41 Geschäfte, Cafés und Restaurants zieren die Ludwigstraße von der Sparkasse bis zum Kino. Das ist eine starke Bilanz für eine ausgesprochen kleine Kleinstadt, wie Bad Brückenau eine ist. Natürlich sticht der Leerstand in der Innenstadt ins Auge. Besonders hart hat es Bad Brückenau getroffen, als durch die Schlecker-Pleite im Sommer die Filialen von Ihr Platz und Schlecker XL schließen mussten. Damit verlor die Region ihre beiden letzten Drogerie-Märkte. Das war ein herber Verlust.

Edoos Fashion zieht in die Ludwigstraße

Alles in allem steht Bad Brückenau aber noch ganz gut da. "Keiner hat pleite ge macht", kommentiert Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) stolz. Au ßer Schlecker natürlich, aber dafür könne man ja nichts. Mittlerweile ist das Modegeschäft NKD in die Schlecker XL-Filiale gezogen. "Für NKD ist das natürlich toll. Die haben ihre Verkaufsfläche verdoppelt", sagt Meyerdierks. Der Leerstand in der Bahnhofsstraße ist also behoben. Dafür sind die Schaufenster in der Ludwigstraße, wo NKD früher war, mit braunem Packpapier abgeklebt. Es ist die siebte leere Schaufensterfront in der Ludwigstraße. Aber bald schon wird es eine weniger sein ...

Auch die Schaufenster des ehemaligen Tattoo Studios neben dem griechischen Restaurant sind abgeklebt. Aber hinter der Folie brennt Licht. Hier wird mit Hochdruck renoviert, denn am Montag, 12. November, zieht das Modegeschäft Edoos Fashion von der Judengasse in die Ludwigstraße. "Es ist ein bisschen grö ßer", begründet Eigentümer Pietro Cerbone den Standortwechsel. Die Neu-Eröffnung musste schon zweimal ver schoben werden. Diesmal zeigt sich Cerbone aber zuversichtlich, dass alles rechtzeitig fertig wird.

Mäc-Geiz kommt, Sanitätshaus Bader geht

Und noch für ein weiteres leeres Schaufenster sieht es gut aus. Ende Oktober hat der Non-Food Discounter Mäc-Geiz angekündigt, die ehemalige Ihr-Platz Filiale zu übernehmen. Laut Auskunft der Pressestelle sei die Eröffnung aber erst für 2013 geplant. Mäc-Geiz ist eine Tochtergesellschaft der österreichischen Handelsgruppe MTH Retail Group und führt im Sortiment nach eigenen Angaben Haushaltswaren, Reiniger, Drogerie- und Kosmetikartikel, Heimwerkerbedarf, Spielwaren und Tiernahrung.

Aber es gibt auch eine schlechte Nachricht. Das Sanitätshaus Bader wird zum Ende des Jahres schließen. "Wir haben seit Jahren gekämpft", sagt Maria-Theresia Bader. Zusammen mit ihrem Mann Hans leitet sie das Stammgeschäft in Ge münden am Main. Die Filiale in Bad Brückenau besteht seit 20 Jahren. Am 12. Dezember wird das Geschäft zum letzten Mal geöffnet sein. "Unsere Kunden werden von Gemünden aus weiterversorgt", versichert Maria-Theresia Bader. Über die Gründe, warum die Baders ihre Filiale in Bad Brückenau aufgeben, hält sich die Geschäftsführerin bedeckt.
"Da gibt es viele." Eine davon sei die so genannte Kostenreform des Gesundheitssystems, die die Zahl der Kurgäste spürbar reduzierte. Nach 20 Jahren falle das Aufhören schwer. "Da hängt viel Herzblut dran", versichert Bader und in ihrer Stimme schwingt deutlich Bedauern mit. Aber auch Erleichterung, dass die Entscheidung endlich gefallen ist.

Bei Mode Assmann laufen Verhandlungen

Erst vor Kurzem hat das Forum den Leerstand in einer Mitgliederversammlung zum Thema gemacht. "Jeder Leerstand ist schlechter, als eine Mäc-Geiz-Filiale hier bei uns zu haben", begrüßt Adolf Dörlinger, Vorsitzender des Fo rums Bad Brückenau, die Übernahme. Es sei ein Trend der Zeit, dass Geschäfte aus dem Billig-Sortiment-Be reich auch Kleinstädte erobern. "Wir müssen uns dieser Situation stellen." Deshalb steht die Überlegung im Raum, das Problem professionell durch gezieltes Laden-Leerstands-Management an zugehen. "Das wird im nächsten Jahr konkret", blickt Dörflinger in dieZukunft.

Bis dahin ist vielleicht ein weiterer Leerstand in der Ludwigstraße behoben. Für das ehemalige Modegeschäft Ass mann laufen Verhandlungen, verrät Hermann Knüttel. "Ob das was wird, wissen wir erst, wenn die Unterschrift unter dem Mietvertrag ist", hält Knüttel noch hinter den Berg. Nur so viel: Auf die Frage, ob der Neue denn eine Bereicherung für die Ludwigstraße sei, kommt promt ein überzeugtes "Ja - unbedingt!". Man darf also gespannt sein.