"Man kann sich auf den Winter einfach nicht mehr verlassen. Er ist eine Herausforderung", sagt Georg Scheuring, Geschäftsführer des Bauernverbandes im Kreisverband Bad Kissingen. Er ist Landwirt im Landkreis Main-Spessart, wo der Winter ebenso Pause zu haben scheint. "Zieht man die paar Tage ab, an denen es gefroren hat, so ist der Winter in diesem Jahr eigentlich ausgefallen."
"Für die mechanische Wiederherstellung der Bodenstruktur ist der Frost sehr gut. Der Boden wird krümelig und lockerer, was die Frühjahrssaat begünstigt", erklärt Georg Scheuring vom Bauernverband. Dennoch ist ein kalter Winter ein zweischneidiges Schwert: "Milde Winter mit hohen Niederschlägen sind wiederum für den Wald sehr gut, da das Wasser dort in den Boden eindringen kann", erklärt Georg Scheuring.


Natur kann ausgleichen

Für den Ackerbau bedeutet dies allerdings, dass die Böden verdichtet werden, was hier nicht zu optimal ist. Schwierig werde es in jedem Fall, wenn es, wie in den vergangenen Tagen tagsüber warm und Nachts knackekalt ist: "Das ist weder gut für die Äcker noch für die Insekten".
Doch auch ein strenger Winter bringt große Probleme mit sich, vor allem, wenn kein Schnee liegt. Dann trocknet der Winterraps aus. Ist der Boden hingegen bei sehr kalten Temperaturen von Schnee bedeckt, wirkt das wie eine Isolation, sodass das in den Pflanzen gespeicherte Wasser nicht verdunsten kann. Optimal wäre deshalb auf den Feldern eine leichte Schneeauflage und für gewisse Zeit mäßiger Frost, der den Boden durchfrieren lässt. "Aber das Leben ist halt kein Ponyhof", sagt Scheuring und schmunzelt. Außerdem könne die Natur auch viel ausgleichen.


Tauwetter und Regen

So richtig zufrieden mit dem Winter ist auch Diethard Markert, stellvertretender Bauhofleiter von Münnerstadt, nicht. Zwar hat es immer wieder einmal geschneit, aber am nächsten Tag hat es gleich wieder getaut, was die Hochwasser-Gefahr erhöht hat - besonders auch deshalb, weil es gleich nach dem Schneefall wieder geregnet hat. "Wir hatten viel Arbeit mit dem Räumen und das, obwohl der Schnee gleich wieder wegtaute", sagt Markert.
Und zu tun hat man bei der Stadt Münnerstadt einiges: Je Einsatz sind 80 bis 100 Kilometer Straßen zu räumen und zu streuen, dabei sind ein Unimog und ein Traktor im Einsatz. Gegen einen Wintereinbruch ist man aber gefeit. "Wir können rund 200 Tonnen Salz lagern, derzeit wurden davon rund zwei Drittel verbraucht. Also alles im grünen Bereich", so Diethard Markert.
"Wenig Schnee, aber viel überfrierende Nässe" - das ist das Fazit von Jürgen Kober, der Leiter des Servicebetriebs Bad Kissingen ist. "Bisher ist der Winter ganz normal verlaufen". Seiner Statistik zufolge hat es bisher 21 Volleinsätze gegeben, das heißt, dass alle Strecken, die in den Plänen sind und die der Stadtrat abgesegnet hat, geräumt und gestreut werden. Davon ausgenommen seien die Seitenstraßen, die nur denn geräumt werden, wenn es mehr als zehn Zentimeter Schnee hat. Daneben hatte man zwölf Teileinsätze, wobei neuralgische Punkte wie Stege, Brücken oder andere Straßen und Wege geräumt wurden.
"Am 5. Februar wurden alle Strecken und auch die Seitenstraßen geräumt und gestreut, da hier Glatteis herrschte. Der Schnee schmolz durch die warmen Bodentemperaturen, über Nacht gab es dann Minusgrade, was zu einer extremen Eiskruste führte", so Kober. Das war gefährlich und hat gezeigt, dass man auch in einem milden Winter nicht vor Glatteis gefeit ist.


Öfter Einsatz am Morgen

Arnold Zier, Bauhofleiter von Hammelburg, sagt, dass der Winter bisher nicht übermäßig hart war: "In den letzten Tagen war es nachts meist recht kalt, dafür aber tagsüber warm". Dies führte dazu, dass der Bautrupp morgens öfter Einsatz hatte. Damit das alles reibungslos funktioniert, gibt es im städtischen Bauhof in Hammelburg zwei Gruppen, die sich mit der Bereitschaft abwechseln.
In diesem Winter hatte man allerdings einige Male mit Hochwasser zu kämpfen: "Das ist für uns schon ein erheblicher Aufwand", sagt Zier. Meistens vier Bauhofmitarbeiter seien dann unterwegs.
"Wir waren in diesem Jahr vor Überraschungen nicht gefeit: Wir hatten öfter Glatteis und die Warndienste waren heuer mit ihren Voraussage weniger verlässlich", lautete das Fazit des Bad Brückenauer Bauhofleiters Michael Krug. Weniger Schneeschieben - mehr Salzstreuen, so das Fazit. Besonders häufig habe es auch im Raum Bad Brückenau heuer Hochwasser gegeben.
"In dieser Form hatten wir das schon ein paar Jahre nicht mehr", so Krug. Das Hochwasser komme zwar schnell, dafür gehe es aber auch wieder schnell. Besonders durch den Starkregen kam es dabei zu Überschwemmungen, die auch Schäden an den Wegen verursachten.


Zugeparkte Gassen

Bei Schneefall ist man aber auch in Bad Brückenau gut gerüstet: mit einem Unimog, einem Kleinräumgerät und zwei Trupps vom Handräumdienst ist man dann im Einsatz. Ärger machen dabei immer wieder enge Gassen, die dann auch noch zugeparkt werden. "Wir haben schon Flyer herausgebracht, die die Anwohner darauf hinweisen, dass die Räumdienste rund 3,2 Meter Platz brauchen, um die Straßen vom Schnee zu befreien", sagt der Bauhofleiter. Außerdem bleibe man auch schon einmal an den Hecken hängen, die über die Straße hinaus wachsen. "Hier ist es Pflicht des Grundstückseigentümers, diese dementsprechend zu stutzen. Dann kommen auch wir ohne Probleme durch", sagt Krug.


Gefahr von Reifglätte

Vermehrte Einsätze hatte auch der Landkreis Bad Kissingen zu bewältigen, wie Lena Pfister von der Pressestelle des Landratsamt Bad Kissingen mitteilt: "Der Winter war bislang nicht sonderlich hart. Allerdings mussten dennoch viele Streu-Einsätze gefahren werden, da die Temperaturen häufig um den Gefrierpunkt liegen, was zu Reifglätte führen kann".