All dem Ärger zum Trotz, ein Verkauf der Bad Kissinger Eishalle ist nicht die Prioritäten-Lösung, die Alexander Kondrashov anstrebt. "Was die aktuelle Situation angeht, gibt es gewisse Unklarheiten zwischen der Eissport GmbH und den Kissinger Wölfen. Ein kritisch-negativer Punkt ist erreicht", sagt der ukrainische Geschäftsmann. Was sicher nicht übertrieben ist angesichts der Tatsache, dass die Parteien mehr über- anstatt miteinander reden. "In den nächsten 14 Tagen bin ich hier. Und bereit, mit maximalem Einsatz an einer Lösung zu arbeiten", betont Kondrashov im persönlichen Gespräch. Und bittet später noch in die Eishalle. Dass da von Seiten des Vereins mächtig gewerkelt wurde, ist auf den ersten Blick ersichtlich. Baustelle halt, nicht schön. Allerdings hatten sich die Kissinger Wölfe gegenüber dieser Zeitung bereits dergestalt geäußert, dass man sich binnen zwei Wochen in der Lage sehe, eine für den Spielbetrieb geeignete Halle zur Verfügung stellen zu können. Wenn man denn in die Halle dürfte, was den Verantwortlichen durch den Austausch der Schlösser und aufgrund diverser Hausverbote nicht möglich ist.

Einen Gutachter will Kondrashov zu Rate ziehen, um mögliche Schäden zu ermitteln. Und dem Verein in Rechnung zu stellen. Dass die Kissinger Wölfe den alten Pachtvertrag gekündigt und einen neuen nicht unterschrieben haben aufgrund der zu erwartenden Kosten, kann der Besitzer nicht nachvollziehen. "Ich habe dem Verein alle Möglichkeiten gegeben, um für Einnahmen zu sorgen. Andere Clubs wären froh, solche Bedingungen vorzufinden. Der Verein hatte praktisch freie Hand mit der Bestellung vom damaligen Vorstandsmitglied Ralph Kiesel zum Geschäftsführer der GmbH", sagt der Ukrainer. "Stattdessen ist die finanzielle Lage der GmbH mit Ende der Saison 2018/20190 schlechter geworden."

Inklusive Insolvenzantrag von Seiten der Stadtwerke Bad Kissingen. "Rechtlich-formal befinden wir uns noch in der vorläufigen Insolvenzverwaltung. Mit der Prüfung, ob ein Insolvenzgrund überhaupt vorliegt und die GmbH möglichen Verpflichtungen nachkommen kann. Das Zeitfenster in dieser Causa ist aber nicht unendlich offen zu halten", sagt mit Matthias Reinel der vorläufige Insolvenzverwalter. Eine Abwendung des Verfahrens sei laut Reinel jederzeit möglich, weil dieses immer einen dynamischen Charakter hat. Will heißen: sobald die GmbH wieder über finanzielle Mittel verfügt.

Unterschiedliche Aussagen

Dass der Verein ungeachtet des gekündigten Pachtvertrags Umbaumaßnahmen in Eigenregie durchführte, war aus Sicht des Hallenbesitzers ein neuerlicher Affront. Kondrashov bezeichnet es als unwahr, dass für den Einbau der neuen, von einem Sponsor gekauften, Bande eine Genehmigung seitens der GmbH erteilt worden wäre. "Doch, die hat der damalige Geschäftsführer Ralph Kiesel mit Wissen des Besitzers erteilt", hält Wölfe-Vorstand Michael Rosin dagegen. "Ich hatte seinerzeit die Information, dass der Verein die Bande gekauft hätte und dass diese in den Besitz der GmbH gehen würde", sagt der ebenfalls beim Gespräch mit anwesende Andreas Goerke, abberufener Geschäftsführer der GmbH, aber immer noch Vertrauter von Kondrashov. Goerke wirft den Vereinsverantwortlichen zudem vor, mit den Umbaumaßnahmen für "Müll" gesorgt zu haben, dessen unfachgemäße Lagerung sogar die öffentliche Sicherheit rund um die Halle gefährdet hätte. Diesbezüglich hätte es auch ein Schreiben der Stadt Bad Kissingen gegeben.

Ausweg aus Sackgasse gesucht

Um den gordischen Knoten zu lösen, lädt Kondrashov die Parteien zu einem runden Tisch ein, würde gerne dem Verein wieder die Schlüsselgewalt geben, wenn in der Halle alles in seinen ursprünglichen Zustand gebracht wird - und die ausstehenden Schulden bezahlt werden. "Momentan befinden wir uns in einer Sackgasse. Ich bin zu einem Gespräch auf sachlicher Ebene ohne Emotionen bereit. Aber ich fordere den Verein dazu auf, sich nicht aktiv um einen möglich Verkauf der Immobilie zu kümmern."

Gesprächsbereitschaft signalisiert auch Michael Rosin. "Wir sind die letzten, die Steine in den Weg legen. Ein neuer Vertrag muss für uns wirtschaftlich tragbar sein. Und wir müssen uns darauf verlassen, dass in der Halle alles funktioniert. Wir unterstützen den Betrieb vor Ort gerne mit Manpower." Eines wollte der Wölfe-Vorstand ebenfalls noch loswerden. "Der von Herrn Kondrashov in den Raum gestellte mögliche Verkauf der Eishalle war doch der eigentliche Grund, der zur Vertragskündigung geführt hat, um uns als Verein abzusichern."