Entscheidungen aus Brüssel wirken sich bis in die Rhön aus; die globale Finanzkrise ebenso. Die Finanzwelt ist verflochten, vieles hängt aneinander - Gutes wie Schlechtes.

Das gilt auch für die drei Genossenschaftsbanken des Kreisverbandes Bad Kissingen. Die VR-Bank Bad Kissingen-Bad Brückenau sowie die Raiffeisenbanken in Hammelburg und Nüdlingen verzeichneten 2013 ein gutes Geschäftsjahr. Die Bilanzsumme ist gestiegen, die Leute haben mehr Geld bei ihnen hinterlegt. Handwerk und Mittelstand nutzen die niedrigen Zinsen und nehmen öfter Kredite auf, um zu investieren. "Es spiegelt sich die allgemein gute, wirtschaftliche Lage", sagt der Bad Kissinger-Bad Brückenauer Vorstandvorsitzende Hans Beudert.

Während sich die Kreditnehmer über niedrige Zinsen und günstige Kredite freuen, ärgern sich die Sparer über kleine Zinserträge. Sie legen ihr Geld deshalb oft kurzfristig an, etwa als Tagesgeld. "Die Kunden wollen sich nicht langfristig binden, sondern hoffen auf höhere Renditen in der Zukunft", erklärt Bernd Bindrum, Geschäftsführer der Raiffeisenbank Hammelburg.

Sowohl Hans Beudert, als auch seine Kollegen Bernd Bindrum und Wolfgang Menninger (Raiffeisenbank Nüdlingen) erwarten, dass das Zinsniveau in den nächsten Jahren nicht steigen wird. "Die Zinsen werden politisch niedrig gehalten", erklärt Beudert. Damit die ohnehin hoch verschuldeten Staaten der Eurozone nicht durch hohe Zinsen zusätzlich belastet werden.

Was für die Staaten gut ist, macht den Bankern für die Zukunft Sorgen. Zinserträge stellen ihre Haupteinnahmequelle dar. Wenig Zinsen bedeutet wenig Verdienst. Bislang ist es den Geldhäusern zwar gelungen, die Verluste abzufangen. "2014 wird die Ertragslage aber sinken", erwartet Hans Beudert.

Bernd Bindrum schätzt, dass sich die Entwicklung vor allem nach 2017 weiter verschlechtert. Dann laufen viele alte Kredite aus, wohingegen günstige neu abgeschlossen werden.

Die Zinsen sind nicht die einzigen Auswirkungen aus der Finanzkrise, die die regionalen Banken beschäftigen. Es gilt 28 000 Seiten Regulierungsvorgaben aus Brüssel umzusetzen. Vom Beratungsprotokoll über die Eigenkapitalquote bis zur Meldung darüber, wie viel Geld im letzten Quartal eingezahlt wurde. Hans Beudert: "Wir mussten im Controlling Personal aufstocken, um alles zu melden." Eine Vollzeitstelle beschäftigt sich allein in Bad Kissingen mit den Vorgaben.

Wolfgang Menninger, Bankvorstand in Nüdlingen, hält das für unverhältnismäßig. Kleine Banken würden über Gebühr belastet. "Die Geschäfte, die in die Krise geführt haben, haben die großen Banken gemacht", beschwert Menninger sich. Eine Pleite der Raiffeisenbank Nüdlingen würde nicht das globale Finanzsystem erschüttern. "Wir brauchen eine angemessene und faire Lastenverteilung zwischen Regionalbanken und internationalen Großbanken", fordert er.

Es geht bei der Regulierung immer um die Frage, ist eine Bank ein Risiko, oder nicht. "Dafür sind wir zu klein. Außerdem haben wir eine eigene Sicherungseinrichtung, in die wir einzahlen", sagt Hans Beudert.

Deutsche Institute rechnen mit Regulierungkosten von zwei Milliarden Euro jährlich. "Man kann erahnen, was da auf uns Volks- und Raiffeisenbanken zukommt", kommentiert Bernd Bindrum.

Trotz der Sorgen sehen die drei Geschäftsführer ihre Banken bislang auf einem guten Weg. Das Plus bei der Bilanzsumme, sowie "die robusten Marktanteile im Einlagen- und Kreditgeschäft zeigen, dass wir auf einem soliden Fundament stehen", meint Hans Beudert. Die konservative Geschäftspolitik komme beim Kunden offensichtlich gut an.