Der Bad Kissinger Kabaretthebst startete mit einem unterhaltsamen Michael Altinger. Mit seinem Programm "Das Ende vom Ich" lockte er an die 350 Gäste in das Kurtheater. 100 Minuten lang kalauerte, musizierte und schauspielerte er sich durch eine Anzahl von Stichwörtern, wobei er den humoristischen Lack ankratzte, allerdings selten den tiefer sitzenden Knackpunkt erreichte.

Der Komödiant zelebrierte mit seiner Band (Martin Julius Faber an Gitarre und Keyboard) ein hyperaktives "Stichwörter-Hüpfen", wobei die Band noch den ruhigen, ausgewogenen Teil übernahm und damit auch Michael Altinger das eine oder andere Mal seine Mitte finden ließ.

In Jeans und schwarzen Hemd schlüpfte er aus dem dunkelroten Vorhang, um mit brasilianischen Rhythmen und der Frage "Wer hat die Karte als Geburtstagsgeschenk bekommen?" für Stimmung zu sorgen. "Altinger statt Weber-Grill" lautete das von ihm kommentierte Ergebnis dieser repräsentativen Umfrage. Er fragt nach: "Fühlen Sie sich jetgzt verarscht, weil eigentlich ihre Frau ins Kabarett wollte?".

Possenreißer aus Niederbayern

Der Possenreißer aus Niederbayern lebt von Kalauern, die er mit Situationen verbindet, die jeder kennt. Da geht es um seine "Witz-Phobie", die er mit einem missglückt-verdrehten Beispiel und mit beredter Mimik dokumentiert, oder um die Familienfeier, deren Stimmung man mit Kommentaren zu Alter und Tod in den Boden treten kann, oder um Sex jenseits der Lebensmitte, den man unter Sport verbucht ("Diät-Schnackseln") und sich anschließend auf die Waage stellt. Altinger zielt auf schnelle Lacher, die ansatzlos aus dem Bauch, vom Zwerchfell kommen, ohne dass das Gehirn eingeschaltet sein muss.

Gelegentlich geht es auch tiefer. So wenn er sich über die Agenturen auslässt, die im Fernsehen und im Internet den richtigen Partner fürs Leben suchen und dabei so viel von sich preisgeben, "dass das Internet mehr über den Menschen weiß, als dieser selbst". Mit diesen Agenturen verbindet er auch seinen Programmtitel: Sie halten das Leben von einem ab und damit beginnt "Das Ende vom Ich".

Aus dem Herzen vieler schimpft er über den Abitur-Stress, der in der vierten Klasse der Grundschule beginnt und der in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft mündet: Abitur oder Depp. Auch die Parodie vom "Moment-Schlaf für überflüssige Momente" ist ein Highlight. Jeder kennt die Geschichten, die man nicht braucht und wo selbst die Zeit denkt: "Hoffentlich vergeh ich bald." Bei manchem Sketch hat man einen ähnlichen Gedanken, so wenn es um das Brettspiel "Fang den Hund, du Sau" geht, dessen Inhalt unerklärlich ist und das er mit befreundeten Ehepaaren spielt .

Vieles deklariert Altinger augenzwinkernd als selbst erlebt. So wenn er von seiner ungewollten Wasabi-Verkostung erzählt, die ihm die Tränen bis in die Ohrmuscheln treibt und "die Rosette nach Luft schnappt". Altingers "Zwangs-Humors" verfehlt dann nicht seine Wirkung auf die Zuschauer - vor allem deshalb, weil er die Situationen mit Gestik darstellt.

Meister der sanften Töne

Auch die Zoogeschichte von der Model-Mami und ihrem "Fabienne" ist eine Story, die schnell Bilder im Kopf entstehen lässt und die Altinger wortgewaltig ausschmückt. Als Meister der sanften Töne gibt er sich mit den Gesangsstücken, die er mit seinem langjährigen Partner Faber inszeniert - vor allem beim dramaturgischem Ende des Abends, der in wohltuender Stille schließt und in nachklingenden Worte Altingers übergeht.

Den Gästen gefiel die sprunghafte Art Altingers, der Szenen- und Schlussapplaus bewiesen dies. Doch so manches war nicht nachvollziehbar, zu oberflächlich, ohne roten Faden, auch wenn Wiedererkennungseffekte eingebaut waren - Comedy halt. Und weniger Kabarett.