Überrascht wurde Leo Romeis, Kämmerer der Stadt Bad Brückenau, in der vergangenen Woche von einer Pressemitteilung aus dem Bayerischen Innenministerium. Darin verkündete Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU), dass 1,38 Millionen Euro aus dem Städtebauförderprogramm "Kleinere Städte und Gemeinden - überörtliche Zusammenarbeit" für den ländlichen Raum in Unterfranken genehmigt sind, darunter auch 300 000 Euro für die Brückenauer Rhönallianz.

"Damit unterstützen wir insbesondere die Vorbereitung und Umsetzung von Investitionen zur Sicherung und Stärkung der öffentlichen Daseinsvorsorge", sagt Eck über das 2010 neu aufgelegte Programm für Kommunen in strukturschwachen ländlichen Gebieten. "Ich habe noch keinen Förderbescheid", war die erste Reaktion von Romeis auf Anfrage. Mittlerweile weiß er mehr: Mündlich bestätigte ihm die Regierung von Unterfranken, dass die Kommunale Allianz die 300 000 Euro für das Projekt "Nachnutzung der Brache ehemaliges Krankenhaus" erhält. Sprich: Die landkreiseigene Carl-von-Heß'sche Stiftung kann auf eine Finanzspritze für den Bau des Seniorenzentrums dort erwarten.

Gefördert werde der "topographische Mehraufwand", berichtet Romeis, und: "Dieses Gelände ist nur mit erheblichem Mehraufwand nutzbar." Die Brückenauer Rhönallianz besteht seit dem vergangenen Jahr, als erstes Projekt hätten sich die acht Bürgermeister für den Neubau des "Hauses Waldenfels" entschieden, weil es alle acht Gemeinden betreffe. "Wenn dieses Projekt scheitern würde, wäre das für die ganze Region katastrophal", sagt Romeis und verweist auf die wortortnahe Unterbringung älterer Menschen und die Arbeitsplätze, die zum Teil erhalten bleiben (Haus Waldenfels) und zum Teil auch neu entstehen (Behinderten-Wohnheim).

"Die konkrete Prüfung muss noch erfolgen, die Mittel sind erst einmal nur geblockt", berichtet Romeis über den weiteren Weg. Für Marco Schäfer, Vorstand der landkreiseigenen Carl-von-Heß'schen Stiftung, ist das eine gute Nachricht, auch wenn die 300 000 Euro nur ein kleiner Teil des errechneten Mehraufwandes ist: "Es ist eine Super-Lage, aber vom Baugrund her sehr schwierig", fasst Schäfer die Voruntersuchungen zusammen. Auf 1,5 bis 1,8 Millionen Euro werde alleine der Mehraufwand auf Grund des Hanges geschätzt: "Diese Kosten- Situation hätten wir nicht, wenn wir auf der grünen Wiese bauen würden."

Auch deshalb ist die ursprüngliche Kostenschätzung von zehn bis zwölf Millionen Euro vom Januar auch längst hinfällig. "Wir liegen jetzt bei 16,9 Millionen Euro", berichtet Schäfer. Weil es in Hessen nach wie vor Zuschüsse für den Bau von Seniorenheimen gibt, während in Bayern der Landesplan Altenhilfe vor Jahren abgeschafft wurde, muss die Stiftung gut kalkulieren, um mit den neuen Heimen in Gersfeld oder Schlüchtern mithalten zu können. Deshalb wurden auch neben den Antrag über die Kommunale Allianz zwei weitere Förderanträge gestellt: Zum einen für den Bau der Wohnungen für Menschen mit Behinderung, zum anderen bei der Bayerischen Landesstiftung für das neue Konzept der Inklusion. "Wenn wir keine Zuschüsse bekommen, wird's schwierig", fasst Schäfer die Bedeutung der erhofften Zuschüsse zusammen.

Wie geht es jetzt weiter? Noch im September soll der Bauantrag eingereicht werden, dann müssten die Förderentscheidungen abgewartet werden. Geplant ist laut Schäfer ein Baubeginn im März, fertig sein soll das Großprojekt dann nach jetziger Planung Ende 2014. Danach wird entschieden, was mit dem heutigen "Waldenfels" passiert.