Das Ehrenamt bescherte Dietmar Feist heuer einige Arbeit. "Auf den Zeitungsartikel im Januar gab es eine Riesenresonanz. Leute riefen bei mir an und boten mir Briefmarken an, zum Teil ganze Sammlungen. Andere stellten einfach einen Karton mit Marken vor die Tür", schildert der pensionierte Offizier den Ansturm. Es meldeten sich nicht nur Menschen aus dem Landkreis, sondern aus ganz Franken. Sie hatten im Internet über das ökumenische Briefmarkenteam in Hammelburg gelesen, das gespendete Marken verkauft und dern Erlös für wohltätige Zwecke zur Verfügung stellt.
Hierunter war eine Frau aus Wiesentheid bei Würzburg, deren Vater über 30 Jahre gesammelt hat. "Er war offenkundig kein Philatelist. Er hat die Marken nur vorsortiert in Schachteln und Briefumschläge gesteckt. Vielleicht wollte er sich im Alter dem Hobby intensiver widmen", spekuliert Dietmar Feist. Doch dazu kam es nicht mehr, er starb zuvor. Kinder und Enkel zeigten kein Interesse an der Sammlung, daher überließ seine Frau dieses Teil des Erbes dem Hammelburger Team.
"Insgesamt dürfte es ein Waschkorb voll gewesen sein", schätzt Dietmar Feist. Besonders wertvolle Exemplare waren nicht darunter, die Marken wurden als Kiloware im Internet angeboten. Für ein Kilo bieten Sammler bei Ebay zwischen fünf und acht Euro. 60 bis 70 Euro kamen so zusammen.
Deutlich mehr, nämlich rund 300 Euro, erzielte Feist mit den zehn großen Alben, die eine Frau aus Buttenheim in Oberfranken ihm schenkte. "Sie hatte die Sammlung schon von ihrem Vater geerbt und selbst über Jahre weiter gesammelt. Ihre Kinder konnten sich aber nicht dafür begeistern, das Hobby fortzuführen", bedauert Feist.
Er selbst hat von Kindesbeinen an begeistert Marken gesammelt und schon mit Schulkameraden auch während des Unterrichts unter der Schulbank getauscht. "Das ging dann nach dem Motto, ich gebe dir meine blaue und bekomme dafür deine rote Marke", erinnert er sich. Auch zu seiner guten Allgemeinbildung trug das Sammeln bei, sind doch auf den Marken berühmte Personen, Länder, Tiere oder geschichtliche Ereignisse abgebildet.

Altes Hobby, neue Trends

So alt wie die Philatelie ist, gibt es doch immer wieder Neuigkeiten. "In wohlhabenden Kreisen in China ist es im Moment chic, alle alten Marken aus dem eigenen Land zu sammeln", hat Dietmar Feist erfahren. Das führt dazu, dass sie bei der Suche auch auf den europäischen Märkten bereit sind, hohe Preise zu zahlen. Ein Album mit den Marken zur Fußballweltmeisterschaft 1974 in Deutschland hat Feist auch an einen Sammler in China verkauft. Eine Hammelburger Familie hatte ihm die Sammlung gegeben.
Dietmar Feist und seine Mitstreiter Arthur Hurrlein und Willi Stapper haben durch ihre Arbeit in den vergangen zehn Jahren viele Stammkunden gewonnen, die sich auch direkt bei dem Team melden. Die haben bisweilen recht exotische Sammelgebiete. Ein Kunde aus Berlin zum Beispiel hat sich auf Dauerserien der Bundesrepublik spezialisiert. Das sind gewöhnliche Marken, wie sie an allen Automaten gekauft werden können. "Jede fünfte dieser Marken auf großen Rollen hat eine Zählnummer auf der Rückseite. Und es gibt Sammler, die möglichst alle Nummern haben wollen", erklärt Feist.
Ein anderer Kunde aus Österreich hat einen ganzen Umzugskarton voller Marken erworben, insgesamt rund 25 Kilo schwer. Dafür zahlte er 130 Euro. Wie die Hammelburger vermarktet er die "Gezahnten" für einen sozialen Zweck, wozu er die Marken aber in kleinere Mengen aufteilt und weiterverkauft.
Nicht nur Marken, sondern komplette alte Briefe spendete ein Bewohner der Seniorenresidenz Burkardus Haus aus Bad Kissingen. Es gibt Sammler, für die der gesamte Umschlag mit Stempel interessant ist. "Bei der Feldpost während des Krieges zum Beispiel hatte jede Einheit eine eigene Nummer", erläutert Feist, der auch 2. Vorsitzender des Hammelburger Briefmarkenvereins ist. Auch der Verkauf dieser Umschläge brachte knapp 100 Euro für gute Zwecke.

Fünf Spenden zu je 250 Euro

Heuer erzielte das ökumenische Briefmarkenteam 1404,55 Euro. "Ein absoluter Rekord. Bisher war das beste Ergebnis 500 Euro", freut sich Dietmar Feist. Spenden von jeweils 250 Euro gingen an evangelische und katholische Kirchengemeinde, Hammelburger Tafel, Afrika-Hilfe Franken sowie die Weihnachtshilfe der Saale-Zeitung.
Das Briefmarken-Team sammelt Marken aller Art, aus dem In- und Ausland, bereits verwendet oder ungestempelt. Poststellen von Firmen, Verwaltungen und anderen Einrichtungen sowie Privatleute sind aufgerufen mitzumachen. Auf Wunsch kommen die Männer auch vor Ort und schneiden die Marken aus den Umschlägen heraus. Weitere Infos gibt es auch direkt bei Dietmar Feist unter Telefon 09732/ 4670.