Was ist in Münnerstadt anders? Schon lange ist eine lokale Szene zu beobachten, die sich dabei wohl fühlt, bisher ungewohnte Ausdrucksformen in das Kleinstadtleben zu bringen. Klischees und Abgrenzungen werden beiseite geräumt, eine neue Lust am Gestalten, mit einer Prise Show, entsteht. Das wird mit viel Transparenz und vor allem Ehrlichkeit verbunden. Das "Mürscht-music-project" ist so eines. Die Plätze im Saal des Bären waren alle besetzt und wer sich im Ort auskennt, erlebt ein Publikum, dem es egal ist, welche Farbe der Veranstalter - Die Münnerstädter Grünen - bevorzugt, sondern sie wollen an der Mürschter Kleinkunst teilhaben.

Die künstlerische Leiterin Milli Genth, die sonst ein sehr selbstständiges Entertainment betreibt, hatte sich dazu Johannes Wolf und Christine Martin ins Boot geholt. Beide moderierten in den drei Stunden den Zweck des "Mürscht-music-projects". Im Mittelpunkt des Abends steht diesmal ein Film, der in den letzten zwei Monaten entstanden ist und nahtlos an das "oh wie schön ist Münnerstadt!" des Stadtmarketings anschließen kann.

Die musikalischen Talente von Milli Genth und Johannes Wolf sorgten für die Melodie und Christine Martin steuerte den Text zu einem Mürschter Lied bei, dessen Inhalt wie Honig die geschundenen Seelen der Münnerstädter versüßen soll. Die Stadt ist ein Augenschmaus, es ist einfach cool, hier zu leben, München, Berlin oder Buxtehude können den Lifestyle von Münnerstadt nicht ersetzten - kurzum eine Liebeserklärung. Dass das herzige Stück im Film von Kandidatinnen und Kandidaten von einer bestimmten Liste gesungen wird, ist natürlich gewollt. Aber alle können mitsingen. Die Melodie ist ohrwurmverdächtig und den Text wird man nach mehrmaligem Zuhören auch verstehen.

Die Regie hat natürlich ganz Münnerstadt vor die Linse geholt, sehr kurze Ausschnitte der Dörfer, samt der Ortsschilder beweisen das. Christine Martin betonte: alle, die im Film auf die Frage "Warum lebst du so gerne in Münnerstadt?" antworteten, spontan bereit erklärt hatten, da mitzumachen. Die Menschen aus dem Ort stellen in ihren Statements ihre Sichtweise zum guten Leben hier vor. Das "andere" Münnerstadt wurde nicht gefragt, es soll es aber geben. Milli Genth hat in der Vergangenheit bereits mehrmals Lieder zu ihrer Heimatstadt produziert und gab einige davon im ersten Teil des Unterhaltungsabends zum Besten. "Home-Town" beschreibt intensiv, dass der Liebe auch der Schmerz innewohnt. Kritisch-skuril kommen ihre Texte auch bei "GTI" rüber, fast schon ein Kultsong bei ihren Auftritten. Etwas neuer im Programm "der indifferente Indianer" der zwar was will, sich aber doch nicht traut. Milli singt ihm Mut zu, gesanglich mit einem Tritt in den Hintern.

Als besonderen Gast hatte die Veranstalter Lea aus Bad Neustadt eingeladen. Die Sängerin und Songwriterin lebt in Nürnberg, studiert dort und betreibt recht erfolgreich nebenbei eine musikalische Karriere. Sie kann Coversongs ebenso eigenwillig interpretieren, wie sie ihre intensiven eigenen Kompositionen herausbringt. Zusammen mit Johannes Wolf am Keyboard gab es ein Stück von Coldplay.

Als lustiger Nebeneffekt zum sonst oft nicht ganz so heiteren Wahlkampf hat sich in Münnerstadt jetzt ein regelrechter "Mürschter Sängerwettstreit" entwickelt. Groß angekündigt hatten die Grünen die Welturaufführung ihres Songs für ganz Münnerstadt im Rahmen der Mürscht Music Night. Einen Tag zuvor hat die Fraktion Forum aktiv einen eigenen Song unter dem Titel "Mürscht wählt - wählt Mürscht" ins Netz gestellt. Und die Partei Die PARTEI hat auch schon ein Musikvideo vom Wirtshaussingen am Sonntag angedroht.

Eine weitere Ausbreitung des Sängerstreites ist nach Recherchen dieser Zeitung allerdings nicht zu erwarten. "Aus gutem Grund singen die Mitglieder der SPD überwiegend in der Badewanne", sagt Axel Knauff (SPD) dazu. "Wir wissen zwar, dass nicht alle Mürschter die SPD so lieben wie wir das tun, jedoch wollen wir durch einen öffentlichen Gesang niemanden unnötigerweise verschrecken."

Eine klare Absage kommt auch von der CSU. Allerdings findet Michael Kastl das Projekt der Grünen richtig gut. Er hat es auf Facebook gesehen. "Das ist eines der wenigen Male, wo ich einen Like bei einer anderen Partei gesetzt habe."

Auch bei den Freien Wählern tut sich nichts. "Wir bewundern die Sangeskünste unserer Mitbewerber. Selber konzentrieren wir uns lieber auf das, was wir am besten können", sagt Andreas Trägner. Und Klaus Schebler meint schließlich: "Wir von Neue Wege wissen, dass momentan Fasching ist, wir nehmen das Ganze nicht so ernst. Einen solchen Auftritt wird es von uns nicht geben, da ist uns die Politik zu wichtig."