Die meisten Menschen richten ihr Wohnzimmer gemütlich ein. Gemütlichkeit strahlt auch der Living-Room von Leonie Müller aus. Living-Room bedeutet nichts anderes als Wohnzimmer. Und doch ist es ein wenig anders. "Es geht einfach darum, Zeit miteinander zu verbringen, das Leben miteinander zu teilen", sagt die 41-Jährige. Und: "Das ist etwas, was mir in Münnerstadt ein wenig gefehlt hat."

Es hat einen Grund, warum Leonie Müller ihr Projekt nicht "Wohnzimmer", sondern "Living-Room" genannt hat. Als Südafrikanerin ist ihre Muttersprache Englisch. Deutsch spricht sie natürlich auch, schließlich ist sie seit zwölf Jahren mit dem Münnerstädter Markus Müller verheiratet und lebt seit acht Jahren hier, wo auch drei der vier gemeinsamen Kinder zur Welt gekommen sind.

Die Kinder (das älteste ist in England geboren, wo die Müllers früher lebten) haben ihre ganze Zeit beansprucht. Jetzt gehen die zwei älteren in die Schule, die anderen beiden in den Kindergarten. "Jetzt habe ich ein bisschen mehr Zeit", sagt Leonie Müller. Diesen neu gewonnen Freiraum will sie für sich sinnvoll nutzen. "Ich könnte diese Zeit natürlich in meinen Haushalt investieren." Eine andere Möglichkeit ist, sich gemütlich mit anderen Menschen hinzusetzen und zu reden. Am besten über das, was auch sie besonders mag. Da wären Bücher oder die Erziehung und natürlich die Lebensgeschichten von Menschen. Muss aber nicht sein, alles ist möglich. "Mir ist es wichtig, unter Leuten zu sein. Da gibt es natürlich etwas, was sie besonders gut kann: Englisch. Und: "Ich glaube, ich kann eine gemütliche Atmosphäre schaffen, in der die Leute sich wohl fühlen."

Das würde Anja Schmidt sofort unterschreiben: "Es ist toll geworden, man fühlt sich wohl", sagt die Besucherin. "Das hat ein besonderes Flair, nicht nur durch das Ambiente, sondern durch die Individualität mit der Leonie Müller das hier führt."

Das gemütliche Beisammensein ist aber nur ein Aspekt im Living-Room. An einem Samstag im Monat gibt es den Thementag mit einem Sonderprogramm. Das kann beispielsweise eine Lesung aus einem Gedichtband sein. Wer will, kann auch gerne seine Fremdsprachen-Kenntnisse auffrischen und Unterhaltungen in Englisch führen. "Wenn Interesse besteht, kann ich auch für Kinder Geschichten auf Englisch vorlesen."

In den Regalen stehen viele Bücher, die entweder vor Ort gelesen oder aber getauscht werden können. Man bring ein ausgelesenes Buch mit und nimmt sich einfach ein anderes mit nachhause. Gleiches gilt für Spielsachen. Wer beispielsweise etwas mehrfach besitzt, kann das abgeben und sich ein anders Spielzeug mit nehmen. "Da steckt der Gedanke dahinter, dass man nicht alles besitzen muss und auch Sachen weggeben kann."

Das Teilen ist ohnehin ein Grundgedanke des Living-Rooms und das bezieht sich nicht nur auf das Leben teilen. Wer sich gemütlich unterhalten will, der trinkt auch gerne einen Kaffee dazu. Der kostet zwar Geld, der Preis ist aber eher symbolisch. Dafür kann ein Gast auch einen Kaffee im Voraus bezahlen. Nicht für sich, sondern für einen anderen. So kann auch derjenige einen Kaffee trinken, der es sich eigentlich gar nicht leisten kann.

Das ganze Projekt ist ganz sicher nicht darauf ausgelegt, große Reichtümer zu verdienen. Eher das Gegenteil dürfte der Fall sein. Warum Leonie Müller trotzdem mit so viel Engagement und Feingefühl ihren Living-Room betreibt, begründet sie unter anderem so: "Man kommt zu einem Punkt, wo man teilen will."

Geöffnet hat der Living-Room in der Riemenschneiderstraße 9 täglich von 9 bis 15 Uhr. Mehr ist für Leonie Müller derzeit nicht drin. Aber: "Wenn sich jemand findet, der die gleiche Vision hat wie ich, würde ich auch gerne am Nachmittag aufmachen.