Viele Debatten sind in den vergangenen Wochen über die Bundeswehr hereingebrochen: Zweifel an der Belastbarkeit der inneren Führung, die Frage nach der Zeitgemäßheit des eigenen Traditionsverständnisses, Kritik der Verteidigungsministerin. All die Themen werden Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen bei ihrer alljährlichen Sommerreise begleiten. Das ließ der Auftakt der Besuchstour auf dem Hammelburger Lagerberg deutlich anklingen.

Wertschätzung für ihre Arbeit wünschten sich die Kameraden, sagte ein Soldat am Rande des Besuchs. Die Stimmung in der Truppe habe sich mittlerweile wieder gebessert. Kenner der Bundeswehr allgemein hatten sie in den Tagen nach der öffentlich vorgetragenen Kritik der Verteidigungsministerin auf dem Tiefpunkt erlebt.

Der Hammelburger Bundeswehrstandort kann sich über mangelnde Zuwendung nicht beklagen: In den kommenden Jahren sollen 70 Millionen Euro auf dem Lagerberg investiert werden, verkündete Ursula von der Leyen. Eigentlich noch in diesem Monat soll zum Beispiel der Bau der neuen Sporthalle beginnen. Die bisherige Halle, die aus den 1950er Jahren stammte, ist bereits abgerissen.

Sie freue sich über die finanzielle Zusage, erklärte die Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär (CSU), die mit den Amts- und Mandatsträgern aus dem Landkreis den Besuch begleitete. Auch Bürgermeister Armin Warmuth (CSU) stellte nach dem Termin das deutliche Bekenntnis zum Standort heraus.

Die Investitionen hängen mit der "Trendwende Personal" zusammen. Die Bundeswehr soll in den kommenden Jahren personell wachsen. Dabei fällt gerade einer Ausbildungseinrichtung wie der in Hammelburg eine wichtige Rolle zu. Schließlich befindet sich auf dem Lagerberg eines der beiden Offizieranwärter-Bataillone des Heeres.

Während sich die Bundeswehr also auf die neue Zukunft vorbereitet, eine Zukunft ohne Vorgaben zur Personalreduktion, schlägt sie sich zugleich mit ihrer Geschichte herum. In die Diskussion um das eigene Traditionsverständnis war auch der Lagerberg geraten.

So war in einem Raum ein Gemälde, das den Wehrmachtsgeneral Erwin Rommel in einem komplett ahistorischen, nicht dem Traditionserlass entsprechenden Kontext zeigte, übermalt worden. Das Bild sei bereits im Jahr 2016 entfernt worden, sagte von der Leyen dazu. Und zur strittigen Benennung eines Kasernenteils nach General Adolf Heusinger erklärte sie: "Wir würdigen Heusinger dafür, dass er die Bundeswehr als Streitkraft der Demokratie aufgebaut hat." Heusinger habe sich mit der eigenen Vergangenheit auseinandergesetzt und von der Wehrmacht distanziert.

Die Verteidigungsministerin machte deutlich, dass der Traditionserlass aus dem Jahr 1982, aktualisiert werden muss, weil die Bundeswehr sich verändert habe. Die eigene Tradition der Bundeswehr als Armee im internationalen Einsatz soll sich stärker widerspiegeln.

Die Ministerin sprach während ihres Besuchs auch mit dem militärischen und zivilen Personal auf dem Lagerberg - unter Ausschluss der Medien. Die Stimmung sei gut gewesen, heißt es aus dem Teilnehmerkreis. Die jüngste Kritik sei dabei angesprochen worden. Die Ministerien habe ihren Standpunkt noch einmal klargestellt.
Aber auch andere Themen wurden offenbar angeschnitten - Themen die die Trendwende berühren. Denn so glatt lässt sich die Richtungsänderung nicht einleiten. Konkret wurde bei dem nicht-öffentlichen Gespräch deutlich, dass die Bundeswehr Schwierigkeiten hat, Lehrstellen zu besetzen.