Es ist kalt, eisig kalt. Eine dünne Schneeschicht hat sich über die Landschaft ausgebreitet und eine fast unheimliche Stille herrscht, wäre da nicht das Brummen von Lkw, das Surren von Notstromaggregaten, das Gegeneinanderschlagen von Metallgegenständen und vereinzelte, ebenfalls fast leise gesprochene Kommandos. "Die Schweinepest hat auch den Landkreis Bad Kissingen erreicht und alle Tiere des betroffenen Schweinemastbetriebes müssen gekeult werden", so lautet die Ausgangslage für das Technische Hilfswerk (THW) und die örtlichen Feuerwehren.
Was vor exakt zehn Jahren beim "Gänswürger", einer Übung in Westheim, durchgespielt wurde, wiederholt sich nun auf dem Hundeübungsplatz in Reiterswiesen, der den verseuchten Mastbetrieb darstellt. Schweine oder Hunde sind an diesem Tag keine da, nur rund 40 Helfer vom THW und den drei beteiligten Wehren aus Reiterswiesen, Arnshausen und Maßbach, das mit dem Dekontaminierungszug angerückt ist. Um neun Uhr sind die ersten Einheiten aus Maßbach und das THW angerückt. "Dekontaminierung, also Entgiftung, von Personen und Material", lautet der Einsatzbefehl, wobei das THW Material, speziell Fahrzeuge reinigen soll. Die Maßbacher Wehr hat die standardmäßige Ausrüstung zur Personenreinigung. Dazu gehören unter anderem zwei aufblasbare und beheizte Zelte, in denen Personen und Kleingeräte mit Warmwasser abgeduscht werden können. In einem Kreislauf wird dieses Waschwasser aufgefangen, grob gereinigt und wiederverwendet, bevor es in speziellen Containern landet und von Fachfirmen entsorgt wird.
Was hier im kleinen mit Personen geschieht, soll das THW für Fahrzeuge einige Nummern größer installieren, allerdings ohne Warmwasser und Zelte. Statt eines Zeltes wird, damit das verunreinigte Brauchwasser gesammelt werden kann, ein Baugerüst aufgebaut und mit Planen abgehängt. Bis die Planen an beiden Seiten jedoch hängen, vergeht bei dem vorherrschenden Ostwind eine geraume Zeit. Eine fast tausend Meter lange Schlauchleitung wird vom Reiterswiesener Ortsrand zum Hundezüchterplatz gelegt. Da sich der Kampf mit den wehenden, haushohen Planen hinzieht, friert erst einmal der gesetzte Hydrant ein. Die Feuerwehren Reiterswiesen und Arnshausen, die mit drei Pumpen für die Wasserversorgung zuständig sind, führen einen Kampf gegen Schnee, Eis und Kälte, denn auch "oben, am verseuchten Hof" lassen sich die verwendeten Planen nur schwer bändigen.
"All das eingesetzte Material zur Dekontaminierung haben wir uns selbst zusammengestellt, es gehört zur ÖGA, zur örtlichen Gefahrenabwehr , und ist somit nicht standardmäßig", erklärt Helmut Rink, der ehemalige Ortsvorsitzende des Kreisverbandes. "Als Einheit des Bundes solle sich der Zivilschutz, also auch das THW, Gedanken machen, wie wir nach Ausbruch der Schweinpest vorgehen können", so der Auftrag von oben, erläutert er die Ausgangssituation.
Als dann, gut drei Stunden nach Übungsbeginn, bis zur Lkw-Dekontamination "Wasser Marsch" gegeben werden kann, frieren zunächst einige dünnere Schläuche, die zur Berieselungsanlage führen, ein oder ziehen Luft. Weil aber nun schon einmal Wasser auf der Hauptleitung ist, muss es bei diesen Temperaturen auch ununterbrochen weiterfließen, da sonst die metallenen Armaturen von Hydrant oder Verteiler wieder vereisen würden. Kurz nach Mittag steht dann die mobile "Lkw-Waschanlage" und lockt sogar jene hervor, die sich bislang am einzigen warmen und beheizten Platz, im orangeroten Umkleidezelt des Maßbacher Deco-Zuges aufgehalten haben. Aufmerksame Besucher der Übung von Zugführer Domik Fichte (THW) und Löschmeister Philipp Kiesel (FW Reiterswiesen) waren auch Kreisbrandinspektor Harald Albert, die zuständigen Fachkreisbrandmeister und vom Landratsamt Denny Heinzmann (öffentliche Sicherheit und Katastrophenschutz), sowie Dr. Thomas Koy, der zuständige Amtstierarzt vom Landratsamt.