"Es wird immer schwieriger, Notärzte zu kriegen; vor allem an den kleinen Standorten", sagt Thomas Stadler, der Geschäftsführer des Roten Kreuzes in Bad Kissingen. Der Leitende Notfallmediziner Ralph Brath erklärt, warum das so ist: Das bayerische Rettungsdienstgesetz mache ihnen den Dienst schwer. Das sei "so ungenau formuliert, dass jeder daraus lesen kann, was er will".

Ein Fall aus der Praxis: Ein Senior hat einen Schwächeanfall, die Familie ruft den Notarzt. Der ist nach wenigen Minuten samt Rettungswagen und -team vor Ort. Dem alten Herren geht es mittlerweile wieder besser. Die Rettungsassistenten müssen nicht eingreifen. Der Notarzt misst den Blutdruck des Rentners und gibt ihm eine Spritze. Dann geht er - und schaut beim Honorar in die Röhre. Denn: Die Zentrale Abrechnungsstelle für Rettungsdienst (ZAST) vergütet den Einsatz nicht, weil der Rettungsdienst den Fall nicht dokumentiert hat: Dessen Mitarbeiter waren nicht tätig.

Bislang wurde dieses Problem pragmatisch gelöst: Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) finanzierte die Einsatzpauschale vor. In den vergangenen zwei Jahren kam so ein Defizit von über zehn Millionen Euro zusammen. 2011 wurden 21 000 Einsätze nicht honoriert.

Bislang hat sich daran nichts geändert. Im Frühjahr gab es erneut Streit über die Vergütung.

Dann die frohe Kunde: Dank einer Einigung der KVB mit den Kostenträgern sei die Finanzierung der Notarztversorgung sicher gestellt, der Dienst könne "zukunftsfähig" gestaltet werden. Ralph Brath sagt, es gebe zwar eine solche Vereinbarung, aber niemand wisse, was darin steht. Seit 2009 sei die Honorarfrage ungeklärt.

Nicht nur das: Krankenhausmediziner, die als Notfallärzte tätig sein wollen, benötigen dafür eine Ermächtigung. Sie gilt drei Jahre. Bislang gab es sie kostenlos, jetzt sollen dafür 500 Euro fällig werden, so Ralph Brath.

Unsicherheit seit Jahren

In diese Wunde hat jetzt der Landtagsabgeordnete Günther Felbinger (FW) einen Finger gelegt. Es gebe nur eine Honorarvereinbarung für 2013, strukturelle Probleme aber sollten "irgendwann" besprochen werden.
Das sieht die Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte (agbn) ähnlich. Es sei zwar erfreulich, dass die Einsatzvergütung für 2013 und 2014 sichergestellt werde. Allerdings sei unklar, wie die Defizite aus den Vorjahren geregelt würden.

Ralph Brath sagte es so: Vor der Wahl gebe es "eine Menge Luft. Alles ist angeblich geregelt, aber keiner weiß wie."

Die Unsicherheit bestehe seit Jahren, beklagt Felbinger. Deshalb komme es in ländlichen Gebieten zu höheren Fehlzeiten: Im ersten Jahresdrittel seien laut KVB in Bad Brückenau 270 unbesetzte Stunden zusammen gekommen, in Hammelburg seien durchschnittlich 55 Stunden im Monat ohne Notarzt.

Mangel in Hammelburg

Ralph Brath widerspricht dem nicht. Immer wieder gebe es Anfragen, ob Bad Kissinger Kollegen aushelfen könnten.

Als Obmann ist Markus Full für den Bereich Hammelburg zuständig. "Das kann gut sein", sagt er zu Felbingers Angaben. Er selbst zähle die Stunden aber nicht, denn er fahre keine Einsätze in Hammelburg. Nur in Notfällen springe er natürlich ein. Die Situation sei "völlig ungelöst", die KVB wisse auch nicht mehr. Außerdem sei der Dienst finanziell nicht attraktiv.

Wie Ralph Brath dazu sagt, gibt es tagsüber eine Pauschale von 91 Euro, nachts sind es 111,50 Euro - oder eben gar nichts. Der Dienst - meist 24 Stunden - ist kein Zuckerschlecken. Das Spektrum reiche von Kopfschmerzen bis zum Ausstellen eines Totenscheines.

Da verwundert es nicht, dass es immer mehr Probleme bei der Aufstellung der Dienstpläne gibt. Ralph Brath spricht von einem "Dilemma". Die Motivation der hoch qualifizierten und ausgebildeten Mediziner leide. Dabei beteiligen sich allein im Bereich Bad Kissingen etwa 20. Sie werden pro Jahr 1800 Mal alarmiert. In Hammelburg bestehe großer Mangel, 60 Einsätze pro Jahr könnten nicht besetzt werden. Etwas besser sehe es in Bad Brückenau aus, wo sechs Kollegen beteiligt seien.

Notfalls mit dem Hubschrauber

Dennoch klappt es. "Wir müssen mit dem zurecht kommen, was da ist", sagt der Leiter der Rettungsleitstelle Schweinfurt, Thomas Schlereth. Wenn ein Dienst nicht besetzt sei, werde ein Arzt aus dem Nachbarstandort gerufen oder der Rettungshubschrauber. Ziel sei es, die Verzögerung gering zu halten. Thomas Stadler vom Roten Kreuz lobt die Notärzte. Sie seien mit Enthusiasmus dabei.

Alarmierung Wer einen Notarzt braucht, wendet sich an die Integrierte Leitstelle Schweinfurt (Telefon ohne Vorwahl: 112). Deren Mitarbeiter fragen ein Meldebild ab, um beurteilen zu können, was das optimale Rettungsmittel ist.

Organisation Der Landkreis Bad Kissingen ist in drei Notarztbereiche eingeteilt: Bad Kissingen (Obmann: Tobias
Bohn), Hammelburg (Markus Full) und Bad Brückenau (Jarmilia Mahlmeister). Sie erstellen auch die jeweiligen Dienstpläne. Der Rotkreuz-Kreisverband Bad Kissingen stellt Fahrzeug und gegebenenfalls einen Fahrer zur Verfügung.

Rettungswachen gibt es in Bad Kissingen, Hammelburg und Maßbach. Dazu kommt noch ein Stellplatz in Münnerstadt, der allerdings nicht rund um die Uhr besetzt ist.