Ein alter Brief steckt in einer Plastikhülle. Dabei liegen getrocknete Blumen. Beides ist über 70 Jahre alt. Der Brief ist einer von insgesamt rund 47 700, die Erich Fries seit Jahren sammelt. Viele davon sind aus dem Zweiten Weltkrieg. Geschrieben von Soldaten an ihre Ehefrauen, Eltern und Verwandten oder umgekehrt von zu Hause an die Front. Viele davon kamen gar nicht bei den Soldaten an - viele kamen zu spät.

Erich Fries aus Großwenkheim hat ein aufwendiges Hobby. Tausende Stunden hat er schon damit verbracht, Feldpostbriefe zu kaufen, zu sichten, zu archivieren und Recherchen anzustellen. "Die 50 000 will ich noch vollmachen, dann höre ich auf", sagt er.

Angefangen hat es, als der Burglaurer nach Großwenkheim heiratete. 150 Feldpostbriefe waren im Familienbesitz seiner Frau. Das war der Grundstock. Eigentlich ist er Briefmarkensammler. Als 2. Vorsitzender des Briefmarkenverein Bad Neustadt kommt er auf viele Tauschbörsen, "zehn bis 15 im Jahr". Dort hat er so manchen Brief entdeckt. Doch ein großer Teil wird online bei e-bay ersteigert. Da kann es schon mal vorkommen, dass er 1000 Stück auf einen Schlag ergattert.

Seit 20 Jahren hat er fleißig gesammelt. Nachdem er seit drei Jahren im Vorruhestand und nun in Rente ist, hat er jetzt Zeit, seine Sammlung zu sortieren. "Manchmal sitze ich bis nachts um halb eins am PC", sagt er.
Die Briefe kosten zum Beispiel aus dem Ersten Weltkrieg 25 bis 50 Cent pro Beleg, aus dem Zweiten Weltkrieg 50 Cent bis einem Euro. Wenn die Briefe aus Norwegen, Afrika oder Stalingrad kommen, steigt der Preis. Bis zu 50 Euro kann ein solcher Brief aus Stalingrad kosten. Auch ganz alte Feldpost von 1600 bis 1700 hat er.


In Ordnern und Kartons

Nicht alle kann er archivieren und nachrecherchieren. "Die Rosinen zieh ich mir heraus und klebe sie auf ein DIN A4 Blatt", sagt er. Die kommen in Ordner. Der Rest wird in Kartons aufbewahrt. Von den alten Briefen sind etwa 50 bis 70 Prozent mit Inhalten. Jedoch sind einige in alter Schrift und kaum zu entziffern.

Von zwei Soldaten hat er den kompletten Briefwechsel aus dem Zweiten Weltkrieg: Walter Kicherer auch Kirchheim und Oskar Brunn aus Würzburg. Von Walter Kicherer hat er sogar ein Buch gemacht. Zum Recherchieren hat er ein kleines unscheinbares Buch in dem nur Tabellen mit Zahlen und für Laien seltsamen Abkürzungen abgedruckt sind. Dies ist jedoch sein wichtigstes Buch. Auf der Feldpost stehen Zahlen. In dem Buch kann er zum Beispiel nachsehen von welcher Einheit der Brief verschickt wurde. Fries gibt sich nicht mit dem Brief an sich zufrieden, er recherchiert, woher der Brief kam, wo der Soldat sich da gerade befand, etc. Hat er einen kompletten Briefwechsel, zeichnet er auf Karten den Weg des Soldaten ein. "Es ist faszinierend, wenn man in die Tiefe einsteigt", sagt er.

Fries hat noch 30 weitere Briefe von Soldaten, die im Krieg in Norwegen waren, alle mit getrockneten Blumen für die Ehefrau in Deutschland.

Öffnungszeiten Die Ausstellung der Feldpostbriefe mit Stalingradbezug ist am Samstag, 26. und Sonntag, 27. Januar, jeweils von 9 bis 16 Uhr im Rathaussaal, Marktplatz 1 in Münnerstadt zu sehen.

Der Eintritt ist frei. Es wird um Spenden für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. gebeten. Kaffee und Kuchen werden angeboten.