Sie tragen so schöne Namen wie "Provia" und "Via Castello", doch welcher Stein-Typ einmal die Fußgängerzone zieren werden, darüber stimmte der Bauausschuss am Dienstag nicht ab. Wohl aber darüber, ob Natur- oder Betonwerkstein den Vorzug erhält. Die Antwort lautete: Sowohl als auch. Der Ausschuss sprach sich mit 6:5 Stimmen dafür aus, die großen Flächen wie Marktplatz, Untere und Obere Marktstraße, mit Naturstein zu pflastern. Die angrenzenden Gassen werden ein Betonwerkstein-Pflaster erhalten.

Zwar hatte sich einige Räte schon während einer Stadtratsfahrt zu verschiedenen Fußgängerzonen in Bayern und Thüringen ein Bild gemacht. Doch es war der Wunsch der Mehrheit, noch einmal ein paar Muster zu sehen. Diese waren am Dienstag in einer Halle der Kläranlage aufgebaut.

Naturstein hat unter anderem die Vorzüge, fester und langlebiger zu sein, sich besser reinigen zu lassen und optisch hochwertiger zu wirken. Der Kunststein ist vor allem in der Herstellung und damit im Einkauf billiger. Für die Fußgängerzone und die umgebenden Gassen würde das bei der Beschaffung rund eine Million Euro ausmachen.

Der kleine Unterschied?

Dass es einen optischen Unterschied zwischen Natur- und Kunststein gibt, bestritt unter anderem Dr. Herbert Schulze (Freie Wähler). Er sah keine Rechtfertigung für den teureren Naturstein. So sah es auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD).

Anders Klaudia Schick (CSU), die sich aus optischen Gründen für den Naturstein auf den Hauptflächen wie dem Marktplatz aussprach. Grünen-Stadtrat Richard Fix votierte für einen "Teppich" aus Naturstein auf dem Marktplatz, umgeben von den Betonsteinen.

Letztendlich wählte der Bauausschuss mit knapper Mehrheit die eingangs genannte Mischlösung. Die kommt bei der Anschaffung des Materials rund eine halbe Million Euro billiger als eine komplette Naturstein-Pflasterung.

Keine Chance für Asphalt

Keine Chance hatte zuvor Peter Krug (CSU), der schon aus Kostengründen der derzeitigen Interimslösung das Wort redete. Er könne sich nach wie vor gegliederte Asphaltbänder in Fahrbahnmitte vorstellen. "Da stolpert keiner, und sie sind rollstuhlgerecht," sagte Krug. Außerdem hätten viele Bürger den derzeitigen Ausbau für gut befunden. Wenn nach fünf Jahren größere Schäden auszumachen seien, dann werde einfach neu asphaltiert.

Mit dieser Einstellung hatte sich Peter Krug allerdings nicht durchsetzen können. Dr. Schulze kritisierte den dann möglichen Straßencharakter, der nicht zu einer Fußgängerzone passe, Stadtplaner Wolfgang Russ wies erneut auf die Empfindlichkeit des Asphalts vor allem in den heißen Sommermonaten hin.

OB Blankenburg gestand ein, sich ähnliche Gedanken wie Krug gemacht zu haben, bezweifelte jedoch, dass asphaltierte Abschnitte in der Fußgängerzone den Ansprüchen Bad Kissingens als Kurort gerecht würden. "Wir sollten von dem typischen Straßenmaterial absehen", sagte der Oberbürgermeister.