1966 veranstaltete der drei Jahre zuvor gegründete "Biertümpelclub" (BTC) Garitz seine erste Elferratssitzung, und zwar im Saal des Gasthauses "Zum Hirschen" in der Jahnstraße. Dass die Wirtschaft danach vorübergehend geschlossen wurde, hatte nichts mit dieser Sitzung zu tun. Für 1967 fanden die Garitzer ein Ausweichquartier in der Winkelser Jahnhalle. Das war insofern mutig, als sie sich damit in die Reichweite der Konfettikanonen des Erzfeindes Fidelia Reiterswiesen wagten. Seit 1968 ist die Garitzer Turnhalle das Hauptquartier des Garitzer Faschings.

1966 gab es auch eine Besonderheit: Roland Brand, alias Rollo I., war der erste und einzige Faschingsprinz des BTC. Offenbar war der republikanische Geist stärker als der royale - obwohl das Autokennzeichen KG nach den Garitzern immer noch "Königreich Garitz" heißt. "Die Rivalität zu Bad Kissingen hat Tradition", berichtet Sitzungsvizepräsident Axel Dürheimer, und: "Ein Prinzen-Paar war nie Thema bei uns." Beim BTC gebe das Dreigestirn aus den beiden Sitzungspräsidenten Christian Rüth und seinem Vize Dürheimer sowie Zeremonienmeister Matthias Scheit den Ton an.

Schon immer hartes Training

Wer mit den Tänzerinnen von damals spricht, erfährt, dass sich eigentlich nicht viel verändert hat. Trainiert wird immer hart, konzentriert und trotzdem mit Vergnügen. Allerdings sind bei den Garitzern eine starke Nachwuchsarbeit und frei choreografierter Showtanz dazu gekommen. Vielleicht bauen auch die Profi-Truppen im Fernsehen mehr Druck auf die Qualitätserwartungen auf?

Konservativ ist das Publikum der Elferratssitzung seit jeher: Das Verkleiden überlässt man den Leuten auf der Bühne, aber das kulturelle Ereignis wird durch elegante Kleidung gewürdigt. Auf die Stimmung hat die formellere Kleidung nicht den geringsten Einfluss. Schon 1966, bei der ersten Sitzung, standen am Ende einige Besucher vor Begeisterung auf den Stühlen. Heute trauen sich manche sogar auf die Tische.

Seit 40 Jahren ist der Wernarzer Thomas Dill im Bad Brückenauer Fasching aktiv: 1979 begleitete er seine Schwester Doris als Prinz: "Weil sich ihr Freund nicht getraut hat", erzählt er lachend. Im vergangenen Jahr wurde er dann zur Kräbbelkönigin gekürt. Was ist gleich geblieben? "Was die Prinzenpaare angeht, waren die Karnevalisten schon damals froh, wenn sich jemand gefunden hat", sagt Dill. Und was ändert sich? Der Faschingszug am Faschingsdienstag werde immer unpolitischer: "Es wird wertneutraler, keiner traut sich heute mehr, den Mund aufzumachen." Früher seien die Besucher gespannt gewesen, was etwa die Gruppe aus der "Röth" heuer wieder aufs Korn nimmt. Außerdem wurden von Jahr zu Jahr die Wagen größer: vom einfachen Anhänger oder VW-Pritschenwagen zum großen Lkw-Auflieger, der kaum noch durch die engen Straßen kommt. "Aber das geht jetzt auch wieder zurück, weil die Auflagen immer strenger werden", sagt Dill: Es müssten immer mehr Ordner eingeteilt werden, die selbst keine Party machen und keinen Alkohol trinken dürfen.