Auf dem Bad Kissinger Parkfriedhof ist eine Himmelswiese geplant, auf der "stillgeborene" Kinder ihre letzte Ruhe finden sollen. Die rechtlichen Voraussetzungen dazu hat die Stadt mittlerweile geschaffen, nun soll es an die konkreten Vorbereitungen gehen. Wir haben mit Klinik-Seelsorgerin Gabriela Amon über Idee und Vorbereitungen gesprochen.

Frau Amon, wie und wann ist die Idee für die Himmelswiese entstanden?
Gabriela Amon: Seit September 2009 bin ich als Klinikseelsorgerin im Elisabeth-Krankenhaus tätig. Im drauffolgenden Jahr wurde ich zum ersten Mal mit der Entbindung eines "Stillgeborenen" konfrontiert. Das war Anlass für mich nachzufragen, was mit diesen Kindern geschieht und mich auch bei Kollegen anderer Kliniken zu erkundigen, was man konkret für die betroffenen Eltern tun kann.

Wie ging es dann weiter?
Der nächste Schritt war für mich, Mitstreiter zu gewinnen, die sich für ein Projekt in dieser Sache engagieren. In meiner evangelischen Kollegin Pfarrerin Claudia Weingärtler, dem Leiter der Patientenverwaltung Ingo Mack vom Elisabeth-Krankenhaus und Sozialpädagogin Cornelia Weber von der Christian-Presl-Stiftung habe ich diese gefunden. Wir haben uns mehrmals getroffen, ein Konzept erarbeitet und haben den ersten Antrag an die Stadt Bad Kissingen für ein Grundstück auf dem Parkfriedhof im September 2012 gestellt.

Wie oft kommt es im Raum Bad Kissingen zu Tot- und Fehlgeburten?
Seit 2006 haben Eltern nach dem bayerischen Bestattungsgesetz auch das Recht, Föten unter 500 Gramm bestatten zu lassen. Ab 500 Gramm besteht eine Bestattungspflicht. Im Elisabeth-Krankenhaus schwanken die Zahlen zwischen 60 bis 80 Fälle pro Jahr. Hierbei ist jegliches Leben von Beginn der Schwangerschaft mitgerechnet. Wie viele Tot- und Fehlgeburten von Eltern aus dem Raum Bad Kissingen in anderen Kliniken betreut werden, wissen wir nicht.

Bei Föten unter 500 Gramm ist also keine Beerdigung verpflichtend, was geschieht bis jetzt mit diesen Kindern?
Grundsätzlich biete ich den Eltern an, dass sie diese Kinder auch bei Kollegen mit bestatten lassen können, zum Beispiel in Schweinfurt. Wollen Eltern nicht an einer Bestattungsfeier teilnehmen, kommen die Kinder nach Würzburg in die Pathologie, wo sie anonym mit anderen bestattet werden.

Wie wichtig ist die Himmelswiese für die Trauernden?
Oft begegnet den betroffenen Eltern Reaktionen von der Umwelt wie "Das hat die Natur so gewollt" oder "Du bist doch noch jung, du kannst noch Kinder kriegen" bis "Sei froh, dass es jetzt passiert ist, da hat noch niemand gesehen, dass du schwanger bist....!" Sehr oft ist es ein Tabu-Thema das totgeschwiegen wird. Bei meinen Krankengesprächen auf der Geriatrie habe ich allerdings festgestellt, dass der Tod eines Kindes auch im Anfangsstadium ihrer Schwangerschaft eine Frau bis ins hohe Alter begleitet. Oft weint eine Frau mit über 80 Jahren noch über den Tod eines Kindes, von dem sie sich nie verabschieden konnte. Die Himmelswiese wird den betroffenen Eltern im Raum Bad Kissingen die Möglichkeit geben, ihr Kind würdevoll zu bestatten und einen Platz für ihre Trauer zu haben.

Wann und wie nehmen die Eltern mit Ihnen Kontakt auf?
Im Moment kontaktieren mich Pflegepersonal auf der Gynäkologie, Hebammen und sogar Gynäkologen selber, sobald dieser Fall bei uns auf Station eintritt. Ich gehe dann persönlich auf die Mutter oder Eltern zu. Nun haben wir einen Flyer entwickelt, in dem auch alle Infos für Eltern enthalten sind. Sollte ich in Urlaub sein oder aus anderen Gründen verhindert, so ist meine evanglische Kollegin Pfarrerin Claudia Weingärtler in Bereitschaft.

Die Stadt hat zugesagt, auf Grabnutzungsgebühren zu verzichten, was muss trotzdem an Kosten aufgebracht werden und wer übernimmt sie?
Die Klinik gewährleistet eine kostenfreie Fahrt vom Krankenhaus zur Untersuchung in der Pathologie und zurück, die Aufbewahrung bis zum Bestattungstermin und beteiligt sich an der Finanzierung des Grabmales. Die Klinikseelsorge organisiert und finanziert Kindersärge und bietet zwei Mal im Jahr eine Bestattungsfeier an. Das Bestattungsunternehmen Rüdiger Fehr gewährt den Transport von der Klinik auf den Friedhof. Die Christian-Presl-Stiftung bietet Trauerbegleitung an und beteiligt sich auch mit einer Spende am Projekt Himmelswiese. Für die Eltern kommen Kosten auf, falls sie den Namen ihres Kindes auf einem Stern in der Himmelswiese eingraviert haben möchten oder wenn sie Sonderwünsche haben. Ansonsten bemühen wir uns, sonstige Auslagen über Spenden zu finanzieren.

Das Gespräch führte Ralf Ruppert.


Person Gabriela Amon ist Gemeindereferentin und arbeitet aktuell noch mit einer halben Stelle in der Klinik-Seelsorge, ab März ist die 50-Jährige dann mit einer vollen Stelle im St.-Elisabeth-Krankenhaus tätig. Auf evangelischer Seite teilen sich Pfarrerin Claudia Weingärtler und Pfarrer Wolfgang Ott die Klinik-Seelsorge.

Christian-Presl-Stiftung
Am Projekt Himmelswiese beteiligt sich auch die Christian-Presl-Stiftung: 2005 kam Christian Presl bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Seine Angehörigen gründeten daraufhin die gemeinnützige Stiftung, die Menschen in Trauer unbürokratisch und ohne finanzielle Interessen hilft. Die Beratungsstelle befindet sich in der Spargasse 18, Bad Kissingen, Telefonnummer: 0971/ 699 190 70. Infos im Internet unter www.christian-presl-stiftung.de

Voraussetzung Der Stadtrat Bad Kissingen hat die rechtlichen Voraussetzungen für die Himmelswiese durch eine Änderung der Friedhofssatzung geschaffen: Als zusätzliche Art der Grabstätte wurde ein Fehlgeburtengrab vorgesehen. In der dazugehörigen Gebührensatzung wurden die Bestattungen zudem als gebührenfrei aufgenommen.

Spende Wer das Projekt Himmelswiese unterstützen möchte, kann dies über die Klinikseelsorge beider Konfessionen tun: Entweder über die Katholische Kirchenstiftung Herz Jesu, Bad Kissingen, (IBAN: DE36 79351010 0031171549, BIC: BYLADEM1KIS) oder über das evangelische Kirchengemeindeamt Schweinfurt (IBAN: DE75 79350101 0760013151, BIC: BYLADEM1KSW). Verwendungszweck ist jeweils "Himmelswiese Bad Kissingen".