten des Rhönklubs. Den länderübergreifenden Verein zu informieren, liegt auch MdL und Kreisrat Sandro Kirchner (CSU) am Herzen. Zudem bräuchten die Sportler ausreichend Hinweis-Tafeln.
Spitzl verwies auch auf die Meinung von Nina Hartmann vom Netzwerk "outdooractive.com": "Nach unserer Erfahrung können Regionen und Tourismusgebiete dem Problem nur mit einem guten Angebot begegnen. Denn nur ein gutes Touren-Angebot kann ein ungewolltes Touren-Angebot besiegen. (...) Ein frühzeitiges Eingreifen verhindert so die Etablierung von ungewollten Gewohnheiten."

Der FW-Kreisrat und Oberthulbaer Bürgermeister Gotthard Schlereth sagte: "Wenn wir es nicht regeln, regeln die Mountainbiker es für sich selbst." Die Politik stehe hier in der Verantwortung. Kopfzerbrechen bereiteten den Kreisräten vor allem renitente Radsportler, die sich nicht an die Regeln halten würden. "Wie gehen wir mit solchen Spezialisten um?", fragte Volker Partsch von den Grünen und zog einen Vergleich zu schwarzen Schafen beim Kanu-Tourismus auf der Saale: "Davor haben die Leute Angst." Robert Kiesel von der CSU definierte die "Spezialisten" genauer: "Die, die sich nicht an die Regeln halten, machen uns Probleme".

Spitzl verwies in diesem Zusammenhang auf die Bikepool-Schulen der beiden Landkreise. "Hier haben wir die Möglichkeit, gerade junge Mountainbiker frühzeitig für gegenseitige Rücksichtsnahme zu sensibilisieren." Das Ziel sei, ein attraktives nachhaltiges Konzept für die Region gemeinsam mit den Kommunen zu entwickeln. Dass man sich dabei in einem Spannungsfeld bewege, sei klar, äußerte sich Landrat Bold: "Hier stoßen Aspekte wie Jagd, Tourismus und Sport aufeinander, wir haben das Bestreben, durch Dialog die Konfliktfelder zu verkleinern, um das Konzept besser gestalten zu können."

Dass die Gespräche Wirkung zeigen, lässt sich am Tenor der Gemeinden sehen: Laut NBR stehen mehr als 60 Prozent der betroffenen Kommunen im Landkreis Bad Kissingen dem Mountainbike-Konzept schon jetzt positiv gegenüber. Allerdings sind in den aktuellen Zahlen noch nicht alle Rückläufe der Kommunen eingerechnet. Spitzl hofft, dass alle Rückmeldungen und Änderungsvorschläge bis Mitte Juni eingearbeitet sind. Dann sollen die endgültigen Routen vorgestellt werden.


In Zahlen:

25 bis 60 Kilometer Streckenlänge sollen die neuen Touren haben. Geplant sind unterscheidliche Schwierigkeitsgrade.