Er hat Wort gehalten. Bei einer Reise durch Indien hat Heinrich Hackenberg seinem Gastgeber, einem Priester namens Father Joseph, in Kalkutta versprochen, er würde ihm und den Ärmsten der Armen helfen: "Du bist nicht mehr alleine." Das war keine Floskel.

Der Verein "Hilfe für Kinder in der Dritten Welt", den der Ex-BGS-Beamte mitgegründet hat und seit 2005 leitet, hat über drei Millionen Euro für seine Hilfsprojekte aufgebracht. Dafür bekam Heinrich Hackenberg die Bundesverdienstmedaille.

Heinrich Hackenberg hatte Ende der 80er Jahre gesehen, wo - in einem Abfallcontainer - und wie - auf einer Müllhalde - Kinder in Indien "wohnen". Für ihn war ganz schnell klar: "Man muss für sie etwas machen."
Da bot sich der Verein an. Heinrich engagierte sich dort 1997 als 2. Vorsitzender und übernahm das Ruder. Er liebe diese Arbeit dort, lobte Bold, sei mit Leib und Seele dabei, werde nicht müde, Spendengelder zu sammeln. Und wenn indische Priester in Ebenhausen Vertretungsdienste übernehmen, wohnten die selbstverständlich bei den Hackenbergs.

Alles auf eigene Kosten

Nicht nur das: Als einmal drei ausgesetzte Mädchen von einer Müllkippe aufgelesen wurden, übernahm Heinrich Hackenberg für eines die Patenschaft, sorgte dafür, dass es in eine Schule gehen konnte: "Wir haben sogar ihre Hochzeit bezahlt."

Natürlich aus eigener Tasche. Das gilt auch für die vielen Reisen, die Heinrich Hackenberg und seine Frau Monika zu den Einsatzorten in Indien und Afrika unternommen haben. Sie fliegen in die Slums per "Holzklasse" - anders als ein deutscher Bischof. Und anders als manche Würdenträger schlafen die Hackenbergs nicht in Nobelhotels, sondern auf harten Pritschen.

Heinrich Hackenberg sammelt nicht nur Spendengelder, er rekrutiert auch "Paten", darunter Bürgermeister Siegfried Erhard (CSU): 103 Euro pro Jahr reichen für Schule, Kleidung und ärztliche Versorgung.
Vor allem Bildung sei ganz wichtig. Denn nur so könnten die Mädchen und Jungen der Armut entfliehen. Auch gibt es Hilfe zur Selbsthilfe: Junge Frauen lernen Schneiderin und können so ihr Leben finanzieren.
Eine Art Ich-AG sei das Projekt "Straßenhändler": Arme erhalten Karren, die mit Obst und Gemüse bestückt sind. Der Handel kann dann beginnen.

Schulen, Krankenhäuser, Heime

Außerdem baut der Verein Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser. Er bildete 22 Frauen zu Gesundheitshelferinnen aus, die sich um etwa 11 000 Kinder kümmern. Es habe, so Heinrich Hackenberg, schon viele Heilungen gegeben. Es gibt auch eine mobile Klinik: Krankenschwestern ziehen von Ort zu Ort, behandeln selbst oder sorgen für eine Krankenhausbehandlung; alles kostenlos. Jeden Samstag kämen 600 bis 700 Straßenkinder zu den Heimen. Sie werden gewaschen und eingekleidet, können sich satt essen.

Alleine in Kalkutta beschäftigt der Verein 24 Lehrer. In einem Slum wurde eine Schule für fast 1000 Kinder gebaut. Die bislang größte Bildungseinrichtung mit Internat und Berufsbildungszentrum steht in Nepals Hauptstadt Kathmandu.

Auch in Namibia wird segensreiche Arbeit geleistet. So entstand 2007 in Rundu ein Kindergarten, den die Benediktinerin Schwester Wilhelmine betreut. Dort gibt es auch eine Solaranlage und einen Tiefbrunnen.
In Mulilo und auf der Omega-Ranch unterstützt der Verein ein Projekt der Kapuziner. Sie bewässern Felder und betreuen Kinder schulisch, die auf eigenen Beeten Früchte anbauen. Der Kindergarten Bukalo wurde am 27. Januar 2013 eingeweiht.

Ein "Held des Alltags"

Sorgen macht sich Heinrich Hackenberg um die Zukunft des Vereins. Der 69-Jährige ist gesundheitlich angeschlagen und muss kürzertreten. Unklar sei, wie es ohne ihn weitergehe. Schon heute leisteten im Wesentlichen drei Personen die Arbeit, sagt er: sein Stellvertreter Herbert Weichold, Kassierer Sven Zillmer und eben er selbst
"Wir können stolz auf die bisherigen Leistungen sein", sagt Heinrich Hackenberg, der einst Mutter Teresa in Kalkutta kennen gelernt hat. Seine Arbeit wurde schon einmal gewürdigt: 2008 wurde er als "Held des Alltags" mit dem Ehrenpreis "Brisant Brillant" des Mitteldeutschen Rundfunks ausgezeichnet.


Schwerpunkt Indien

Der Verein "Hilfe für Kinder der Dritten Welt" wurde vor 24 Jahren in Schweinfurt gegründet und hat heute 276 Mitglieder. Sie wollen "Wissen gegen Armut" setzen. Der Verein kümmert sich um die vergessenen Kinder in armen Ländern. Seine Hilfe vor Ort ist jedem zugänglich - unabhängig von Kaste, Geschlecht, Hautfarbe, Religion und Stammeszugehörigkeit. 2700 Paten unterstützen ihn dabei mit jeweils 103 Euro pro Jahr. In Bozen hat sich nach einem Bericht bei Radio Vatikan ein Zweigverein gegründet.

Drei Millionen Euro hat der Verein aufgebracht. Jeder Cent geht in seine zur Zeit 15 Projekte in Indien, Nepal, Bangladesh und Namibia. Acht Schulen, Kindergärten, Heime und anderes wurde gebaut. Verunglückten wird medizinisch geholfen, sie erhalten bei Bedarf auch Prothesen.

Informationen bei Heinrich Hackenberg, Erlenstraße 10 in Ebenhausen (09725/ 9966, he.hackenberg@t-online.de). Spendenkonto: 24 24 24 1 bei der Flessabank (BLZ: 793 301 11).