Zu wenig Personal, zu viele Überstunden, immense Hygienemängel. Vor kurzem hat eine TV-Dokumentation öffentlichkeitswirksam über Missstände in drei deutschen Krankenhäusern berichtet, wobei zwei davon dem großen privaten Klinikbetreiber Helios angehören. Pia Osterhaus, Reporterin für das "Team Wallraff" schleuste sich als Pflegepraktikantin im städtischen Klinikum Harlaching (München), sowie den Horst-Schmidt-Kliniken (Wiesbaden) und im Klinikum Berlin-Buch ein. Sie berichtete unter anderem von gravierenden Hygienemängeln, etwa von verdreckten Gängen und blutigen Arbeitsmaterialien, die in einer Klinik auf dem Boden lagen.


Kein Imageschaden befürchtet

Im Landkreis Bad Kissingen befinden sich zwei Kliniken in der Trägerschaft von Helios. Das St.-Elisabeth-Krankenhaus und die Ortho-Clinic Hammelburg gehören zu den 38 Häusern, die das Unternehmen vor zwei Jahren von Rhön Klinikum übernommen hatte. Beide Einrichtungen befürchten durch die Reportage allerdings keinen Imageschaden. "Sauberkeit und Hygiene sind bei uns auf hohem Niveau, davon können sich auch Angehörige und Besucher selbst überzeugen", betont Pressesprecher Ingo Mack. Die Mitarbeiter der Kliniken werden seit dem Fernsehbeitrag nicht häufiger als sonst auf die Themen Hygiene und Sauberkeit angesprochen. "In den letzten Jahren ist bei den Patienten ohnehin ein deutlich höheres Hygienebewusstsein spürbar", sagt er.


Angekündigte Kontrollen

Wer ist in Sachen Krankenhaushygiene hier im Landkreis verantwortlich? Wie oft wird kontrolliert und wer ist dafür zuständig? Dr. Ingo Baumgart, Leiter des Gesundheitsamtes, beruhigt vornweg: Bislang wurde in hiesigen Kliniken "keine großen Auffälligkeiten" oder ein gehäuftes Auftreten von Krankheitserregern festgestellt. In Bayern kontrollieren die Gesundheitsämter ein Krankenhaus etwa alle zwei Jahre, wenn konkrete Beschwerden vorliegen auch unmittelbar. Was genau geprüft wird, legt vorher das Landesamt für Gesundheit fest.

Die beiden Helios Häuser wurden nach Aussagen des Gesundheitsamts zuletzt im Herbst 2014 überprüft. Die Kontrollen werden in der Regel vorher angekündigt. Zwar sind viele Bereiche in einem Krankenhaus frei zugänglich, aber: "Man kann nicht einfach einen OP begehen und sagen ,Wir wollen da rein'", erklärt Baumgart.

Für den Hygieneschutz seien generell die Kliniken zuständig. "So ist das Infektionsschutzgesetz aufgebaut", so der Leiter des Bad Kissinger Gesundheitsamtes. Die Behörden stehen mit den Kliniken dennoch in kontinuierlichem Kontakt.

Dass die Hygienevorschriften eingehalten werden, liegt in Bad Kissingen und Hammelburg in den Händen von Heidrun Klose. Ein guter Hygieneschutz sei zwar zeit- und kostenaufwendig, komme aber langfristig günstiger. "Jede verhinderte Infektion spart einem Krankenhaus Geld", sagt sie. Die 44-jährige Fachkrankenschwester für Hygiene und Infektionsprävention ist seit 2007 am Eli tätig und hat den Infektionsschutz "sukzessive ausgebaut".

Klose wertet beispielsweise aus, wie viel Händedesinfektionsmittel auf einer Station verbraucht wurde, und ob das dem Bedarf angemessen ist, oder ob die Händedesinfektion schleifen gelassen wurde. Sie schult außerdem Mitarbeiter, kontrolliert die Reinigung der Stationen und die Einhaltung von Desinfektionsplänen, erfasst täglich die wichtigsten, infektionsrelevanten Erreger und gibt bei deren Auftreten Anweisungen, wie mit der Situation umzugehen ist.

Noch ein Beispiel: Risikopatienten für multiresistente Keime, also etwa Landwirte von Mastbetrieben, werden routinemäßig getestet. Sind sie von sogenannten MRSA-Erregern befallen, werden sie isoliert untergebracht und weiter behandelt. 2014 wurden am Eli 4000 Patienten auf MRSA untersucht, 279 waren von den multiresistenten Bakterien befallen. Aktuell werden zwölf solcher Patienten versorgt.

Das "Team Wallraff" führt die Hygienemängel unter anderem auf die angespannte Personalsituation zurück. Damit beschreiben die Journalisten ein altes Problem. Dass die Hygiene unter Personalnot und damit verbundenem Zeitdruck leidet, "ist Lehrmeinung", sagt Baumgart. Dabei ließen sich keine verallgemeinernden Aussagen in Bezug auf kommunale oder private Träger machen. Allerdings habe mit diesen Problemen hat nicht nur das Pflegepersonal zu kämpfen. "Der Reinigungsdienst wird oft unterschätzt", meint er.


Reinigungsbelegschaft konstant

Helios betreibt in Bayern einen Reinigungsdienst als Tochtergesellschaft. In Bad Kissingen und Hammelburg ist laut Heidrun Klose "die Reinigungsbelegschaft seit vielen Jahren dieselbe". Die Mitarbeiter wurden nach der Übernahme in die Helios Reinigung Bayern GmbH eingegliedert. 23 Mitarbeiter am Eli und fünf in der Ortho Clinic reinigen die Krankenhäuser in zwei Schichten. Im Prinzip werden die Kliniken einmal täglich durchgeputzt, besonders sensible Bereiche wie die Intensivstation und die Operationssäle mehrmals zwischengereinigt und desinfiziert.

Die einfachste und wichtigste Maßnahme, um Infektionen zu vermeiden, ist die Händedesinfektion vor und nach Patientenkontakt. "Das ist das A und O", betont Klose. Überall im Haus sind deshalb hunderte Spender aufgestellt. Der erste steht am Haupteingang und empfängt Krankenhausbesucher.