Harald Müller (Name von der Redaktion geändert) ist Privatdetektiv. Das Spezialgebiet des 52-Jährigen aus dem Landkreis Main-Spessart sind Ladendiebe, in Franken und Hessen ist er dafür unterwegs. Keiner meldet der Bad Kissinger Polizei derzeit mehr Ladendiebe - und die waren in den vergangenen Monaten besonders hochbetagt.
"Ich hatte mehr Senioren als in der Vergangenheit", berichtet Müller. Stefan Haschke, Leiter der Polizeiinspektion Bad Kis singen, sieht das schwarz auf weiß in der Statistik: "Im Jahr 2012 lagen wir mit 13,9 Prozent Dieben ab 60 Jahre noch unter dem Landesschnitt, heuer hatten wir dagegen bis jetzt an die 30 Prozent Senioren."


Häufigstes Delikt bei Senioren
Woran diese Zunahme im Einzelnen liegen könnte, darüber macht die Statistik keine Angaben. "Diebstähle sind typisch für Kinder, Jugendliche und weibliche Senioren", weiß der Polizei-Chef. Und: "Bei 60 Jahren und älter ist der Ladendiebstahl sogar das häufigste Delikt, schließlich sind Senioren ja zum Beispiel keine Schläger mehr." 2011 registrierte die Polizei 21 490 Tatverdächtige in Bayern, davon wurde 4814 Personen (15,1 Prozent) Ladendiebstahl vorgeworfen.

88 Jahre alt war die älteste Diebin heuer. "Die Senilität ist oft eine Ursache, da packt jemand einfach was ein, ohne es zu bezahlen", weiß Haschke, aber: "Grundsätzlich wird alles, was uns bekannt wird, zur Anzeige gebracht", gebe es kein Pardon. Senioren sind laut Haschke meist keine Wiederholungstäter: "Das Schamgefühl ist oft noch sehr ausgeprägt, die wenigsten kommen uns erneut unter", sagt der Leiter der Bad Kissinger Polizei. Viele Senioren würden ihre Taten aber auch rechtfertigen: "Meine Rente ist zu klein", würden seine Kollegen oft hören, oder: "Die Kette hat eh genug Geld." Viele Senioren würden sich einreden, ein Recht zum Klauen zu haben: "Da ist die Hemmschwelle dann relativ gering", sagt Haschke.
 
 


Diese Erfahrungen macht auch Detektiv Müller: "Das Schamgefühl ist bei Jugendlichen und bei Älteren ziemlich hoch", sagt er. Bei den Jugendlichen, weil sie von den Eltern abgeholt werden müssen, bei den Senioren, weil sie oft noch so erzogen worden seien. Andererseits gebe es aber auch die, die nach dem Krieg darauf angewiesen waren, sich ihre Lebensmittel zusammenzuklauen.

Und dann seien da noch die ganz Unverschämten: Einmal habe er einen Rollstuhlfahrer erwischt, der sich auffällig verhalten und ständig in seinen Rückspiegel geschaut habe. Nach der Kasse habe der Senior dann versucht, ihn mit seinem Rollstuhl regelrecht umzufahren. Das sei kein Einzelfall: "Von Älteren muss ich mir viel öfter Beschimpfungen anhören."

"Zu 80 Prozent war's natürlich ein Versehen", kennt Müller die typische Ausrede von Senioren. Trotzdem holt der Detektiv immer dann die Polizei, wenn sich der Diebstahl nach Verlassen des Kassenbereichs bestätigt. Sein Tipp für Senioren, damit es gar nicht erst zum Versehen kommen kann: "Am besten sollte man gar keine privaten Behältnisse mit in den Markt nehmen und nichts einstecken, dann ist man an der Kasse auf der sicheren Seite."