Vor 10 Jahren konnte man in Münnerstadt schon mal "Poetry Salm" erleben. Schüler des Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasiums hatten in ihrer Schule und in der Kelterhalle einen Dichterwettstreit veranstaltet. Gekommen waren, wie auch jetzt in der Alten Aula, Slammer aus ganz Deutschland. Das Engagement der jungen Veranstalter wurde auch vom Bayerischen Fernsehen gewürdigt. Hannah Conrady war da zehn Jahre alt, bereitete sich gerade auf den Übertritt ins heimische Gymnasium vor und hatte "keine Ahnung" von solchen Events an ihrer späteren Schule. Das hat sich geändert. Dass die inzwischen zwanzigjährige Münnerstädterin bereits seit vier Jahren in der "Poetry" Szene mitmischt, wird auch ihren Wurzeln gerecht.

Der Vater ist Lehrer, die Mutter Psychologin und die ältere Schwester Schauspielerin - da sind Worte als Spiel und zur Unterhaltung tägliche Lebenskunst. Gewissermaßen hat Hannah Conrady das professionalisiert, hat es zu einem sehr geliebten Hobby werden lassen, wie sich die vielen Besucher der Münnerstädter Alten Aula überzeugen konnten.

Sie wirkt bei ihrem Vortrag äußerst engagiert und ausdrucksstark. Keine große Ansage, schon gar keine Erklärung, es geht einfach mittenrein in die Poesie. Der Eindruck täuscht nicht, dass sie mit jedem Wort ihr Umfeld mehr vergisst. Hannah Conrady liebt diese Gemeinschaft der jungen Dichter, ihr ist es nach eigener Aussage völlig fremd, unbedingt einen Slam gewinnen zu müssen. Obwohl sie bereits mal die Thüringer Landesmeisterschaft der U20 Slammer gewonnen hat. Das führte dann auch zu Deutschen Meisterschaft in der gleichen Kategorie nach Magdeburg. Erlebnisse, an die sich die Studentin der Logopädie gerne zurückerinnert.

Vorlesen für Andere begann bereits in früherer Schulzeit mit der Teilnahme an Vorlese-Wettbewerben. Will man sich als Poetry Slammer behaupten, ist es sinnvoll, die angebotenen Workshops zu besuchen. Hier in der Region hat das Angebot in Schweinfurt einen guten Namen, und es war für Hannah Conrady auch eine klare Sache, daran teilzunehmen. Demnächst soll neben weiteren Poetry-Slam Veranstaltungen auch der eine oder andere Workshop in Münnerstadt veranstaltet werden.

Die Münnerstädter Dichterin ist nicht mehr so oft zu Hause, so bleibt ein Platz für anderen Nachwuchs vor Ort frei. Die Routine des Vortrags bekommt bei einem Heimspiel trotzdem ein besonderes Flair. In Künstlerkreisen nennt man das Lampenfieber, und Hannah Conrady hatte vor ihrem Auftritt im heimatlichen Münnerstadt genug davon. "Vor so vielen Bekannten und Freunden aufzutreten, war schon ein mulmiges Gefühl", beschreibt sie kurz nach dem Auftritt, den sie in der der Vorrunde und im Finale als letzte bestritt, ihren Gemütszustand.

Das Heimspiel brachte ihr "Bronze". Sie freut sich, wenn das Publikum an ihrer Ausgestaltung von Wortsinnen teilnimmt und hat am Ende auch für Münnerstadt in ihrem Text eine Beschreibung parat. "Meine verschlafene Stadt" meint Hannah Conrady, ganz voller Poesie in der Stimme und mit sehr freudigen Bezügen. Ein bescheidener Abgang, dem weitere Auftritte folgen sollen, wenn auch die Studentin, die zeitweise alle drei Wochen zu einem Petry Slam eilte, jetzt mit ihrem Hobby kürzer treten muss. Das nächste Lampenfieber kommt bestimmt, Münnerstadt freut sich darauf, mehr von Hannah Conrady zu hören. Gefühlt gibt es für sie immer den ersten Preis.