von unserer Mitarbeiterin Stepahnie Elm

Bad Brückenau — Ein Ergebnis hatte Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks zwar nicht anvisiert, als sie zur Diskussion über die Zukunft des Brückenauer Kinos in die Klappe geladen hatte. Die Emotionen angesichts des plötzlichen Todes von Paul Löhmer seien noch sehr vorherrschend. Dennoch wurden erste "lose Ideen" aufgegriffen und ein erstes Ziel formuliert.
So viele Interessenten die Kneipe aufgesucht hatten, so viele Fragen und Ideen füllten den Raum: Könnte man Kino mit Gastronomie verbinden? Kann Kino mit Kleinkunst kombiniert werden? Wird ein Verein gegründet oder das Kino doch verpachtet? Die grundlegende Frage durchzog den gesamten Abend: Können mit der alten Technik weiter aktuelle Filme nach Bad Brückenau geholt werden? Und: Bleiben die Rhönlichtspiele ein Kino im üblichen Sinne - oder sollen sie zum Programmkino werden? Da Filme gemäß der Besucherzahlen verliehen werden, müssten diese erhöht werden. Weitere Frage: Schafft das ein Verein? Keinen Gewinnzwang den Verleihern gegenüber habe ein Programmkino. Hier das Problem: Ist das attraktiv genug?
Im technischen Bereich hat Holger Boller den totalen Überblick. Seit mehr als 20 Jahren kennt er das Kino "in- und auswendig", Paul Löhmer hatte ihn mit dem Metier vertraut gemacht. Seit Holger Boller 18 Jahre alt war, ging er Paul Löhmer bei Vorführungen zur Hand. "Ich würde es sofort machen", sagt Boller zu dem Problem, dass kaum jemand die Technik der alten Vorführgeräte beherrscht. Doch seine Arbeitsstelle bei den Kissinger Stadtwerken stehe dem im Weg. Langfristig habe das Kino nur eine Zukunft, wenn man es professionell betreibe.

Was die Verleiher nicht wollen


"Die Technik muss aktualisiert werden", sagt der Brückenauer. Aktuelle Filme seien so leichter vorzuführen, jedoch nicht alte Celluloid-Filme. Die Idee, neben den Blockbustern kleinere Liebhaberfilme laufen zu lassen, um ein größeres Publikum anzusprechen, stehe rechtlichen Schwierigkeiten und der räumlichen Enge im Kino gegenüber, in der ein zweites Vorführgerät keinen Platz finden würde. Die Verleihfirmen würden es zudem "gar nicht gerne sehen", wenn zu den Blockbustern ein Parallelprogramm liefe. Außerdem: "Den Celluloid-Film wird es irgendwann nicht mehr geben", sagt Holger Boller. Betriebswirtschaftlich sei das Brückenauer Kino "eher ein Minusgeschäft."
Theo Heurich, langjähriger Steuerberater der Familie Löhmer, sieht in den Brückenauer Rhönlichtspielen ein "perfektes Kino." "Es gab immer Erträge", sagt Heurich. Zwar müssten nun die Vorführgeräte digitalisiert werden, aber über Filmförderungen und sonstige Zuschüsse sei eine "vernünftige Finanzierung" erreichbar. Die wesentliche Frage sei momentan das "Wer" und "Wie", Rechtsformen stellte er hintan. Deutlich machte er, dass für die Weiterführung des Kinos eine entsprechende berufliche Qualifikation sowie Professionalität gefragt sei. "Das läuft nicht von selber." Langsam müssten die losen Ideen zum konkreten Konzept finden. Laut zweiter Bürgermeisterin Adelheid Zimmermann (FDP) müsse das Projekt Kino "entweder professionell" angegangen werden oder man müsse "es lassen".
Ähnlich nüchtern äußerte sich Wolfgang Seifert und brachte "ganz reelle Dinge" zur Sprache. Die Hälfte des Eintrittspreises lande beim Verleiher, der auch vorschreibe, wie lange ein aktueller Film laufen müsse. Als Kinobetreiber sei man gebunden, auch wenn kein Besucher käme. Seifert stellte die provokative Frage: "Warum sollten jetzt mehr Leute kommen?" und: "Müssen denn mehr kommen, um das Kino zu erhalten?" Jetzt müsse man anfangen, sich über die Wege und Ziele Klarheit zu verschaffen.
Spontan meldeten circa zehn Interessierte an, mit "Manpower und Zeit" ihr Engagement in die Zukunft des Kinos fließen zu lassen. Theo Heurich plädierte dafür, dass eine kleine Kerngruppe zusammen mit Carola Löhmer die verschiedenen Möglichkeiten besprechen müsse.
Ein zweiter Schritt sei die Klärung von finanziellen Details, erst dann habe man die Grundlage für ein Konzept.