Zu viele Fälle, zu wenig Zeit, zu viel Papier - das ist der Alltag des Jugendamtes. 223 Seiten dick ist der aktuelle Jahres- und Geschäftsbericht des Jugendhilfeausschusses. Bei der Sitzung am vergangenen Montag standen die Ausgaben und Einnahmen sowie die Jugendsozialarbeit an den Schulen im Landkreis Bad Kissingen im Vordergrund.

Insgesamt belaufen sich die Einnahmen des Jugendamtes aus dem vergangenen Jahr auf rund 3,8 Millionen, die Ausgaben auf rund zehn Millionen Euro. Den größten Teil der sogenannten kostenintensiven Hilfen nehmen Vollzeitpflege und Heimerziehung mit jeweils 23,4 und 24,3 Prozent der Gesamtkosten ein. Eine gravierende Steigerung bei den Ausgaben ergebe sich durch die Betreuung minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge. Für Heimerziehung wurden hier 1,7 Millionen Euro ausgegeben.

"Die Einnahmen in der Jugendhilfe sind allgemein recht spärlich", erklärt Jugendamtsleiter Siegbert Goll. "Teilweise können die Kosten über Freizeitangebote oder staatliche Förderungen wieder reingeholt werden." Die Jugendhilfe unterscheidet zwischen der Betreuung von Gruppen oder Einzelfällen. Bei letzteren stellen stationäre Hilfen, wie Heimpflege oder betreutes Wohnen, mit rund drei Millionen Euro die größte Einnahmequelle dar. "In manchen Fällen bekommen wir nämlich erst spät einen Fuß in die Tür, sodass mit ambulanten Hilfen nur noch wenig zu bewerkstelligen ist", sagt Goll.


Immer mehr Kinder im Heim

Die bearbeiteten Jugendhilfefälle haben besonders stark im Bereich Heimerziehung von 50 Fällen im Jahr 2013 auf 116 Fälle im Jahr 2017 zugenommen. Dabei handelt es sich in 66 Fällen um minderjährige Flüchtlinge. "Die Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen nehmen ganz massiv zu", sagt Siegbert Goll in seinen Ausführungen zum Jahresbericht. "Das zeigt sich dann beispielsweise in den Anrufen des Familiengerichtes oder den Einsätzen des Sozialen Dienstes." Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die in Jugendschutzstellen aufgenommen wurden, stieg seit 2013 von acht auf 43 Fälle an.

Zu den Förderungen familiärer Erziehung zählen beispielsweise der Einsatz von Familienhebammen und Familienkrankenschwestern, die im Landkreis Bad Kissingen vom Netzwerk Frühe Hilfen vermittelt werden, sowie Elternberatungen zum Thema Schreibabys. Die Ausgaben belaufen sich hierbei auf insgesamt rund 320 000 Euro, die Einnahmen auf rund 44 000 Euro.


Wichtiger Träger fällt aus

Eine erschreckende Meldung für das Jugendamt sei der Ausfall des Roten Kreuzes als Träger der Jugendsozialarbeit an Schulen (JAS), berichtete Georg Schulz-Hertlein vom Jugendamt. Zwar folgten GbF und Kolping nach, ein dritter Träger fehle allerdings noch. 235 Einzelfälle betreute die Jugendarbeit im vergangenen Jahr, bei 58 Prozent davon konnten die vorhandenen Probleme gelöst werden. In 41 Prozent der Fälle beendeten Schulwechsel oder -abschlüsse die Konflikte. Die Hauptgründe für den Einsatz der Jugendsozialarbeiter sind Konflikte mit Mitschülern sowie psychische und familiäre Probleme.

70 Projekte setzte die JAS 2018 um, eine Besonderheit Bad Kissingens seien dabei die Ferienangebote. Die Ergebnisse einer Lehrerbefragung an zehn Schulen des Landkreises zeigte, dass die Zusammenarbeit zwischen JAS, Lehrern und Schülern bisher erfolgreich, der Kontakt zu den Eltern jedoch noch verbesserungswürdig sei.