"Störer" seien dort an und auf den Gleisen gesichtet worden, also ein klarer Fall für die Frauen und Männer der Bundespolizei. Von Oerlenbach aus starten die beiden Helikopter in Richtung Schweinfurt, um den angehenden Polizeikommissaren in ihrer letzten Ausbildungswoche noch eine praktische Ausbildung mit und an Hubschraubern zu kommen zu lassen.
Kaum haben die Maschinen etwas an Höhe gewonnen, sind auch schon die Kühltürme des Kernkraftwerkes sichtbar und man hat den Eindruck, dass mit jedem geflogenen Kilometer auch die Temperatur in den beiden Maschinen steigt. Gute fünf Kilo, erklärt einer der jungen Beamten in der Maschine, wiegt die fast schwarze Schutzausrüstung samt etlichen Protektoren, die Schienbein, Knie, Schultern und Ellenbogen schützen sollen. Der Helm wird noch am Koppel getragen und ist daher in der Rechnung nicht enthalten.
"Es können aber auch schon mal 20 Kilo Ausrüstung zusammen kommen, wenn's zu einer richtigen Demo geht" verrät einer der Polizisten. Heute aber ist keine richtige Demo, sondern "nur" Prüfung für 13 Polizeikommissaranwärterinnen und 57 Polizeikommissaranwärter.

In Minuten schweißgebadet


Mit zwei Helikoptern werden sie vom Stand- und Schulort Oerlenbach zu einer stillgelegten Eisenbahnstrecke geflogen, und obwohl der Flug nur wenige Minuten dauert, rinnt bei den meisten der Schweiß in Strömen. Grund ist aber nicht die Prüfungsangst, die haben die angehenden Polizeioffiziere nach fast drei Jahren Ausbildung nun in der letzten Prüfungswoche nicht mehr. Es ist einfach heiß unter der Schutzkleidung.
Und so verlässt jeder gern nach kurzem Kommando das hochmoderne, blaustrahlende Fluggerät. Zwar brennt auch hier auf dem Boden zwischen abgeernteten Hafer- und Weizenfeldern die Sonne herunter, aber die Prüflinge können sich wenigstens bewegen.

Rollentausch


Der Lehrgang ist an diesem Tag geteilt: Wer vormittags den Bösen spielt, ist nachmittags der Gute. Soll heißen, Vormittags Demonstrant und nachmittags dann wieder Bundespolizist. Dadurch dass man sich über die Schulbank kennt, gehen der Einsatz, bzw. die vier Einsätze, die heute auf dem Programm stehen, relativ friedlich ab.
Und obwohl jeder jeden kennt, stellt sich der Einsatzleiter den Störern namentlich vor und erklärt die Demo für aufgelöst, andernfalls man zu Mitteln der körperlichen Gewalt greifen müsse. Schlagstock und Reizgas sind natürlich tabu, auch wenn das Wegtragen der Störer von den Gleisen nicht gerade eine leichte Arbeit ist.
Und kaum ist diese Sitzblockade aufgelöst, kommt über Funk schon die nächste Einsatzmeldung: wieder wird der Bahnverkehr durch Demonstranten zum Erliegen gebracht. Diesmal ist es eine größere Gruppe, die im Gleisbett stehend, demonstriert.
"Erster Zug vorrücken zum Abdrängen" lautet nun der Befehl, und jetzt ist von allen dann doch der körperliche Einsatz gefragt. Die Störer drücken nach links, die angehenden Polizeikommissare nach rechts, und nachdem alles am Nachmittag mit umgekehrten Vorzeichen nochmals ablaufen soll, "siegen" nach wenigen Minuten - logischerweise - die "Guten".