Mia Hochrein hat wenig Zeit. Das ist in den letzten drei Monaten eigentlich ein Dauerzustand. Seit dem 8. Mai läuft das außergewöhnliche Kunstprojekt else! und es ist sehr gut gelaufen. Bis gestern Mittag hatten 2338 Gäste die Ausstellungen. Konzerte, Lesungen, Vorträge, Workshops und Offene Ateliers besucht. "Wir haben Strichliste geführt", sagt Mia Hochrein. Dabei sei die Besucherzahl eher unter angesetzt, denn Gäste, die häufiger kamen, wurden nicht jedes Mal mit einem Strich quittiert.

Viel Unterstützung bekommen

Drei anstrengende Monate liegen hinter ihr und ihren Mitstreitern Alison Cundiff, Bärbel Fürst sowie Christine und Oliver Schikora, sowie jede Menge freiwillige Helfer. Denn das Kunstprojekt else! ist nur so gut gelaufen, weil alle Künstler ohne Gagen auftraten, unzählige Menschen unentgeltlich geholfen haben. "Ich bin überwältigt, wie viel Hilfe und Unterstützung ich bekommen habe." Und genau das ist der Grund, warum die else! nicht mehr wiederholt werden kann. "In dieser Form, ohne öffentliche Unterstützung, wird es das nicht mehr geben", sagt Mia Hochrein. Auch sie als Initiatoren hat übrigens bisher keinen einzigen Cent verdient.

"In dem Umfeld, in dem ich lebe, möchte ich auch als Künstlerin eine Lebensqualität haben." Das war ein Grund, warum sie das Projekt in der leer stehenden Marienanstalt ins Leben gerufen hat. Dazu gehöre einerseits, dass die kreativen Kräfte der Stadt so zum Vorschein kommen und andererseits Künstler in die Stadt kommen. Das Ganze gekoppelt mit einer Leerstandsbelebung. Und: "Eine Kleinstadt ist dafür hervorragend geeignet." In Münnerstadt gebe es ein kulturelles Erbe, das sei einfach spürbar. Deshalb wird es Ende September auch ein Treffen von Interessierten geben, die überlegen wollen, wie man möglicherweiese einen Raum oder ein Haus erneut bespielen könnte. Es gehe ja um die Belebung von Plätzen, die der Bevölkerung wieder zugeführt werden müssten.

Wichtig sei es gewesen, dass das Kunstprojekt über drei Monate ging. "Wenn es länger angelegt ist, wird es Bestandteil des Alltags, es integriert sich." Mia Hochrein nennt ein Beispiel: Anfangs seien die Asylsuchenden aus der Gemeinschaftsunterkunft nur auf direkte Ansprache zu den Veranstaltungen an den Donnerstagen gekommen. Zuletzt waren sie ganz selbstverständlich da. Die anfänglichen Ängste waren verflogen.

"Kunst begehbar machen"

Für die Künstler, die zwischen ein paar Tagen bis zu zwei Monaten in der Marienanstalt lebten, seien diese Aufenthalte ganz wichtig. So können sie Kontakte untereinander knüpfen und kommen auch einmal aus ihrem Alltag heraus. "Das schräge Haus ist ein Pluspunkt, hier gibt es keine eingefahrene Denkstruktur." Weiter positive Aspekte sieht Mia Hochrein darin, dass Menschen in die Marienanstalt gekommen sind, die sonst weniger Kontakte haben. Die haben sie dort geknüpft. Auch Besucher, die nach eigener Aussage mit Kunst nicht anfangen können, kamen und ihnen gefiel es doch.

"Alte Häuser aufbrechen, die Kunst begehbar machen - das ist etwas, was zu mir gehört." Mia Hochrein fällt zu den alten Häusern das Wort Verkrustung ein, an dem nichts Negatives sei. "Verkrustung entsteht nur, wenn Substanz lange nicht genutzt wurde. Verkrustungen brechen auf, wenn Substanz in Bewegung kommt." Sie ist sich sicher: "Das ist passiert."

Lediglich Spenden von Besuchern hat Mia Hochrein bisher auf der Einnahmenseite. Als Zuschüsse bekommt sie vom Kulturfond Bayern einen Drittel ihrer Barausgaben. Und ausgeben kann sie natürlich nur das, was sie als Spenden erhalten hat. Ein wenig mehr Unterstützung von anderen öffentlichen Stellen hätte sie sich schon gewünscht.

Else heißt aus dem Englischen übersetzt anders. Anders war das Kunstprojekt auf jeden Fall.