Zwei Jahre nach der Antragskonferenz in Bad Kissingen steht der nächste große Planungsschritt für die Südlink-Stromtrasse an: Die Netz-Betreiber Tennet und Transnet BW legen den einen Kilometer breiten Korridor fest, in dem das Erdkabel später verlegt wird. Mitten im aktuell vorgeschlagenen Korridor liegt der Aussiedler-Hof der Ramsthaler Familie Kaufmann. "Bis jetzt hat niemand mit uns geredet", ärgert sich Georg Kaufmann. Im Internet und aus der Zeitung habe er über die Planungen gelesen. Beim Info-Markt am Mittwoch, 8. Mai, in Oberthulba will die Familie nun weitere Details erfragen.

"Die betroffenen Bürgermeister sind alle vor Ort", kündigt der Maßbacher Bürgermeister Matthias Klement (CSU) an. Er hat im Sommer den Vorsitz des Vereins "Rhönlink" übernommen, in dem sich fünf Bürgerinitiativen, die Kommunen und der Landkreis zusammengeschlossen haben. Sein Vorgänger war der Mottener Bürgermeister Jochen Vogel (CSU), der auch nach Oberthulba fährt, obwohl die favorisierte Trasse jetzt entlang der A 71 verläuft. Er erwarte ganz andere Info-Märkte als noch zum Auftakt der Planungen 2014: "Tennet hat dazu gelernt, die sind jetzt viel weiter im Detail."

"Wir brauchen Südlink nicht"

"Bei uns ist es schwierig, die Mitglieder wachsam zu halten", berichtet Reiner Morshäuser von der Bürgerinitiative Schondra. "Ich bin immer noch der Meinung, dass wir Südlink überhaupt nicht brauchen", gibt er sich dennoch kämpferisch. Zudem stehe noch die 380-Kilovolt-Wechselstrom-Trasse P 43 mitten durch den Landkreis im Raum. Deshalb ist Morshäuser überrascht, dass es entlang der favorisierten Trasse in Münnerstadt, Rannungen, Oerlenbach, Ramsthal und Sulzthal keine Proteste gibt "Wir haben unsere Unterstützung angeboten, aber es gab keine Nachfragen."

"Ich will die Trasse nicht unbedingt, aber es ist von der Bundesregierung halt so beschlossen worden", kommentiert der Oerlenbacher Bürgermeister Franz Kuhn (CSU) Südlink. Bis jetzt sei es ruhig in der Bevölkerung, obwohl sich bei Oerlenbach die Stammstrecke sogar in die zwei Äste nach Großgartach und nach Grafenrheinfeld gabelt.

"Woanders ist der Widerstand größer", fasst Thomas Schoenwald vom Landratsamt Bad Kissingen die Lage zusammen: Im Norden habe sich die Vorschlagstrasse auf rund 60 Prozent der Länge geändert. Dort seien plötzlich viele neue Kommunen betroffen. Der Kreis Bad Kissingen engagiert sich im Hamelner Bündnis, das auch bei den Info-Märkten vertreten ist: "Wer sich von Tennet überfrachtet fühlt, kann sich bei uns informieren", betont Schoenwald. Anwaltskanzlei, Planer und Mitarbeiter des Landratsamtes seien vor Ort.

Die Bürgerinitiative "A7 Stromtrasse Nein" hat mittlerweile ihren Fokus auf Grafen- und Bergrheinfeld gelegt. Weshalb es nördlich von Wasserlosen so ruhig ist, kann Vorsitzende Hildegard Beyfuß nur vermuten: "Ich denke, vielen ist noch nicht bewusst, was auf uns zukommt." Für Dienstag sei in Grafenrheinfeld eine Demonstration und ein Traktor-Konvoi geplant, sagt Beyfuß, und: "Von Oberthulba habe ich nichts in der Richtung gehört."

Ablauf Der öffentliche Teil der Info-Märkte ist jeweils von 16 bis 19 Uhr angesetzt. Vorab informieren die Tennet-Experten Vertreter der Kommunen.

Termine Für den Landkreis Schweinfurt findet der Info-Markt am Dienstag, 7. Mai, in der

Kulturhalle Grafenrheinfeld statt, für den Landkreis Bad Kissingen am Mittwoch, 8. Mai, in der Mehrzweckhalle Oberthulba, für den Wartburgkreis am Donnerstag, 9. Mai, im Solewerk-Hotel Bad Salzungen, für den Landkreis Schmalkalden-Meiningen am Dienstag, 14. Mai, im Bürgerhaus Werra-Aue in Schmalkalden, für den Main-Kinzig-Kreis am Mittwoch, 15. Mai, in der Mehrzweckhalle Sterbfritz sowie für den Landkreis Landkreis Rhön-Grabfeld am Donnerstag, 16. Mai, in der Stadthalle Bad Neustadt. Danach geht es weiter Richtung Norddeutschland.

Info Alle Unterlagen für den Antrag nach Paragraph 8 des Netzausbaubeschleunigungsgesetzes können bereits vorab unter suedlink.tennet.eu und transnetbw.de/suedlink eingesehen werden.rr