von unserem Redaktionsmitglied 
Thomas Ahnert

Garitz — "Lass es los", sang die Schulband der Henneberg-Grundschule von der Bühne in der Garitzer Turnhalle. Aber es war kein Befehl, sondern ein Tipp an Hannelore Bauer, die Rektorin der Schule, die in den Ruhestand verabschiedet wurde. Es war eine kurzweilige, phantasievolle, von großer Sympathie geprägte Feier, mit der die Kolleginnen und Kollegen ihre Chefin in das Privatleben entließen.
Hannelore Bauer wollte eigentlich Medizin studieren. Aber als sie nach ihrer Schulzeit an der Anton-Kliegl-Grundschule und bei den Englischen Fräulein 1967 ihr Abitur abgelegt hatte, zog es sie doch in die Pädagogik. Von 1967 bis 1970 studierte sie in Würzburg an der Pädagogischen Hochschule und war dann ein Jahr an der Grundschule Burkardroth-Lauter, bevor sie in ihre Heimat nach Garitz zurückkehrte. Als aber die Konrektorenstelle in Lauter ausgeschrieben war, meldete sie sich und übernahm dann 1999 die Leitung der Schule. Aber als 2004 Rektor Alfred Wacker in Garitz in den Ruhestand ging, meldete sie sich zurück - "an eine schwierige Schule", wie Schulrat Josef Hammerl betonte. Denn eine Schule mit drei Standorten ist nicht einfach zu managen.
Und sie drehte eine Ehrenrunde. Eigentlich hätte sich Hannelore Bauer schon vor einem Jahr verabschieden können. Aber als sich bei der Stellenausschreibung niemand meldete, legte sie noch ein Jahr drauf: "Ich bringe es nicht über das Herz, meine Schule in dieser Situation alleine zu lassen", sagte sie damals zu Hammerl: "Das zeigte ihre starke emotionale Bindung an die Schule. Und es war eine sehr bemerkenswerte Entscheidung, denn Lebenszeit ist ein wertvolles Gut."

Viel Neues ist entstanden

Von der "Triebfeder Beruf" sprach Hammerl, der Hannelore im Umgang mit der Jugend auch selbst jung gehalten habe. Aber er sprach auch von der Freude über das bevorstehende Leben in Unabhängigkeit. In den Jahren, in denen sie die Henneberg-Schule geleitet habe, sei viel Neues entstanden und ausprobiert worden. Bei der Umsetzung von Theorien in die Praxis sei sie immer vorausgegangen, nicht immer - zunächst - zur Begeisterung des Kollegiums. Hammerl nannte die Einführung von Projektwochen, die Gründung des Fördervereins, die Etablierung von Ganztagesklassen und Mittagsbetreuung und mehr. Mit Verstand, Weitsicht und klaren Zielen habe sie ihr Ideal von Schule gelebt.
Auch die anderen Redner sprachen von der Kompetenz, Innovationskraft und Offenheit der scheidenden Rektorin. Oberbürgermeister Kay Blankenburg etwa schätzte sie als harte, aber freundliche Verhandlungspartnerin. Birgit Hock stellte fest, dass "Fürsorgepflicht für Hannelore Bauer auch gegenüber den Kollegen ein wichtiger Begriff gewesen sei, und sie versprach: Wir werden in vielen Bereichen den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Im Namen des Teams überreichte sie einen Gutschein für eine Hamburg-Reise und als Symbol einen Trolley mit jeder Menge Traumziele.
Die so Geehrte machte es launig-kurz: "Ich bin dankbar, dass ich diese schöne Zeit hatte: viel Arbeit, aber auch viel Gestaltungsfreiheit." Die 44 Jahre an der Schule habe sie unbeschadet überstanden dank der guten Unterstützungssysteme Familie und Kollegen an allen Stellen. Ihre Motivation sei immer gewesen: "Ich höre gerne Kinderlachen, aber ich habe auch schon mal geschimpft."
"Jeder Fluss fließt mal ins Meer rein", sang zum Schluss der Projektchor aus Schülern, Lehrern und allen, die für Hannelore Bauer noch einmal singen wollten. Sie wird nicht darin verschwinden. Mit ihrem neuen Trolley fällt sie auf.