Mit beträchtlicher Staubentwicklung fällt die Mauer einer Badekabine in sich zusammen. Den Anstoß hat ein kleiner Bagger gegeben, den Steffen Dörsam wie ein Modellflugzeug fernsteuert. So steht er weit genug weg, kein Ziegelstein kann ihn treffen. Mit seiner Maschine trägt Dörsam dazu bei, dass vom Luitpoldbad nur die Außenmauern stehenbleiben. Das historische Gebäude wird vor dem Umbau zum Behördenzentrum fast komplett entkernt.

"Das Dach muss runter, die Innenböden kommen raus", sagt Otto Gass vom Staatlichen Bauamt. Gass zeigt auf einen freigelegten Stahlträger, der erheblich durchgerostet ist. Schuld daran ist der Wasserdampf aus den Badezellen, der früher über eine Zwischendecke abgeleitet wurde.


Durchgerostete Stahlträger
Dass die Stahlträger der Zwischendecken so marode sind, war dem Staatlichen Bauamt nicht von Beginn an klar. "Das sieht man erst, wenn sie freigelegt sind", sagt Gass.

Statisch nicht mehr sicher und zum Teil vermodert war der alte Dachstuhl. "Die Balken waren zu dünn, das Dach hat schon nach außen geschoben."

Zur Zeit muss das Luitpoldbad eine knifflige Phase über sich ergehen lassen. Weil großteils nur die Außenmauern stehen bleiben, sogar die Kellerdecke entfernt werden muss, müssen die Mauern abgestützt werden. Von innen und von außen. Das erklärt die Stützbalken an der Außenfassade, die ein wenig an die ehemaligen Streben des Gradierwerks erinnern. Im Inneren des Gebäudes dürfen nur relativ leichte Maschinen eingesetzt werden, die die Kellerdecke auch trägt. Die aktuelle Bauphase wird ständig von einem Statiker überwacht.

Der Keller des Luitpoldbades war bisher nach außen offen. So konnte das Hochwasser unten durchfließen. Auch hier wird sich etwas ändern. Die Mauern werden geschlossen. Eine schwere Bodenplatte soll dann den Auftrieb durch Hoch- und Grundwasser verhindern.


Denkmalamt hat zugestimmt
Das Landesamt für Denkmalpflege hat der weitgehenden Entkernung zugestimmt, "mit einer Träne in den Augen", fährt Otto Gass fort: "Uns ging es genau so, aber wir konnten nicht anders."

Auch das Wasserwirtschaftsamt ist beim Umbau des Luitpoldbades immer mit dabei. So ist der Bagger, der die Zwischenwände abbricht, elektrisch angetrieben. Er hat kein Öl, das austreten und die unmittelbar benachbarten Heilquellen verschmutzen kann.

Nicht entkernt werden die Treppenhäuser, die Eckpavillons und der größte Teil des Südflügels. Hier wird die historische Bausubstanz hergerichtet. Zum Beispiel wurden die historischen Treppen aus Gusseisen freigelegt, um saniert zu werden. Sämtliche Buntglasfenster wurden vorübergehend entfernt, damit sie durch die Bauarbeiten nicht zerstört werden. "Außerdem werden zwei an die Spielbank angrenzende Badezellen wieder in ihrer Ursprungsform nach historischem Muster hergerichtet", sagt Gass.


Rohbau bis Oktober fertig
Zwar hat die Entkernung des historischen Gebäudes erst begonnen, doch bis Oktober dieses Jahres soll das Luitpoldbad als "Rohbau" fertig sein. Das heißt: komplett entkernt und mit neuen Zwischendecken.

Dann kommen auch die neuen Dächer drauf. Wie bisher werden es Blechdächer sein. Nur die Pavillons behalten ihre Hauben. "Das patinierte Kupfer hätten wir so gar nicht hingekriegt", sagt Gass.

Inzwischen weitgehend fertig gestellt sind die Rohbauten der Neubauten im Innenhof. Auch das Gelände an der Südseite des Innenhofs wurde aufgefüllt, so dass eine einheitliche Ebene entsteht.

Die Kosten für den Umbau des Luitpoldbades in ein Behördenzentrum sind von anfangs geschätzten 21,5 Millionen auf 37 Millionen Euro gestiegen. Das hat etwas damit zu tun, dass die Fachplaner erst nach der ersten Kostenschätzung eingeschaltet wurden. Außerdem hat sich manch zusätzlicher Arbeitsbedarf erst herausgestellt, als die Maßnahme schon im Gange war. So war nicht abzusehen, dass die Wände mit schadstoffhaltiger Farbe gestrichen waren. Deshalb musste der Putz vor dem Abbruch der Innenwände abgeklopft und als Giftmüll entsorgt werden.

Nicht viel geändert hat sich trotz all dieser Unwägbarkeiten am Bauzeitplan. Komplett abgeschlossen sein soll der Umbau des Luitpoldbades bis Mitte 2017.