Mobilität ist eine der Grundlagen für Wirtschaft und Gesellschaft: Pendler und Logistik sind angewiesen auf intakte Fernstraßen. "Die Brücken sind hierbei die neuralgischen Punkte", betont Maria Schraml von der Autobahndirektion Nordbayern. In den 1960er Jahren wurden die Brücken entlang der A 7 im Landkreis gebaut. Eigentlich sollten sie hundert Jahre halten, allerdings unter anderen Voraussetzungen: "In den 1950er Jahren fuhr ein Zwölf-Tonner alle zehn Minuten, heute fahren die 40-Tonner Stoßstange an Stoßstange", berichtet Hartmut Metz, der das Sachgebiet Brückenbau an der Dienststelle Würzburg leitet.

Knifflig ist die Frage, ob eine Brücke erhalten und ertüchtigt oder durch einen Neubau ersetzt werden muss. Dafür gibt es so genannte Lastmodelle, die das Verkehrsgeschehen abbilden sollen. Beim Bau der A 7 galt die "Brückenklasse 60", heute ist das "Ziellastmodell LM1" maßgebend. Stark vereinfacht bedeutet das, dass Brücken auf der Lkw-Spur pro Quadratmeter statt bisher eine halbe Tonne jetzt sechs Tonnen und in den Fahrspuren statt 20 jetzt 30 Tonnen pro Achse aushalten müssen. Zudem gibt es höhere Anforderungen für den gesamten Brücken-Querschnitt.

Für deutlich höhere Belastungen

Die größte Belastung für Brücken sei der Schwerlastverkehr: "Man sagt, dass ein Lkw so viel Schaden anrichtet wie 150 000 Pkw", berichtet Metz. Und: Mitte der 1960er Jahre fuhren im Schnitt 10 000 Fahrzeuge auf einer Autobahn, 2010 waren es bereits rund 50 000. Das Ziel sei außerdem, dass Schwertransporter keine Großbrücken mehr umfahren müssen: "Das in der Oberpfalz gebaute Windrad muss über die Autobahn bis an die Küste kommen", so Metz.

Die Autobahndirektion Nordbayern hat deshalb einen "Masterplan für die Nachrechnung und Brückenmodernisierung" entwickelt. In ihrem Zuständigkeitsbereich gibt es rund 1940 Brücken, davon rund 150 Großbrücken mit einer Spannweite von mehr als 100 Metern. Gut die Hälfte davon wurde vor 1985 gebaut, darunter fallen auch alle alten Brücken entlang der A 7. Bis 2030 sollen alle dem Ziellastmodell LM1 entsprechen. Alleine für den Landkreis Bad Kissingen bedeutet das Investitionen von mehr als 400 Millionen Euro in insgesamt zwölf Brücken (siehe Grafik) - zusätzlich zum üblichen Straßenunterhalt.

Los ging es 2009 mit der Sinntalbrücke: Eine neue Brücke wurde errichtet, die Fahrbahn verschwenkt und dann 2013 die alte Brücke gesprengt. 68,9 Millionen Euro hat die Erneuerung gekostet. Die 28,4 Millionen Euro teure Klöffelsberg-Brücke ist die jüngste Autobahnbrücke im Landkreis und erst vor kurzem fertig geworden. Aktuell gebaut wird die nördlichste der drei Brücken über die A 7 im Neuwirtshauser Forst: Dort wird ein Überbau parallel zur Autobahn errichtet und dann um 90 Grad über die Fahrbahnen geschwenkt. In den kommenden beiden Jahren sollen die beiden weiteren Brücken in gleicher Bauweise folgen. 2020 beginnt die Erneuerung der 490 Meter langen Brücke übers Thulbatal: Dort wird zunächst eine Brücke östlich der bestehenden Brücke gebaut, dann wird die alte Brücke abgerissen, dort eine zweite Brücke errichtet und schließlich die erste Brücke nach Westen an die andere Brücke dran geschoben.

Wenn alles glatt geht, hat Metz also bis zur Rente alle Hände voll zu tun. Er macht nur zwei Einschränkungen: "Die Frage ist, ob wir die Haushaltsmittel immer so kriegen und ob genügend Personal vorhanden ist, um das alles abzuarbeiten."