"Der Tuwack wack wack, Tuwack wack wack, Tuwack ist mein Leben, is mei' Freud", so klingt es in Steinach nun schon seit exakt 100 Jahren. Da nämlich, kurz nach dem Ersten Weltkrieg, wurde der Rauchclub Blaue Wolke Steinach gegründet und das Lied mit diesem Refrain immer noch bei jeder Zusammenkunft des Vereins gesungen. Der Verein, bei dem zuerst in gemütlicher Runde Pfeife geraucht wurde, gab sich und seinen 15 Gründungsmitgliedern damals strenge Statuten: Zuzüglich zur Aufnahmegebühr von zwei Reichsmark waren monatlich 30 Pfennig Vereinsbeitrag zu entrichten. Teuer wurde es allerdings, wer unentschuldigt den jeweils samstäglichen Klubabenden fernblieb. Jedes Fernbleiben kostete damals 50 Pfennig, Klubabend war jeden Samstag und zum Vergleich, das Briefporto betrug damals zehn Pfennig! Keine zwanzig Jahre später war allerdings Schluss mit den Klubabenden, nicht wegen der Kosten, sondern wegen der Gleichschaltung der damaligen Vereine. Erst in den sechziger Jahren, lebte der Verein wieder auf und beteiligte sich ab 1965 jährlich mit eigenem Festwagen am Faschingsumzug. Die Wiedergründung, diesmal mit 17 aktiven Rauchern und die Rauchabende fanden in der gleichen Gastwirtschaft in Steinach statt wie ursprünglich - heute finden die jährlich sechs Rauchabende in einem extra eingerichteten Raum des ehemaligen Steinacher Rathauses statt, denn nur noch dort darf "indoors" geraucht werden.

Beim Preisrauchen werden heute nur Zigarillos einer bestimmten Sorte und Marke angezündet, bei denen es die Besten schaffen, den "Glimmstengel" über eine Stunde am Leben zu erhalten. Aber nicht nur das Rauchen änderte sich, sondern der Verein nahm auch neue Aufgaben wahr.

Nicht nur, dass die Aktiven nach einem Besuch einer Prunksitzung der Bad Neustädter Karnevalsgesellschaft den Fasching als "zweites Standbein" und Jugendakquise sahen, es kamen Sommernachtsfeste und Wanderungen hinzu. Eine der Aktiven, schon vor einigen Jahren hat sich der Verein sowohl für aktive wie für passive Frauenmitgliedschaften ausgesprochen, umschrieb den Vereinszweck heute so: "früher war es halt nur ein Rauchclub für Männer, heute ist es mehr ein Familienclub, bei dem auch Wanderungen mit Picknick stattfinden und bei denen die Heimat kennengelernt wird. Rauchen und Faschingstreiben stehen aber weiterhin ganz oben auf der Liste und schon 1970 beteiligte der Verein sich beim Patenverein Wittelsbach Garitz an einem zünftigem Preisrauchen. Eine Verbindung, die bis in die heutigen Tage Bestand hat, sind die "Wittelsbacher" in Garitz und die "Blaue Wolke Steinach" doch die einzig verbliebenen Rauchclubs im Landkreis. 1972, das erste Jahr, an dem auch Frauen am Preisrauchen teilnehmen durften brachte auch für den Verein einige Höhepunkte. So hatte sich die Zahl der aktiven (männlichen) Raucher seit der Wiedergründung mehr als verdoppelt und die der weiblichen Aktiven mit 17 Damen gefestigt. Mit solchen Aktiven nahm der Verein erstmals an einem Bundeswettrauchen teil und belegte einen beachtlichen Rang im Mittelfeld.

