Mit dem Humor ist es so eine Sache. Über was der eine sich wegschmeißen kann, löst beim anderen nicht mal ein müdes Lächeln aus. Wer beide erreichen möchte und auch oft erreicht, ist der Bad Kissinger Kabarettist Michl Müller. Ein Gespräch mit ihm über Humor und Fasching.

Unter uns: Besuchen Sie privat Faschingsveranstaltungen?

Michl Müller: Also, nun ja, hm....es kommt tatsächlich auf die Art der Veranstaltung an. Ich habe schon richtig gute gesehen, aber auch eher langweilige. Noch immer erinnere ich mich an eine Prunksitzung in Schopfloch vor etwa drei Jahren. Die begeistert mich heute noch. Es waren nur fünf Leute, die die Sitzung leiteten und das wirklich hervorragend. Da hab ich auch zum ersten Mal eine Garde ohne Musik tanzen sehen - super, auf die Idee muss man erst mal kommen!

Zu Ihrer Jobbeschreibung gehört, dass Sie lustig sein müssen. Wie groß ist der Druck?

Da ich grundhumorig bin, ist der relativ klein.

Wie gehen Sie denn an ein neues Programm heran?

Mein Programm läuft immer zwei Jahre. Und bei mir ist es so, dass ich im Fernsehen oder in der Zeitung ein Thema entdeckte, zu dem mir sofort ein Gag einfällt. Ich kann also nicht behaupten, dass ich da mit einem großen Plan herangehe oder erst einmal fünf Fragestellungen formuliere und die dann abarbeite.

Proben Sie Ihre Witze an jemandem?

Das habe ich mal gemacht und mache es nie wieder.

Warum? Hat das Freundschaften gekostet?

Lieber auf einen Freund verzichten als auf einen guten Gag - nein, das ist nicht so mein Ding. Es funktioniert einfach nicht. Es sind zwei verschiedene Paar Schuhe, im kleinen Kreis oder in der Kneipe einen Witz zu machen als von der Bühne herunter.

Sind Sie neidisch auf Kollegen, dass denen was einfällt, was Ihnen noch nicht in den Kopf gekommen ist?

Klar bin ich neidisch auf Kollegen! Das gibt es oft, dass ich mir denke: Herrje, das war ein echter Geistesblitz - wie kommen die auf so was? Da bin ich auch Bewunderer meiner Kollegen.

Welche bewundern Sie am meisten?

Frank-Markus Barwasser, Urban Priol, Hape Kerkeling und Otto. Vor allem Hape - es war ja meine Generation, die sich über "Hurz" und seine Königin-Beatrix-Persiflage totgelacht hat. Ich weiß gar nicht, ob so etwas heute noch möglich ist.

Meinen Sie, die Gesellschaft ist humorübersättigt?

Es gibt ja auch viele Comedians. Aber auch so viele gute, leider aber gehen auch die guten manchmal in der Masse unter.

Apropos untergehen: Wenn Sie mal so einen richtig miesen Tag haben und müssen abends noch auf die Bühne - wie gehen Sie damit um?

Es geht bei mir eigentlich, alles andere wäre gelogen. Natürlich kenne ich das auch, dass ich mir manchmal tagsüber denke: Ach Mensch, heute Abend musst du wieder raus. Aber sobald ich auf der Bühne stehe, ist das weg. Wirklich! Ich geh auf die Bühne, die Leute freuen sich und klatschen und damit beginnt für mich der Abend. Aber ich kann ja auch immer noch über meine Witze lachen.

Was ist, wenn jemand nicht lacht? Und das vielleicht den ganzen Abend über?

Das gibt es, die hast du in jedem Programm. Die haben sich zuhause schon vorgenommen, heute nicht zu lachen. Und dann muss ich die immer anschauen, denn die fallen im Publikum ja auf. Das ist dann für mich ein Ansporn, sie doch noch zu kriegen. Manchmal funktioniert's, manchmal nicht. Das Schlimmste ist, wen sie nach der Show zu dir kommen und sagen, wie toll du gewesen bist.

Haben Sie einen Lieblingswitz?

Nein, den gibt es nicht. Ach, doch! Kommt ein Pinguin zum Fotograf und bittet um ein Foto. Der Fotograf fragt: Farbe oder Schwarzweiß? Der Pinguin sagt: Ich hau dir gleich eine rein!

Hä? Sorry, ich stehe auf der Leitung...

...na schwarzweiß oder Farbe....!

....ja. Und?

Achsojetztja...Pinguin...schwarzweiß. Hm. Lustig, wenn man ihn gleich kapiert. Wurde Ihnen schon mal ein Witz geklaut?

Nein. Aber manchmal haben eben mehrere Kabarettisten bei einem Thema den selben Gedanken. Das gibt es! Wie heißt es so schön: Drei Leute - ein Gedanke!