Bürgermeister Gotthard Schlereth (Freie Wähler) läuft durch den Ortskern von Oberthulba. Es geht über den Markplatz in zwei kleine Gassen. Der Straßenbelag dort ist neu, noch keine zwei Jahre alt. Die Häuser, zumeist alte Bauernhöfe und Wohngebäude, stehen hier schon seit Generationen. "Hier gab es niemals eine Industrie. Das ist nicht das Schweinfurter Grün", meint Schlereth halb ernst, halb im Scherz. 2016 ließ der Markt Oberthulba in in der Oberen und Unteren Ecke die Kanäle erneuern. Rund 6000 Kubikmeter Erde wurden damals ausgebaggert. Zum Vorschein kam belastete Erde. Belastete Erde, die aufwendig und fachgerecht zu entsorgen ist.

Mit einem Umweltskandal hat das allerdings nichts zu tun, sondern mit dem deutschen und dem bayerischen Abfallrecht. Der Gesetzgeber verlangt, dass der sogenannte Bodenaushub analysiert werden muss. In Oberthulba wurde dabei eine geogene Kupferbelastung festgestellt, also ein Kupferanteil, der normal in dem Gestein in der Unteren und Oberen Ecke vorkommt, aber den gesetzlichen Grenzwert leicht überschreitet. "Da hat niemand etwas in den Boden eingefüllt. Das ist natürlich vorhanden", sagt der Bürgermeister. Trotzdem durfte das Gestein nicht mehr benutzt werden, um die Baugrube hinterher wieder zuzuschütten. Eigentlich hätte es als Abfall auf einer Deponie beseitigt werden müssen.

Schlereth ist gleichzeitig auch Kreisvorsitzender des bayerischen Gemeindetages für Bad Kissingen. Er bemängelt, dass beim Umgang mit Bauabfällen und Bodenaushub das richtige Maß verloren gegangen und die Entsorgung "zu einem Baukostentreiber ersten Ranges" geworden ist. Der bürokratische Aufwand habe ein Ausmaß erreicht, das für Kommunen und die Bauwirtschaft, aber auch für den kleinen privaten Häuslebauer problematisch ist.


Kostenexplosion für Häuslebauer

Auf Initiative Schlereths hat der Kreistag vor kurzem einer Resolution zugestimmt, die sich der Problematik annimmt. Die selbe Resolution wurde jetzt auch auf der jüngsten Sitzung des Kreisverbandes des Bayerischen Gemeindetages von den Bürgermeistern verabschiedet.

Kritik gab es in der vorangegangenen, kurzen Aussprache an der übermäßigen Bürokratie. "Wir sind hier im Landkreis schon betroffen, aber in anderen Regionen ist die Problematik größer", berichtete der Bad Kissinger Bürgermeister und Bauunternehmer Anton Schick (DBK). Wird beim privaten Hausbau ein Gebäude unterkellert, fallen in Ballungsräumen wie Stuttgart durch die Deponiegebühren Kosten an, die in etwa dem Wert eines Grundstücks entsprächen. Dass Laster zudem für den Abtransport zur nächsten geeigneten Deponie hunderte Kilometer fahren, "kann umweltpolitisch nicht gewollt sein", so Schick. Andreas Sandwall (CSU), Bürgermeister von Bad Bocklet und Chef der Abfallwirtschaft des Landkreises, wies ebenfalls darauf hin, dass Deponien anderswo an ihre Kapazitätsgrenzen geraten. Bei vier Deponien im Landkreishält sich das Problem zumindest derzeit in der Region in Grenzen, schränkte Schlereth ein.

In Oberthulba hat die Gemeinde in Abstimmung mit Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt eine andere Lösung für den geringfügig belasteten Boden gefunden. Mit der Erde wurde ein Grundstück im Industriegebiet in Reith aufgefüllt. "Das wurde nicht wild abgelagert, sondern ist über eine eigene Baugenehmigung gelaufen. Es muss gewährleistet sein, dass von dem Boden keine Gefahr für das Grundwasser und die Thulba ausgeht", erklärt Schlereth. Dass keine Deponiegebühren angefallen sind, habe der Gemeinde einen mittleren fünfstelligen Betrag gespart.


Resolution zu Bauschutt und Bodenaushub des Bayerischen Gemeindetags Bad Kissingen Zahlen

Der Anteil an Bauschutt und Bodenaushub, der auf Deponien entsorgt wird, hat in den vergangenen Jahren zugenommen. 2010 waren es laut Resolution in Bayern noch rund 3,7 Millionen Tonnen, aktuell sind es rund sechs Millionen Tonnen.

Forderungen Bürgermeister und Kreisräte fordern vom Bundes- und Landesgesetzgeber, Abhilfe zu schaffen und die Entsorgung zu entbürokratisieren und Schadstoffgrenzwerte an das europäische Niveau anzupassen. Ferner sollen auch regionale Einzelfallregelungen möglich sein, abhängig von den örtlichen geologischen Begebenheiten. Die Resolution schließt sich einem Positionspapier der bayerischen Bau-, Baustoff-, sowie Garten- Landschaftsgartenbauverbände aus dem Jahr 2017 an.