Ein Mann liegt am Boden. Er ist verunglückt, zu Hause in seinem Technikraum. Einen Stromschlag hat er dort abbekommen. Ein kurzer Blick genügt und Manuel Vorndran und Ariel Karwacki wissen sofort, was zu tun ist. Routiniert überprüfen sie die Vitalfunktionen des Verunglückten, greifen zu Instrumenten und Messgeräten. Schließlich legen sie noch eine Infusion, um dem Mann zu helfen. Die beiden sind ehrenamtliche Rettungssanitäter und gehören zur Gruppe "Helfer vor Ort (HvO)" im Markt Burkardroth. Sie betreuen den Verletzten solange, bis der Notarzt samt Rettungswagen da ist. Das kann manchmal dauern.
"Weil wir alle im Markt Burkardroth wohnen, sind wir innerhalb weniger Minuten nach Eingang des Notrufs in der Zentrale da", sagt Vorndran. Minuten, die entscheidend sein können. Seit fünf Jahren schon gibt es die HvO-Gruppe im Markt Burkardroth. Neun Männer und Frauen gehören ihr momentan an, allesamt ausgebildete Rettungssanitäter oder Rettungsassistenten. Einige sind auch hauptberuflich bei Rettungsdiensten tätig, wie etwa Manuel Vorndran. "Mein Hobby ist mein Beruf. Das Rote Kreuz steht bei mir immer an erster Stelle", erklärt er.


Vom Vater inspiriert

Ursprünglich hat der 31-Jährige eine Ausbildung bei der Post absolviert, dann aber doch umgesattelt. Über seinen Vater Franz, der als Anästhesie-Pflegehelfer im Elisabeth-Krankenhaus tätig ist, wurde er auf den Rettungsdienst aufmerksam. Inzwischen arbeitet Manuel Vorndran schon seit zehn Jahren als Rettungssanitäter im Bereitschaftsdienst des Bayerischen Roten Kreuzes, die letzten fünf Jahre davon zusätzlich noch ehrenamtlich in der HvO-Gruppe Burkardroth mit seinem Vater.
"Jung und alt, das klappt bei uns prima", sagt er. Ariel Karwacki, der seit sieben Jahren ehrenamtlich im Sanitätsrettungsdienst tätig ist, schätzt an der HvO-Gruppe die gute Freundschaft der Helfer untereinander und den Zusammenhalt. "Es springt auch mal kurzfristig jemand ein, wenn ich einen Dienst nicht machen kann", erzählt er. Der 30-Jährige hat Jura studiert und bereitet sich momentan als Referendar auf das zweite Staatsexamen vor.
Alle vier Wochen treffen sich Karwacki, die Vorndrans und die anderen Gruppen-Mitglieder, um die Dienste für den kommenden Monat zu besprechen. Dienst als HvO zu haben, das heißt fünf Wochentage zwischen 18 und 6 Uhr oder 24 Stunden am Wochenende beziehungsweise an Feiertagen bereit zu sein, um im Notfall zu helfen, bei Unfällen aller Art. "Wir werden immer dann verständigt, wenn über die Integrierte Leitstelle ein Notarzt mit Rettungswagen gerufen wird", so Vorndran, der auch als Gruppenführer fungiert.
Geld bekommen die "Helfer vor Ort" für ihre freiwilligen Hilfseinsätze aber nicht, weder vom Bayerischen Roten Kreuz, dem sie angeschlossen sind, noch von den Krankenkassen. "Wir finanzieren unseren Betrieb ausschließlich über Spenden", sagt Arial Karwacki. Zu den anfallenden Kosten der HvO-Gruppe gehört in erster Linie der Unterhalt für das Einsatzfahrzeug, einen 16 Jahre alten Audi A4.


Rücklagen bilden

"Wir müssen für ihn wie bei anderen Autos auch für die Versicherungen, Winter- und Sommerreifen sowie für die Inspektionen, Reparaturen und Ersatzteile sowie für den Sprit aufkommen", erklärt er. Wie lange der Audi noch durchhält, ist fraglich. Deshalb ist die Gruppe bemüht, Rücklagen zu bilden, damit sie sich ein neues Einsatzfahrzeug anschaffen kann.
Zusätzlich braucht die HvO-Gruppe für ihre Rettungseinsätze verschiedene Ausrüstungsgegenstände, wie etwa Funkgeräte. Zwei mussten erst vor Kurzem neu angeschafft werden, da im Landkreis auf Digitalfunk umgestellt wurde. "Wir haben für unsere beiden Geräte rund 1000 Euro gezahlt", erklärt Manuel Vorndran.
Ein allzu großes Loch hat deren Anschaffung aber nicht in die HvO-Kasse gerissen. "Wir haben glücklicherweise zwei großzügige Spenden erhalten. 500 Euro vom Brennstoffhandel Zink aus Zahlbach und weitere 400 Euro vom Verputzerbetrieb Köth aus Lauter", freut sich Karwacki. Eine ganz besondere gab es zu Wochenbeginn von Bruno Kriener, dem Inhaber der Computerfachfirma FMS Bad Kissingen. 2500 Euro hat er der Gruppe gegeben.
"Es ist Geld aus der Region für die Region", sagt der Unternehmer. Ihm sei wichtig, dass seine Spende direkt ankommt und nicht in irgendeiner Verwaltung versandet. Bei der HvO-Gruppe wisse er, dass die Summe sinnvoll verwendet wird. "Vielleicht bin ich selbst einmal auf deren Hilfe angewiesen", sagt Kriener, der im Markt Burkardroth wohnt.


Benefizkonzert

Auch andere unterstützen die Arbeit der Helfer vor Ort. Willi Kirchner, Frontmann der Band "Koan Nome", bereitet mit befreundeten Musikern und der Gruppe "Nur Mut" aus Stralsbach ein Benefizkonzert vor, das am 12. März im Sportheim beim TSV Wollbach stattfinden soll.
In Waldfenster trifft soeben der Notarzt ein. Es folgt eine kurze Übergabe, dann wird der Verletzte ins Krankenhaus gebracht. Ariel Karwacki und Manuel Vorndran packen ihre Utensilien ein, rauchen noch kurz eine Zigarette miteinander und machen sich dann auf den Weg nach Hause - bis zum nächsten Einsatz.


Bestand Vier Helfer-vor-Ort-Gruppen gibt es aktuell im Landkreis. Die in Zeitlofs und Geroda sind den Freiwilligen Feuerwehren angeschlossen und werden somit über die Gemeinden finanziert. Die HvO in Burkardroth und Münnerstadt gehören zum Bayerischen Roten Kreuz und existieren von Spenden. Momentan organisiert sich eine weitere HvO-Gruppe in Schönderling.