In der Heimat wurden derweil nicht nur die Reinerlöse aus diversen Festen und Veranstaltungen für kommunale Vorhaben wie Kinderspielplatz und Schwimmbad gestiftet, sondern etliche Vereinsmitglieder legten bei verschiedensten Vorhaben selbst Hand mit an. So wurden in den siebziger Jahren die Bergkapelle restauriert, der Friedhofsweg gepflastert, das Kriegerdenkmal versetzt und, unter der Regie des Rauchclubs fand im Jahr 1975 der Martinszug statt. Eine Einrichtung, die heute noch Bestand hat, nur die Verköstigung der Kinder, weniger Süsses, dafür mehr Obst und bei den Musikanten weniger Schnaps und dafür mehr alkoholfreie Getränke, hat sich geändert. Mit dem Aufstellen eines Rauchclubbrunnens und dem Pflanzen einer Linde trug der Verein wesentlich zur Verschönerung des Ortsbildes bei und der ehemalige Bürgermeister Helmut Schuck stellte damals fest: "Was in anderen Gemeinden die Heimatvereine bewirken, das schafft bei uns der Rauchclub". Mit dazu gehört auch das "Gügerauschlagen" das der Rauchclub ab den achtziger Jahren der Dorfjugend vorführt, damit dieser Brauch nicht verloren geht. 1986 war die Stänicher-Kirmes verbunden mit der Fränkischen Rauchmeisterschaft im Zigarrenlangsamrauchen, damals noch erlaubt in der Henneberg-Sporthalle. Die Platzherren kamen hier auf den fünften Platz unter insgesamt 13 Vereinen. Das Jahr darauf war der bis dato sportlich größte Erfolg der Steinacher Raucher mit dem Bundessieg von Kurt Voll zu verzeichnen. Der Club wurde unter 21 teilnehmenden Mannschaften aus der ganzen Bundesrepublik siebter und Kurt Voll meldete erst 1,5 Minuten nach dem Zweitbesten "Zigarillo tot" und wurde damit Bundessieger im Zigarillo-Langsam-Rauchen. In den darauffolgenden Jahren gelangen Kurt Voll zwar immer wieder Zeiten von über 70 Minuten für ein Zigarillo, aber für einen Deutschen Meister reichte es leider nicht mehr, als Mannschaft fuhr die Blaue Wolke 1990 mit dem 6. Platz beim Bundesrauchen ihr bis dahin bestes Ergebnis ein. Besser waren sie nur noch als Mannschaft im Jahr 1996 als sie vor heimischer Kulisse beim Bundeswettrauchen den 4. Platz belegten. Ebenfalls ein "Vierter" sprang 2012 heraus als das Bundeswettrauchen bei Hanau stattfand, hier war auch nochmals als Austragungsort Steinach im Gespräch, aber die Rauchverbote in Hallen und Gaststätten forderten ihren Tribut. Nachdem die Henneberg-Halle ab 2014 renoviert wurde fielen die dortigen Büttenabende vorerst aus und als die Halle 2016 wieder genutzt werden konnte, fanden diese ohne Mitwirkung des Rauchclubs statt, womit dem Verein eine große Verantwortung von den Schultern genommen wurde, ließ Vereinsvorsitzende Ulla Dempsey in ihrem Rückblick wissen.

"Ich muss vor dem was der Rauchclub geleistet hat den Hut ziehen, das verdient Respekt und herzlichen Dank", ließ Pfarrer Michael Kubatko wissen. Bürgermeister Andreas Sandwall dankte vor allem den Wiedergründungsmitgliedern und hob die große Verbundenheit des Vereins mit der Marktgemeinde und den anderen Ortsteilen hervor. Norbert Metz, Vorsitzender des Patenvereins Rauchclub Wittelsbach Garitz zeigte sich erfreut, dass in Steinach die sechs Rauchabende beibehalten wurden, seien sie doch "ein Bekenntnis zum sportlichen Rauchen" und Bad Bocklets Ex-Bürgermeister Armin Faber trat auch noch kurz in die zum Rednerpult umfunktionierte Bütt und erinnerte daran, dass es ohne den Rauchclub damals in Steinach kein Schwimmbad gegeben hätte (heute steht an dessen Stelle die Skaterbahn für die Jugend). Alle Grußredner überreichten der Vereinsvorsitzenden Ulla Dempsey ein Geldpräsent.

Da die Ehrungen bei der Blauen Wolke Steinach jeweils bei der großen Weihnachtsfeier stattfinden, wurde nur noch Kurt Voll, der im Dezember verhindert war, für 50 Jahre geehrt. Auch Robert Schmitt, der für seine 50-jährige Tätigkeit als Vereins-Fähnrich geehrt werden sollte, ließ sich entschuldigen.