Aussage gegen Aussage stand es nach 90 Minuten am Bad Kissinger Amtsgericht, vor dem sich ein 23-jähriger Landkreisbewohner wegen Körperverletzung gleich in zwei Fällen zu verantworten hatte. Zur weiteren Klärung des Sachverhalts wurde die Verhandlung vertagt, zumal geladene Zeugen verhindert und die Verteidigerin noch am Verhandlungstag einen neuen Beweisaufnahmeantrag eingereicht hatte.
Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten vor, im Oktober 2016 in der Diskothek Look einen Gast mit einem Faustschlag ins Gesicht erheblich verletzt sowie im November im Bad Kissinger Bowlingcenter sich aggressiv verhalten und Widerstand gegen Polizeibeamte geleistet zu haben.
Der 23-Jährige schilderte den ersten Vorgang allerdings ganz anders und wollte sich im zweiten Fall wegen eines durch hohen Alkoholgenuss verursachten mehrstündigen "Filmrisses" an nichts erinnern können.


Streit mit der Freundin

Seiner Schilderung nach hatte er im Oktober auf der Raucherterrasse der Diskothek einen heftigen Streit mit seiner Freundin. Doch erst nach Einmischung von zwei jungen Männern sei es zu einer Rauferei gekommen, in deren Folge seine Freundin zu Boden gefallen sei. Daraufhin habe er einen der beiden Gäste vor die Brust gestoßen. Dies sei allerdings nicht der im Gesicht Verletzte gewesen. Trotz seiner mehr als zwei Promille könne er sich genau erinnern: Den Schwarzhaarigen vor sich habe er geschubst, der Blonde stand schräg dahinter.
Der blonde Student sagte als Zeuge allerdings genau das Gegenteil: Er habe die "junge Dame" fallen sehen. Erst daraufhin sei er zum Angeklagten gegangen und habe nachgefragt, "was denn los ist". Prompt habe ihn der 23-Jährige mit der Faust ins Gesicht geschlagen, wodurch er starke Prellungen erlitten und zwei Wochen Schmerzen gehabt habe. Diese Schilderung wurde vom Schwarzhaarigen im Zeugenstand bestätigt. Er habe sich dem Angeklagten erst nach dem Faustschlag genähert.
Ungewöhnlich aggressiv befragte die Verteidigerin beide jungen Männer im Zeugenstand im Versuch, sie in die Enge zu treiben. Die Richterin sah sich schließlich genötigt einzugreifen und die Verteidigerin zur Mäßigung aufzufordern.


Vom Bowling zur Ausnüchterung

Fast Satz für Satz wiederholte die Lebensgefährtin als Zeugin die Darstellung des Angeklagten. Die Richterin machte sie auf den offensichtlichen Widerspruch zu den anderen Aussagen aufmerksam: "Sie wissen, Sie dürfen nicht lügen." Als die Zeugin die Frage, ob sie sich mit ihrem Lebensgefährten abgesprochen habe, spontan verneinte, meinte die Richterin nur: "Das ist aber merkwürdig."
Auch im Bad Kissinger Bowlingcenter war der Angeklagte im November 2016 im Rahmen einer Weihnachtsfeier wieder stark alkoholisiert und als aggressiv aufgefallen, weshalb die Geschäftsleitung die Polizei alarmierte. Als die Beamten den Volltrunkenen in Gewahrsam nehmen und mit dem Dienstwagen in die Ausnüchterungszelle bringen wollten, leistete der Angeklagte Widerstand, musste sogar zu Boden gebracht und gefesselt werden. Immer wieder habe er nach Aussage des Polizisten gerufen: "Ich habe nichts gemacht."


Alkohol im Spiel

Die Bewährungshelferin, die den Angeklagten wegen anderer Delikte seit zwei Jahren betreut, gab eine positive Beurteilung ab. "Seit dem letzten Urteil im August 2016 hatte ich gedacht, es läuft alles gut."
Besonders hob sie hervor: "In allen Fällen war bisher immer Alkohol im Spiel." Damit bezog sie sich auf mehrfache Fälle von Körperverletzung, aber auch Fahren ohne Führerschein sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Auffällig in dieser Reihe war bei der Verlesung bisheriger Gerichtsverfahren das unerlaubte Führen einer Schusswaffe.
Da zur weiteren Klärung beider Sachverhalte noch die am Verhandlungstag verhinderten sowie die von der Verteidigung beantragten, zusätzlich vom Gericht einzubestellenden Zeugen befragt werden sollen, wurde die Verhandlung unterbrochen und wird am 8. August fortgesetzt.