Von seinem Küchenfenster aus blickt Landwirt Kurt Selbert auf ein stolzes Lebenswerk. Gemeinsam mit seiner Frau Ingrid hat er über Jahrzehnte in Völkersleier einen großen Bauernhof aus dem Boden gestampft: "Nach dem Krieg stand hier nur die Feldscheune", erzählt er. Seine Eltern bauten 1964 zunächst einen Hähnchen-Maststall, er selbst erweiterte den Betrieb ab 1973 nach und nach um Hallen, Scheunen, Ställe und 1989 schließlich das neue Wohnhaus. Viel Herzblut steckt in dem Betrieb - und trotzdem gibt ihn Kurt Selbert bald ab.

Probe ohne Grund und Boden

"Eine gut gelungene Betriebsübergabe ist die Krönung eines erfolgreichen Lebenswerkes", sagt Selbert. Und das ist nicht nur so daher gesagt: Als Sohn Stefan mit 18 seine Ausbildung zum Landwirt abgeschlossen hatte, gab Kurt Selbert bereits Verantwortung ab. "Wenn er das machen will, dann geht's nicht, dass er mir bis 65 hinterher rennt", sagte sich Selbert schon vor gut 23 Jahren.

"Die Planung läuft komplett über mich, aber die Hofstelle und die Felder gehören noch dem Vater", erläutert Stefan Selbert die Konstruktion. Vater und Sohn haben also ihre eigenen Betriebe, zusätzlich sind sie in einer gemeinsamen GbR Geschäftspartner. Was die Sache noch komplizierter macht: Auch der jüngste Sohn der Familie arbeitet im Betrieb mit und bewirtschaftet zudem die alte Hofstelle im Dorf im Nebenerwerb.

Weil so viele rechtliche und steuerliche Belange zu beachten sind, planen die Selberts die Hof-Übergabe lange im Voraus: "Im Mai 2015 werde ich 65 Jahre alt, zum 1. Juli fängt das Wirtschaftsjahr an, dann soll alles über die Bühne gehen", sagt Kurt Selbert, und: "Dann ist Stefan der Chef, aber ich helfe natürlich weiter mit, solange ich kann." In die Übergabe sind Bayerischer Bauernverband (BBV) und Steuerberater einbezogen. Zudem besuchten die Selberts ein Seminar auf dem Volkersberg. "Da wurde auch nochmal sehr viel angerissen, woran wir noch gar nicht gedacht haben", lobt Kurt Selbert das Angebot des Lernwerks.

Hof-Übergaben: selten zu früh, häufig zu spät

"Die Hof- Übergaben erfolgen selten zu früh, aber häufig zu spät", sagt BBV-Kreis-Geschäftsführer Georg Scheuring, der im Jahr etwa 40 Eigentümerwechsel betreut. Bei den Selberts ist es aus seiner Sicht ideal gelaufen: "Wenn der Nachfolger einen Probebetrieb hat, kann er schon mal sehen, wie sich was auswirkt." Dagegen bestehe bei nur mitarbeitenden Familienmitgliedern immer die Gefahr, dass sie es sich zu leicht machen.
Bei Landwirten sei die Verbundenheit mit Grund und Boden besonders groß. Deshalb findet Scheuring gut, dass Landwirte ihre Betriebe abgeben müssen, um an Leistungen der landwirtschaftlichen Alterskasse zu kommen: "Wenn dieser sanfte Druck nicht da wäre, würden viele zu spät übergeben."

Kurt Selbert kümmert sich auch deshalb um die rechtzeitige Übergabe, weil er selbst überraschend zum Hof kam: Der gelernte Maurer profitierte davon, dass sein älterer Bruder nach Mittelfranken heiratete. Also erbte er den typischen Mischbetrieb der 1970er Jahre mit Schweinen, Kühen, Masthähnchen und 30 Hektar Feld. Heute stehen 500 Muttersauen im Stall und mehr als 14 000 Ferkel verlassen jedes Jahr den Hof.

Den Betrieb samt 70 Hektar Feld aus der Hand zu geben, ist Familienangelegenheit: Die vier Kinder und ein Teil der elf Enkel sind eingebunden. "Bei uns in der Familie wird keine Kraft für Streiten verbraucht", freut sich Kurt Selbert, dass sich dabei alle einig sind. Und für Junior Stefan steht bereits fest: "Ich hab das auch so vor mit meinem Sohn." Schließlich ist der älteste der vier Söhne bereits 14 Jahre alt. Der übernächste Generationswechsel ist also in Sichtweite.


Rund um den Generationswechsel

Serie Die Saale-Zeitung stellt in den kommenden Wochen Generationswechsel in unterschiedlichen Bereichen vor: Vom Bauernhof über die Arztpraxis bis zu Handwerkern und Dienstleistern. Anregungen sind willkommen unter Tel.: 0971/ 8040-118 oder E-Mail anredaktion.badkissingen@infranken.de.

Bauernverband Der Bayeri sche Bauernverband (BBV) vertritt rund 154 000 Mitglieder, davon rund 100 000 aktive Landwirte. Im BBV kümmern sich rund 14 000 ehren- und 400 hauptamtliche Mitarbeiter um die Belange der Land- und Forstwirtschaft. Im Landkreis Bad Kissin gen hat der BBV rund 2000 Mitglieder, davon 1200 aktive Landwirte. Die Geschäftsstelle befindet sich in Oberthulba, Tel.: 09736/ 810 30.

Seminar Das nächste Hof-Übergabe-Seminar im Lernwerk (früher Landvolkshochschule) Volkersberg findet vom 23. bis 25. Februar 2015 statt.