Nach und mit Heiligkreuz geht es bergab: Zum einen sinkt in dem Wartmannsrother Gemeindeteil die Bevölkerung stetig: 93 Einwohner waren es noch im Jahr 2000, aktuell sind es noch 63. Zum anderen müssen Autofahrer auf den Weg dorthin einen beträchtlichen Höhenunterschied überwinden: Die Nachbarorte Völkersleier und Detter liegen im Mittel rund 350 über dem Meeresspiegel, Heiligkreuz im Schondratal nur rund 225 Meter. Diese topographische Lage hat einen großen Haken: In Heiligkreuz sind alle Handys unbrauchbar - und zwar in allen Netzen.
Armin Henning ist Kommandant der kleinen Heiligkreuzer Feuerwehr. Am 2. Januar 2016 um punkt 6 Uhr erlebte er einen Quantensprung: Seitdem funken die Feuerwehren im Landkreis Bad Kissingen mit dem neuen Behörden-Digitalfunk, als erste in ganz Unterfranken. Analog war die Heiligkreuzer Wehr von der Außenwelt abgeschnitten. Um mit der Leitstelle zu kommunizieren, mussten sie erst einige hundert Meter aus dem Schondratal herausfahren.


Feuerwehren sind gut versorgt

Zumindest dieses Funkloch ist gestopft: "Westlich von Heiligkreuz wurde im gemeindefreien Gebiet extra ein neuer Mast aufgestellt", berichtet der Wartmannsrother Bürgermeister Jürgen Karle (FWG). Heiligkreuz sei auch kein Einzelfall gewesen: Auch die Floriansjünger aus Völkersleier hatten am Feuerwehrhaus keinen Empfang. Umso mehr freut sich Kreisbrandinspektor Thomas Eyrich über den flächendeckenden Digitalfunk: "Die Probleme in der Gemeinde Wartmannsroth sind alle behoben."
Dem normalen Bürger nutzt das allerdings wenig, deshalb schaltete sich Bürgermeister Karle bei der Planung ein: "Ich habe bei der Standortsuche mitgewirkt und angeregt, dass der Mast so ertüchtigt wird, dass auch die ein oder andere Mobilfunk-Antenne mit drauf könnte", berichtet er. Denn auch die Beschwerden von Handy-Besitzern sind für Karle nichts neues: "In Heiligkreuz geht gar nichts, in der Heckmühle hat man nur eine Verbindung, wenn man weiß, wo man sich hinstellen muss, und in Windheim hängt es vom Netz ab, ob man telefonieren kann", fasst er die Lage in seiner Gemeinde zusammen.
Deshalb bemüht er sich seit Jahren, Mobilfunkbetreiber anzulocken. Obwohl Karle bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister 2008 selbst bei der Telekom beschäftigt war, gingen jedoch bislang alle Bemühungen ins Leere. "Es wäre eigentlich alles da, die müssten nur die Antennen drauf schrauben, aber alle Anbieter haben abgewunken", zieht Karle eine ernüchternde Bilanz.
"Der Digitalfunk für die Feuerwehr ist natürlich ein wichtiger Fortschritt", sagt Karle. Das erhöhe die Sicherheit. Trotzdem gebe es aber noch erhebliche Lücken: So befindet sich etwa mitten in Heiligkreuz einer der Rettungstreffpunkte der Bayerischen Staatsforsten. Unter der Kennung "KG 2001" ist die Notrufnummer 112 vermerkt.


Im Notfall von Haus zu Haus

"Die zwei Buchstaben und vier Zahlen reichen uns aus, um den Standort genau zu ermitteln und Hilfe zu schicken", erläutert Thomas Schlereth, Leiter der Integrierten Leitstelle Schweinfurt, das System. Das Problem in Heiligkreuz: Selbst vor dem Rettungstreffpunkt blinkt im Handy-Display "Kein Netz". "Dann muss man dort von Haus zu Haus gehen und einen Notruf übers Festnetz absetzen", rät Schlereth.
Überrascht von der Lage des Rettungstreffpunktes im Funkloch war gestern Bernhard Zürner vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten Bad Kissingen: "An den Treffpunkten sollte natürlich Netzabdeckung vorhanden sein", sagt er. In der Rhön sei die Topographie an einigen Punkten schwierig. Die Situation in Heiligkreuz wolle er sich nach dem Hinweis der Redaktion nun genauer anschauen. Mögliche Lösungen könnten die Verlegung des Treffpunktes KG 2001 oder ein Zusatzschild sein: Darauf könnte auf einen Punkt mit Handy-Empfang hingewiesen werden. Denkbar sei auch ein Hinweis auf Anwohner, allerdings müsse man dann erst Kontakt mit den Nachbarn aufnehmen.
"Ich mache mir große Sorgen um die Sicherheit und Gesundheit meiner Mitmenschen", kommentiert Kommandant Armin Henning die Situation. Vor einigen Jahren sei sogar das Ortsnetz der Telekom mehrfach ausgefallen. "Wir hängen ja an Detter dran und dort gab es Probleme", berichtet Henning. Bei einem medizinischen Notfall oder einem Feuer, bleibe dann nur noch die Option, sich ins Auto zu setzen, in einen Nachbarort zu fahren und von dort aus Hilfe zu holen. "Aber wir haben hier ja auch viele ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind", gibt der Kommandant zu bedenken.
Wie Bürgermeister Karle hat auch Henning keine große Hoffnung mehr auf Besserung: "Selbst wenn alle zu einem Mobilfunkbetreiber wechseln würden, wäre es vermutlich nicht wirtschaftlich", verweist er auf die geringe Zahl der Einwohner. Das Merkwürdige daran: Mit schnellem Internet ist Heiligkreuz bestens versorgt. "Hab-Net" hat ein Glasfaserkabel bis in den Ort gelegt - dank staatlicher Förderung. Eine ähnliche Konstruktion würde sich Karle auch beim Mobilfunk wünschen: Der Bürgermeister könnte sich auch eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde vorstellen, um die Wirtschaftlichkeitslücke bei den Betreibern zu schließen. Trotzdem bleibt Karle pessimistisch: "Ich hab's fast aufgegeben, weil es bei den meisten Firmen nicht einmal eine Rückmeldung gibt."